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von Andreas Milk
Kamen. In einem Kamener Mehrfamilienhaus wohnt Birgit H. (Namen geändert) zusammen mit ihrer erwachsenen Tochter Nadine. Zwei Etagen drunter ist die Wohnung der syrischen Familie M.; Sohn Omar ist 19 Jahre alt. Bis zum 8. September 2025 kam Omar M. eigentlich gut mit Mutter und Tochter H. aus. Aber an diesem Abend passierte nach Überzeugung des Jugendrichters folgendes: Gegen 22.30 Uhr trat Omar die Tür zur Wohnung der beiden Frauen ein. Sie sahen gerade fern. Als Nadine H. zur Tür lief, sprühte M. ihr eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Dann rannte er - begleitet von zwei anderen jungen Männern - in die eigene Wohnung zurück. Juristisch gesehen: Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung.
Auslöser des Geschehens: Der Streit um die Bezahlung zweier Katzen. Omar M. hatte die Tiere Birgit H. überlassen. An jenem Septembertag sollte die zweite Rate - 75 Euro - an M. gezahlt werden. Aber Birgit H. geriet in Verzug. Denn eine Überweisung vom Jobcenter erreichte sie später als erwartet.
Die Attacke an der Tür - von Omar M. abgestritten, von Nadine und Birgit H. glaubhaft und anschaulich beschrieben ("auf einmal machte es Wumms") - wertete der Vertreter der Staatsanwaltschaft im Prozess als "gezielten Racheakt". Der 19-Jährige habe "jede Grenze überschritten". Ähnlich sah es der Richter. "Man merkt immer noch, dass Sie sauer sind", fand er - und schickte den vorbestraften jungen Mann gemäß Jugendstrafrecht in einen zweiwöchigen Dauerarrest. Reifeverzögerungen wurden zu Gunsten des Angeklagten berücksichtigt. Der lebt seit 2021 in Deutschland, hat seit der Flucht seiner Familie aus Syrien eine Zwischenstation in Griechenland hinter sich. Die Hauptschule verließ er ohne Abschluss, erwarb aber einen Führerschein und will jetzt sein Deutsch verbessern.
Und Nadine H.? Sie sagt, psychisch habe sie der Vorfall am 8. September ziemlich mitgenommen. Heute gehe man sich aus dem Weg. Die Wohnungstür sei auch nach mehr als einem halben Jahr noch kaputt. Die Hausverwaltung kümmere sich nicht drum - und sei in der Regel auch gar nicht zu erreichen.
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Berlin. Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro für Beschäftigte wird zunächst nicht eingeführt. Obwohl der Bundestag den Gesetzentwurf bereits verabschiedet hatte, scheiterte das Vorhaben nun im Bundesrat. Grund dafür ist vor allem Streit über die Finanzierung.
Warum lehnen die Länder die Prämie ab?
Nach Ansicht der Länder würden durch die steuerfreie Zahlung hohe Steuerausfälle entstehen, die überwiegend von Ländern und Kommunen getragen werden müssten. Rund zwei Drittel der finanziellen Belastung lägen bei ihnen. Die vorgesehene Gegenfinanzierung über höhere Einnahmen aus der Tabaksteuer komme dagegen ausschließlich dem Bund zugute.
Mehrere Ländervertreter übten deshalb deutliche Kritik an der Bundesregierung. Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärte, der Bund starte häufig Programme, deren langfristige Kosten letztlich bei Ländern und Kommunen hängen blieben. Auch Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel bemängelte, dass der Bund zwar für einen Ausgleich sorge, jedoch nur für den eigenen Haushalt. Besonders die Kommunen würden dadurch zusätzlich belastet.
Länder verlangen gerechtere Kostenverteilung
Für die Länder ist die gescheiterte Entlastungsprämie Teil eines größeren Problems. Sie werfen dem Bund vor, regelmäßig Gesetze zu verabschieden, die finanzielle Folgen für Länder und Städte haben, ohne diese ausreichend zu beteiligen. Seit längerer Zeit fordern die Länder deshalb einen festen Mechanismus zur fairen Verteilung solcher Kosten. Eine Einigung gibt es bislang jedoch nicht.
