Zum Bauernprotest auf der B1 rollten viele Trecker über den Kreisel an der Werver Mark in Heeren-Werve in Richtung Unna. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer | Mehr Bilder gibt es in unserer Fotostrecke >>>
Kamen. Etliche Kamener Landwirte sind dem Aufruf zum Start der landwirtschaftlichen Aktionswoche am Montag, 8. Januar, gefolgt. Insgesamt sollen sich nach Schätzungen der Veranstalter insgesamt rund 1500 Bauern an der Trecker-Demonstration auf der B1 beteiligt haben. Schon auf dem Weg dorthin hatten die vielen landwirtschaftlichen Fahrzeuge für Verzögerungen im Verkehr gesorgt, aber auch viel Zuspruch vom Straßenrand erhalten.
Die geplante Streichung der Agrardieselkonditionen sowie die Rücknahme der Kfz-Steuerbefreiung hatten Ende des vergangenen Jahres dafür gesorgt, dass Landwirte im ganzen Land für die laufende Woche Aktionen geplant haben. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte jüngst angekündigt, dass die Pläne teilweise zurückgenommen werden und lediglich der Agrardiesel schrittweise bis 2026 teurer werden soll. Die bundesweite Aktionswoche findet dennoch statt.
Protest-Fahrt nach Soest
Die Protest-Fahrt startete für viele Teilnehmer aus dem Kreisgebiet wie angekündigt an der Geschäftsstelle des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes in Unna. Bevor die Fahrzeuge sich von dort aus auf den Weg in Richtung Soest begaben, sprach Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Verbandes, zu den Teilnehmenden: „Wir Bauern haben die Schnauze voll. Mit den Ankündigungen kurz vor Weihnachten, dass der Agrarsektor eine Milliarde Euro zum Ausgleich des desolaten Bundeshaushalts beisteuern soll - das ist mit der leidensfähigen Landwirtschaft nicht mehr möglich.“
Die mehrstündige Fahrt erfolgte in beide Fahrtrichtungen, denn auch aus dem Bereich Soest waren sehr viele Landwirte in Richtung Unna beziehungsweise bis nach Dortmund unterwegs. Im Rahmen der Veranstaltung kam es zu kurzzeitigen Straßensperrungen und Rückstaus für andere Verkehrsteilnehmer. Ab 15 Uhr begannen dann viele Bauern ihre Rückreisen, die die Landwirte eigenständig durchführten.
„Die Landwirte haben uns mitgeteilt, dass die Fahrt gut gelaufen ist. Es gab keine großen Vorkommnisse“, so Petra Drees-Hagen, Referentin für Pressearbeit beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Besonders positiv seien von den Teilnehmenden die Redaktionen am Straßenrand aufgenommen worden. „Ob Daumen hoch oder auf Schildern - es gab viel Zuspruch“, sagte Drees-Hagen.
30 Trecker aus Kamen
Etliche Teilnehmer aus Kamen hatten sich zum gemeinsamen Start in Richtung Unna schon kurz nach 9 Uhr auf dem Hof Middendorf in Methler getroffen. Eine weitere Gruppe aus Kamen, Heeren, Derne und Rottum nahm ebenfalls an der rollenden Demo teil. Insgesamt seien es gut 30 Landwirte aus dem Kamener Raum gewesen, berichtete Hans-Heinrich Wortmann am Nachmittag. Gegen 16.30 Uhr war der Großteil der hiesigen Landwirte wieder zu Hause.
Lob für die Polizei
Heinrich Wortmann lobte in einem Gespräch mit der Redaktion besonders die Polizei, die den Konvoi auf der B1 begleitet hat: „Die waren wirklich bemüht um uns. Dazu hat die Abtimmung untereinander sehr gut funktioniert.“ Ein Lob, das im Gegenzug auch von der Polizei kam. Die Kreispolizeibehörde Unna dankte in einer Mitteilung allen Verantwortlichen und Teilnehmenden für ein friedliches und kooperatives Verhalten bei der Durchführung des Protestes.
Auf Bannern an den Treckern machten die Landwirte ihre Ziele deutlich. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
Tief beeindruckt zeigte sich Verbandsvorsitzender Wortmann zudem über die hohe Zahl der Bauern: „Meine Erwartungen sind mit rund 1500 Treckern bei Weitem übertroffen worden. Das zeigt mir als Verbandsvertreter auch, dass der Druck in der Landwirtschaft gewaltig ist.“ Neben den Solidaritätsbekundungen auf Schildern gab es unterwegs noch etwas anderes, was Wortmann begeisterte, denn einige Anwohner der Strecke hatten den Grill angeschmissen, um zumindest einen kleinen Teil der Vorbeifahrenden mit einer Wurst zu versorgen. „Es gab auch Menschen, die Kaffee verteilt haben“, so Wortmann. Da der Tross immer wieder kurz in Stocken kam, gab es auch Möglichkeiten, die Lebensmittel zu übergeben.
Blick geht nach Berlin
Nach dem Erfolg der Veranstaltung ist nun der Blick nach Berlin gerichtet: „Unsere Politik muss es jetzt doch endlich mal verstehen, dass man mit einer Branche nicht so umgehen kann, zumal, und das hat der heutige Tag gezeigt, auch die Bevölkerung hinter den Landwirten steht“, sagte Wortmann. Mehr Bilder gibt es in unserer Fotostrecke >>>
Archiv: CDU im Kreis Unna zeigt Solidarität mit den heimischen Landwirten





