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Bricht 2G-plus den Wirten endgültig das Genick?

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Lokalnachrichten

von Alex Grün

GastroRegeln122AG2Gplus: geimpft oder genesen und tagesaktuell getestet, weil die Boosterung fehlt - viele potentielle Wirtshausgäste bleiben da lieber genervt zuhause, weshalb für die Kamener Gastronomen das Glas mittlerweile nicht mehr halbvoll, sondern halbleer ist. Foto: Alex Grün für KamenWeb.de 

Kamen. So wie es aussieht, ist die seit einer guten Woche geltenden 2Gplus-Regelung einer der letzten Nägel für den Corona-Sarg der Kamener Gastronomie. Der größte Witz: viele sehnen sich in die Zeiten des ersten Lockdowns zurück - denn da war es wesentlich einfacher, seine Verluste zu dokumentieren. Überbrückungshilfen bis Ende März gibt es erst ab einer nachweislich durch Corona bedingten Umsatzeinbuße von mindestens 30 Prozent. Die Lockdowns zu Beginn der Corona-Pandemie waren schon ein schwerer Schlag ins Kontor der Wirte, die seit Oktober bestehende 2G-Regel hat für immense Umsatzeinbußen gesorgt, die Soforthilfen waren von vornherein unzureichend, und jetzt, wo die so dringend benötigte Laufkundschaft aufgrund der geforderten Tests für Nicht-Geboosterte ausbleibt, ist richtig Hängen im Schacht.

Ein Blick ins Extrablatt in der Kampstraße oder ins Opera in der Nordstraße am Donnerstagabend spricht jetzt, eine Woche nach Inkrafttreten der neuen Regelung, traurige Bände: zu einer Zeit, wo vor Corona reger Publikumsverkehr die Regel war, herrscht jetzt gähnende Leere. Bei manchen, wie bei 82West-Wirtin Alex Raabe, läuft es zumindest noch an den Wochenenden einigermaßen lukrativ, "aber in der Woche ist nur noch tote Hose", sagt sie und stellt um kurz nach neun schon mal die Hocker auf den Tresen. Die wenigsten Gäste, die spontan auf ein Bier vorbeikommen wollen, besorgen sich vorher einen Schnelltest, berichtet die Wirtin. Sie geht davon aus, in absehbarer Zukunft staatliche Finanzhilfe beantragen zu müssen. Existenzängste machen sich auch bei Kümpers-Wirt Michael Wilde breit, der, hochgerechnet auf die Zeit seit dem ersten Lockdown, von Umsatzeinbußen von insgesamt rund 90 Prozent ausgeht - während die Betriebskosten ungebremst weiterlaufen, auf die die unmäßigen Energiekosten mitsamt CO2-Steuer noch "on top" kommen. Die vor der aktuellen Maßnahme noch halbwegs einträglichen Wochenenden liefen mittlerweile auch nur noch dürftig, Reservierungen für Tische würden oft noch nicht einmal abgesagt, weswegen er eine Stornierungsgebühr in Betracht zieht. Eine einzige Weihnachtsfeier habe im letzten Jahr bei ihm stattgefunden, statt wie eingeplant 25, berichtet Wilde. Die Laufkundschaft sei auch ihm fast komplett weggebrochen. Bis zu 70 Prozent weniger habe er im ansonsten umsatzstarken Monat Dezember eingenommen. Zynisch betrachtet, sei er während des Lockdowns wirtschaftlich besser gestellt gewesen, denn in dieser Zeit sei es kein Problem gewesen, die Verluste zu dokumentieren und dementsprechende Ansprüche an Soforthilfe geltend zu machen, erklärt Wilde. Mittlerweile müsse er erst nachweislich Miese machen, um anspruchsberechtigt zu sein. Währenddessen sei bereits seine gesamte Altervorsorge für laufende Kosten und Außenstände draufgegangen.