Milliardenkosten für den Staat
Nach Berechnungen könnten die Steuerausfälle durch die geplante 1000-Euro-Prämie insgesamt bis zu 2,8 Milliarden Euro betragen. Die Bundesregierung orientierte sich bei ihrem Entwurf an früheren Sonderregelungen während der Corona-Pandemie und der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs. In dieser Zeit konnten Unternehmen ihren Beschäftigten bereits steuerfreie Sonderzahlungen von bis zu 3000 Euro auszahlen.
Archiv: „Darf ich…?“ – Diese Änderungen gelten ab Mai 2026
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Stella Gaitano stellte in Kamen die deutsche Ausgabe ihres Buches „Eddos Goldenes Lächeln“ vor. Foto: Stadt Kamen
Kamen. In Kamen hat die Autorin Stella Gaitano am Donnerstagabend erstmals die deutsche Ausgabe ihres Buches „Eddos Goldenes Lächeln“ vorgestellt. Die ehemalige Writers-in-Exile-Stipendiatin des PEN Deutschland sprach dabei über ihr literarisches Schaffen sowie über Themen wie Herkunft, Identität und gesellschaftliche Realität.
Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich Gaitano bei der Stadt Kamen und Menschen aus ihrem Umfeld, die ihr das Ankommen erleichtert hätten. Erwähnt wurde dabei auch Bernhard Büscher, der das Writers-in-Exile-Programm in Kamen unterstützt.
In dem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch erzählt Gaitano anhand zweier Frauen und ihrer Familien die Geschichte des Sudan. Während der Lesung trug die Autorin zunächst einen Auszug auf Arabisch vor, anschließend wurden Passagen in deutscher Sprache gelesen.
An der Veranstaltung nahm zudem die Verlegerin Helga Frese-Resch teil. Ein Team des WDR begleitete den Abend für einen geplanten Beitrag in der Sendung „Westart“. Nach der Lesung nutzten zahlreiche Gäste die Möglichkeit, Bücher signieren zu lassen.
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Kamen. Am Dienstag, 12. Mai können Bürgerinnen und Bürger von 17 bis 18 Uhr mit ihren Anliegen in die Sprechstunde der Bürgermeisterin in das Südkamener Buxtorfhaus kommen.
Dabei können Interessierte ihre Wünsche äußern, Anregungen geben – oder einfach über unsere Stadt ins Gespräch kommen. Bürgermeisterin Elke Kappen steht dafür gerne in der persönlichen Begegnung zur Verfügung.
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Kamen. Die Stadt Kamen lädt gemeinsam mit der Ausbau-Initiative Solarmetropole Ruhr und der Verbraucherzentrale NRW zu einem weiteren Online-Vortrag rund um das Thema Energie ein. Im Mittelpunkt steht diesmal die Frage, ob dynamische Stromtarife für Verbraucher sinnvoll sein können.
Die kostenlose Veranstaltung findet am Dienstag, 12. Mai 2026, von 18 bis 20 Uhr online über Zoom statt. Referent Dr. Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale NRW erläutert, wie dynamische Stromtarife funktionieren, für welche Haushalte sie geeignet sind und worauf bei einem Vertragsabschluss geachtet werden sollte.
Außerdem geht es um den Einsatz von Wärmepumpen, Stromspeichern, E-Autos und Haushaltsgeräten in Verbindung mit flexiblen Strompreisen. Während des Vortrags besteht die Möglichkeit, Fragen an den Experten zu stellen.
