Tanz in den Mai hat in Kamen eine generationenübergreifende Tradition. Fotos: Katja Burgemeister für KamenWeb.de
von Katja Burgemeister | Fotostrecke >>>
Kamen. Elektronische Eintrittskarten auf dem Handy gab es beim ersten Tanz in den Mai der Landjugend Unna garantiert nicht. Da brachte jeder noch gedrucktes Papier mit. Auch die engen Bändchen um das Handgelenk dürften noch ferne Zukunft gewesen sein. Die Influencer, die mit dem Handy am Gimbal vom Bratwurst-Stand am der DJ-Bastion vorbei über die Tanzfläche bis zum Bierstand und zurück flitzten, erst recht nicht. Denn die erste Großveranstaltung ist Jahrzehnte her. „20, 30 Jahre?“, fragt sich einer der mindestens Über-Übernächsten Generation. So genau weiß es keiner.
Tanzen wollten aber alle, damals wie heute. Dereinst vielleicht sogar noch im echten Paartanz. Damals wie heute drücken sich erst einmal alle um die kräftig illuminierte Tanzfläche herum. Stehen lässig am Rand, plaudern, trinken, schauen. Irgendwann ist es dann so weit. Und dann dürften sich damals wie heute auch Begegnungen fürs Leben ergeben.
Dass dahinter echte Schwerstarbeit steht, sieht man der locker-lässigen Stimmung nicht an. Fast 70 Helferinnen und Helfer sind eigentlich überall. Sie mixen Longdrinks, braten Würstchen, geben Wertmarken aus, kontrollieren die Eintrittskarten, zapfen Bier im Akkord, überwachen die WC-Wagen. Sie waren alle morgens zur Stelle, als aufgebaut wurde. Sie sind alle auch um 3 Uhr nachts noch da, wenn abgebaut werden muss. „Hier findet ja direkt im Anschluss noch ein Reitturnier statt, da müssen wir alles wieder so hinterlassen, wie es war“, schildert Wibke Ligges.

Alles ist hier handgemacht – bis auf die Security-Leute und der Rettungsdienst. Ohne beides geht es nicht. „Die meisten sind einfach nur gut gelaunt und wollen feiern. Es gibt aber auch immer welche, die es übertreiben.“ Ein Riesenaufwand, der sich lohnt: „Der Tanz in den Mai ist unsere Haupteinnahmequelle, damit finanzieren wir uns“, erzählt Wibke Ligges. 200 Mitglieder hat die Landjugend Unna. Alle zwei Wochen treffen sich viele von ihnen zum Gruppenabend, immer dienstags. Dann geht es auch schonmal zusammen auf die Kartbahn. Oder es stehen Gruppenfahrten auf dem Programm wie zur Grünen Woche in Berlin. „Wir freuen uns über jeden, der bei uns mitmachen will“, betont Wibke Ligges. Zuwachs ist jederzeit willkommen, ab 16 Jahren kann jeder mitmachen und muss nicht zwingend etwas mit Landwirtschaft zu tun haben.
Sogar der DJ kommt aus den eigenen Reihen. Wo sich früher Vinyl drehte, ist jetzt alles digital. Was hier noch ein Hobby ist, hat sich ein paar Meter weiter schon in einen Beruf verwandelt. Auch die Veranstaltungstechnik kommt aus der Mitte der Landjugendmitglieder, allerdings steckt eine professionelle Firma dahinter. Die beeindruckende Konstruktion mit Scheinwerfern, Kugeln und drehenden Spotlights an den hohen Hallendecken wird passgenau gebaut – für Partys, Messen, Firmenfeiern, und und und. Natürlich auch für die großen Feten der Landjugend.
Die Sonne ist verschwunden. So langsam füllt sich das Gelände des Kamener Reitvereins. Viele kommen jetzt von draußen hinein. Es wird voller rund um die Tanzfläche. Es kann nicht mehr lange dauern, dann wird die Feier ihrem Titel gerecht und die meisten tanzen tatsächlich in den Mai. Fotostrecke >>>
Archiv: Tanz in den Mai: Mit Partystimmung in den Wonnemonat