Der seitens der SPD-Fraktion angekündigte Verzicht auf die Sondernutzungsgebühren für die Außengastronomie ist für die, die es betrifft, dabei auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein wenig darüber freuen kann sich zumindest En Place-Wirt Arjan Gjini, Inhaber des größten City-Biergartens am Markt. Dieser ist der Stadt dankbar für die Unterstützung, denn auch ihm sei schon seit Einführung der 2G-Regel im Oktober mehr als 30 Prozent Umsatz weggebrochen, und schon jetzt zeichne sich ab, dass es mit "2Gplus" noch wesentlich übler werde, erzählt er. Mittlerweile sei man schon dabei, die Reserven "rauszuhauen", sagt Gjini. Auch Uli Neumann bekommt die Auswirkungen der Regelung zu spüren. Seit Beginn der Anordnung habe sich die Gästezahl deutlich reduziert, 20 Prozent Absagen für reservierte Tische registriert der Sprecher des Kamener Wirtevereins in seiner Methleraner Gaststätte Schulze-Beckinghausen seit einer guten Woche. Er und ein Team lassen sich selbst täglich testen, denn auch hier gilt: Sicherheit geht vor - mit entsprechendem Mehraufwand, denn die Zugangskontrollen derjenigen, die noch kommen, nervten und nähmen viel Zeit in Anspruch, klagt Neumann. Sein Lieferservice werde auch nicht mehr so beansprucht, wie noch vor einiger Zeit, wodurch weitere Einnahmen wegbrächen. Trotzdem lässt er den Kopf nicht hängen: "Arschbacken zusammenkneifen und abwarten, was passiert", sagt sich Neumann und macht erstmal so weit es geht "business as usual". Etwas entspannter sieht es Tapa Guapa-Inhaber Marcus Kocha. Zwar machten sich im Zuge der 2Gplus-Regelung auch bei ihm leichte Verluste bemerkbar, aber insgesamt, sagt er, komme er noch vergleichsweise gut über die Runden - zumindest im Moment. Was künftige Einschränkungen betrifft, müsse man eben abwarten. Er weiß aber auch um den Verlust der Laufkundschaft bei vielen seiner Wirtekollegen, ein Problem, das bei ihm weniger gravierend ist. Denn seine Kundschaft reserviert zum großen Teil vor dem Besuch, und wer diesen Aufwand betreibt, ist meist auch bereit, einen Schnelltest zu machen. Insofern ist zumindest Marcus Kocha halbwegs zuversichtlich und hofft auf eine einträglichere Zeit, wenn die Außensaison wieder Fahrt aufnimmt.

Der Deutsche Gaststätten- und Hotelverband DEHOGA hält die geplante Einführung flächendeckender 2Gplus-Regelungen in der Gastronomie für unverhältnismäßig. Auf keinen Fall dürften jetzt auch noch Geboosterte unter die Testpflicht fallen, so der Verband. Die wirtschaftliche Situation in Restaurants, Kneipen und Cafés werde sich weiter verschärfen, dem desaströsen Jahresendgeschäft folge ein ebensolcher Start ins neue Jahr, so Haakon Herbst, Regionalpräsident im DEHOGA Nordrhein-Westfalen und bringt die Sache auf den entscheidenden Punkt: "Angemessene Entschädigungen und Programme zum Mitarbeitererhalt werden wichtiger denn je." Die Existenzangst steige wieder. Als positiv verbucht der Verband die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und der Überbrückungshilfen bis Ende März. Allerdings müssten aufgrund der massiven Beschränkungen die Entschädigungen darüber hinaus verlängert, verbessert und angepasst werden, etwa durch die deutliche Erhöhung des Eigenkapitalzuschusses von momentan bis zu 30 Prozent auf mindestens 50 Prozent, fordert Regionalpräsident Herbst. Genauso müsse es unbürokratisch möglich sein, die Betriebe zu schließen, wenn die Kosten die Umsätze überstiegen und somit kein wirtschaftliches Arbeiten mehr möglich sei. Die Kamener Gastronomen betonen indessen einhellig ihr Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahmen, aber eines, so Kümpers-Wirt Wilde, sei auch klar: "Die Maßnahmen sind legitim, aber betriebswirtschaftlich ist es eine absolute Katastrophe - lange wird das für uns nicht mehr gutgehen".

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