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldung unter: https://solarmetropole.ruhr/veranstaltungen/
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Bei der Veranstaltung. Foto: Max Rolke – Kreis UnnaKreis Unna. Wie kann Kinderschutz noch wirksamer gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der ersten Kinderschutzkonferenz im Kreis Unna, die am Mittwoch, 6. Mai, im Kreishaus in Unna stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, Fachkräfte zu vernetzen, den Austausch zu fördern und gemeinsam Impulse für eine Weiterentwicklung des Kinderschutzes zu setzen.
Nach der Begrüßung durch Landrat Mario Löhr eröffnete Prof. Dr. Reinhold Schone von der FH Münster, ein renommierter Experte für Kinder- und Jugendhilfe, der insbesondere zu den Themen Kinderschutz, Kindeswohlgefährdung und der Organisation des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) forscht. Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden in Workshops an konkreten Fragestellungen aus der Praxis. Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt und diskutiert.
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung der Aufgaben der Netzwerke Kinderschutz NRW durch Jan Pöter von der Fachberatung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Dabei wurde deutlich, welche Rolle verlässliche Netzwerke für einen funktionierenden Kinderschutz spielen – von der Prävention bis zur Intervention.
Die Konferenz bot darüber hinaus Raum für persönlichen Austausch und neue Kontakte. Genau darin liegt ein zentraler Baustein für wirksamen Kinderschutz: funktionierende Netzwerke, kurze Wege und ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung. PK | PKU
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Kamen. Die Evangelische Kirchengemeinde Kamen lädt im Juni zu zahlreichen Gottesdiensten, Konzerten und Begegnungen ein. Den Auftakt macht am Mittwoch, 3. Juni, um 15 Uhr die Frauenhilfe Kamen Ost im Gemeindehaus unter dem Thema „Bäume sind Atem für Leib und Seele“.
Am Sonntag, 7. Juni, dem 1. Sonntag nach Trinitatis, finden zwei Gottesdienste mit Abendmahl statt: um 9 Uhr im Johannes-Buxtorf-Haus sowie um 10.30 Uhr in der Pauluskirche. Beide Gottesdienste werden von Pfarrer Peuckmann geleitet.
Ein Katechumenengottesdienst mit Pfarrer Brandhorst beginnt am Freitag, 12. Juni, um 18 Uhr in der Pauluskirche. Am Samstag, 13. Juni, folgt dort um 15 Uhr im Gemeindehaus ein öffentlicher Spielenachmittag der „Spielenarren“.
Der Jubelkonfirmations-Gottesdienst zum 2. Sonntag nach Trinitatis wird am Sonntag, 14. Juni, um 10 Uhr in der Pauluskirche gefeiert. Die Leitung übernimmt Pfarrer Dietrich. Parallel findet um 10.30 Uhr ein Gottesdienst in der Kapelle Lerche mit Pfarrer Brandhorst statt.
Zu einem Familienkonzert lädt die Gemeinde am Freitag, 19. Juni, um 18 Uhr in die Pauluskirche ein. Aufgeführt wird Sergej Prokofjews „Peter und der Wolf“ mit Felix Janosa als Sprecher sowie Misun und Gunther Antensteiner an der Orgel.
Am Sonntag, 21. Juni, gestaltet Pfarrer Dietrich gemeinsam mit dem Team der Gemeindebücherei um 10.30 Uhr in der Pauluskirche einen Literatur-Gottesdienst zum 3. Sonntag nach Trinitatis.
Der Seniorennachmittag beginnt am Montag, 22. Juni, um 15 Uhr im Gemeindehaus. Ein weiterer Katechumenengottesdienst mit Pfarrer Brandhorst folgt am Freitag, 26. Juni, um 18 Uhr in der Pauluskirche.
Zum Abschluss des Monats finden am Sonntag, 28. Juni, zwei Gottesdienste zum 4. Sonntag nach Trinitatis statt: um 9 Uhr in der Pauluskirche sowie um 10.30 Uhr im Johannes-Buxtorf-Haus. Beide Gottesdienste leitet Pfarrer Brandhorst.
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Die Geschichte hinter dem Muttertag: Anna Marie Jarvis und ihr Erbe
Am 12. Mai 1907, organisierte die Methodistin Anna Marie Jarvis in Grafton, West Virginia, ein Memorial Mothers Day Meeting. Dieses Treffen fand statt, um ihrer Mutter Ann Maria Reeves Jarvis zu gedenken, die zwei Jahre zuvor verstorben war. Es war der Beginn eines bedeutenden Moments, der den Muttertag, wie wir ihn heute kennen, ins Leben rief.
Anna Marie Jarvis verteilte an diesem Tag 500 weiße Nelken vor der örtlichen Kirche als Zeichen ihrer Liebe und Verehrung für ihre Mutter. Im darauf folgenden Jahr, auf ihr Drängen hin, wurde in der Methodistenkirche in Grafton allen Müttern eine Andacht gewidmet, wiederum am zweiten Maisonntag.
Getrieben von dem Wunsch, einen offiziellen Feiertag zu Ehren der Mütter zu etablieren, widmete sich Anna Marie Jarvis hauptberuflich diesem Ziel. Sie startete eine breit angelegte Initiative und schrieb Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und Frauenvereine. Ihre Bewegung gewann schnell an Fahrt. Bereits 1909 wurde der Muttertag in 45 Staaten der USA gefeiert. Die Methodisten in West Virginia führten ihn 1912 ein.
Der endgültige Durchbruch kam am 8. Mai 1914, als der US-Kongress die Joint Resolution verabschiedete, den zweiten Sonntag im Mai offiziell als Muttertag zu erklären. Präsident Woodrow Wilson folgte diesem Beschluss noch im selben Jahr, indem er anwies, an diesem Tag die öffentlichen Gebäude zu beflaggen. So wurde der Muttertag 1914 zum ersten Mal als nationaler Feiertag begangen.
Trotz ihres Erfolges wandte sich Anna Marie Jarvis später von der Bewegung ab, die sie ins Leben gerufen hatte. Sie bereute zutiefst die Kommerzialisierung des Muttertags und kämpfte vergeblich für dessen Abschaffung. Die einst edle Idee, die Mütter zu ehren, war in ihren Augen von Konsum und Kommerz überlagert worden.
Die Geschichte von Anna Marie Jarvis ist eine Erinnerung daran, wie aus einer persönlichen Geste der Liebe eine landesweite Bewegung wurde. Ihre Ambition, die Mütter zu feiern und zu ehren, wird auch heute noch weltweit fortgeführt, selbst wenn die Kommerzialisierung des Tages ihre ursprüngliche Vision überlagert hat.
Der Muttertag bleibt dennoch eine Gelegenheit, die bedingungslose Liebe und Hingabe der Mütter zu würdigen, und erinnert uns daran, dass hinter jedem Feiertag eine bemerkenswerte Geschichte steckt.
In verschiedenen Ländern der Welt wird der Muttertag auf unterschiedliche Weise zelebriert. Traditionen variieren stark: In Äthiopien schmieren sich Mütter Butter ins Gesicht und führen den "Fruchtbarkeitstanz" auf. In Frankreich erhalten viele Mütter einen Kuchen in Form eines Blumenstraußes. Die Engländerinnen und Engländer verschenken einen besonderen Früchtebisquit-Kuchen mit Marzipan. In Japan werden Mütter von ihren Kindern gemalt. Eine eher ungewöhnliche Praxis findet sich in Serbien, wo Mütter symbolisch gefesselt werden und nur gegen Süßigkeiten wieder "befreit" werden.
Die Entwicklung des Muttertags in Deutschland: Von Blumenwünschen zum nationalen Feiertag
In Deutschland wurde der Muttertag Anfang der 1920er Jahre vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber eingeführt. Mit Plakaten unter dem Motto „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern wurde betont unpolitisch der Tag als „Tag der Blumenwünsche“ gefeiert. Rudolf Knauer, der Vorsitzende des Verbandes, ebnete am 13. Mai 1923 den Weg für den ersten deutschen Muttertag mit Werbekampagnen und Veranstaltungen, die die Idee des Muttertags populär machten. Ab 1926 übernahm die Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung die Propagierung des Muttertags, um ihn als offiziellen Feiertag festzulegen.
Die weltweite Botschaft ist eindeutig: Mütter haben wundervolles geleistet und gegeben - darum sollten sie auch an jedem Tag des Jahres geehrt und geliebt werden. Doch dieser Tag ist ein besonderer. Und: ganz gleich, wo auf der Welt: Liebe Mütter, ihr seid großartig. Danke, dass es euch gibt!
Das Team von KamenWeb gratuliert allen Müttern und wünscht einen schönen Muttertag!
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Kamen. Die Beamten der Polizeiwache Kamen führten am Montag (04.05.2026) zwischen 19:00 Uhr und 21:00 Uhr gezielte Verkehrskontrollen durch. An der Bahnhofstraße konnten in der Kontrollzeit 24 Verstöße festgestellt werden. Diese befanden sich alle im Bereich eines Verwarngeldes. Bei den geahndeten Verstößen handelt es sich beispielsweise um die Nutzung des Mobiltelefons auf dem Fahrrad oder eine nicht vorhandene beziehungsweise auch eine defekte Beleuchtung am Fahrrad.
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Kommunen zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Informierten die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen (von links): Steve Kirchhoff (Next Digital Group), Dr. Matthias Menzel (Städte- und Gemeindebund NRW), Dr. Ralf Togler (Geschäftsführer Kommunal Agentur NRW), Philipp Reckermann (Kreisdirektor Kreis Unna), Christian Pospischil (Bürgermeister Attendorn, ehemaliger Vorsitzender der AG), Elke Kappen (Bürgermeisterin Kamen, stellv. Präsidentin StGB NRW), Thomas Sommer (Abteilungsleiter Bezirksregierung Arnsberg), Christof Sommer (Hauptgeschäftsführer des StGB NRW) sowie Malte Dahlhoff (Bürgermeister Bad Sassendorf, Vorsitzender der AG). Foto: Stadt Kamen
Kamen. Die kommunale Familie steht unter Druck – das wurde bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft für den Regierungsbezirk Arnsberg des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen (StGB NRW) in der Kamener Stadthalle mehr als deutlich. Auf Einladung des StGB NRW kamen am Montag Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Fraktionsvorsitzende sowie Ratsmitglieder aus zahlreichen Kommunen zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen auszutauschen. Gastgeberin war Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen, zugleich stellvertretende Präsidentin des StGB NRW.
Bereits in ihrem Grußwort stellte Kappen die besondere Rolle des Städte- und Gemeindebundes heraus: „Der StGB NRW ist unser überparteiliches Sprachrohr gegenüber der Landesregierung. Er bündelt kommunale Interessen und verschafft uns Gehör – unabhängig von Parteizugehörigkeiten. Dieser Zusammenhalt ist etwas ganz Besonderes und in Zeiten wachsender Herausforderungen wichtiger denn je“, betonte sie.
Wie ein roter Faden zog sich durch die Beiträge der Referenten das Thema Unterfinanzierung der Kommunen bei gleichzeitig stetig wachsenden Aufgaben. Kreisdirektor Philipp Reckermann machte in seinem Grußwort deutlich, dass Städte und Gemeinden durch zusätzliche Aufgaben von Bund und Ländern stark belastet werden – oftmals ohne ausreichende finanzielle Ausstattung. Die fehlende Konnexität – also das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ – setze die Kommunen massiv unter Druck.
„Die kommunale Familie ist hier mehr denn je auf einen Schulterschluss angewiesen“, so Reckermann.
Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des StGB NRW, spannte in seinem Vortrag „Aktuelles aus Düsseldorf“ den Bogen über zahlreiche Themenfelder – von Rettungsdienst und Flüchtlingsunterbringung über Grundsteuerreform und Wohnen bis hin zu Kitas, Schulen und Offenem Ganztag. Sein Fazit fiel deutlich aus:
„Wer die kommunale Selbstverwaltung will, muss ihr den Rücken stärken“, sagte Sommer. „Die Kommunen stehen bereit, diese Selbstverwaltung entscheidungsfreudig auszugestalten. Aber Handlungsfähigkeit und kommunale Selbstverwaltung stehen auf dem Spiel, wenn die strukturelle und chronische Unterfinanzierung nicht beendet wird.“
Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie eng der finanzielle Spielraum vieler Städte und Gemeinden geworden ist:
- Uneinigkeit mit den Krankenkassen über die Finanzierung von sogenannten Leerfahrten im Rettungsdienst – ohne bundeseinheitliche Regelung kaum lösbar.
- Hoher Druck bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten.
- Offene Rechtsfragen bei der Grundsteuerreform; eine spürbare Entlastung beim Wohnen sei nur mit einer tragfähigen Landeslösung möglich.
- Im Bildungsbereich kommen mit KiBiz, geplanten ABC-Klassen und dem Rechtsanspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag erhebliche zusätzliche Aufgaben auf die Kommunen zu – ohne gesicherte Gegenfinanzierung.
„Die Erwartungen an die Rathäuser sind berechtigt“, so Sommer. „Die Frage ist nur: Wer bezahlt das alles?“
Sommer kritisierte zudem, dass die viel beschworene „Partnerschaft auf Augenhöhe“ zwischen Bund, Land und Kommunen nicht immer gelebt werde. So gebe es im Bereich der OGS-Finanzierung lediglich ein nicht auskömmliches Förderprogramm. Gleichzeitig stünden die Kommunen vor einer der größten Aufgaben der kommenden Jahre: den Investitionen in den Klimaschutz, insbesondere in die Transformation der Wärme- und Energieversorgung.
„Das ist eine Kumulierung von Dingen, die uns noch lange beschäftigen wird“, brachte er es auf den Punkt.
Im Vortrag „Weiterentwicklung der kommunalen IT-Dienstleister in NRW“ stellte Steve Kirchhoff von der Next Digital Group klar, dass auch im Bereich der Digitalisierung ein Umdenken nötig ist. Eine stärkere Zusammenarbeit und Konsolidierung der kommunalen Rechenzentren und IT-Dienstleister sei unverzichtbar, um effizienter und leistungsfähiger zu werden. Sein vorgestelltes Marktmodell setzt dabei sowohl auf regionale Nähe als auch auf die Bündelung von Kernkompetenzen. So ließen sich Synergien heben und digitale Services für Bürgerinnen und Bürger sowie Verwaltungen wirtschaftlicher bereitstellen.
Abschließend präsentierte Dr. Ralf Togler, Geschäftsführer der Kommunal Agentur NRW, die Leistungen seiner Einrichtung. Die Kommunal Agentur unterstützt Städte und Gemeinden unter anderem mit Beratung, Projekten, Qualifizierungsangeboten und fachlicher Begleitung – von Organisationsentwicklung über Finanzfragen bis hin zu strategischen Zukunftsthemen.
Für die Stadt Kamen war die Tagung ein deutliches Signal: Die kommunale Ebene ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – braucht dafür aber Planungssicherheit und eine verlässliche finanzielle Basis. Bürgermeisterin Elke Kappen formulierte es so: „Die Kommunen sind das Fundament unseres demokratischen Gemeinwesens. Hier werden Entscheidungen spürbar – bei Kita, Schule, Wohnen, Klimaschutz oder Sicherheit. Wenn wir wollen, dass unsere Städte und Gemeinden auch morgen handlungsfähig sind, müssen Bund und Land uns endlich nachhaltig stärken. Die Tagung hier in Kamen hat gezeigt: Die kommunale Familie ist geschlossen, wachsam und bereit, ihre Stimme zu erheben.“
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