Von Eupen im Osten der Provinz Lüttich nach Kamen: Soraya Becholz ist für zwei Wochen bei Friseurmeisterin Sabine Nagel (rechts) zu Gast. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer
Kamen. Um die Attraktivität der Ausbildung im Friseurhandwerk zu steigern, ermöglicht das Erasmus-Programm einen internationalen Austausch von Auszubildenden. Dieses Angebot hat jüngst dafür gesorgt, dass Sabine Nagel in ihrem Friseursalon temporär Zuwachs bekommen hat.
Eigentlich absolviert Soraya Becholz ihre Ausbildung in einem Salon in der belgischen Stadt Eupen. Für zwei Wochen ist die 19-jährige nun unweit des Kamener Bahnhofs bei "Carli Hair & Beauty Style" für die Erfüllung der Kundenwünsche zuständig. Da sich die junge Frau bereits im dritten Lehrjahr befindet, arbeitet sie meist schon im Alleingang, die fachliche Mitwirkung von Friseurmeisterin Sabine Nagel ist nur in Einzelfällen erforderlich.
„Erasmus gibt mir die Chance, neue Erfahrungen in anderen Ländern zu sammeln. Dazu erreiche ich damit ein Diplom, was mir hilft, wenn ich den Beruf einmal außerhalb von Belgien ausüben möchte“, sagt die 19-Jährige. Große Unterschiede in der Arbeitsweise sind der angehenden Friseuse bisher nicht aufgefallen, positiv nimmt Soraya Becholz dagegen das Verhalten der Kunden des Salons an der Borsigstraße zur Kenntnis: „Die Menschen hier sind locker und offen und vertrauen mir, obwohl sie mich nicht kennen. Da habe ich in Belgien auch andere Erfahrungen gemacht.“
Grenzüberschreitender Austausch
Hilfreich ist dabei, dass Soraya Becholz perfekt die deutsche Sprache spricht, schließlich ist Eupen auch nicht weit von der Grenze nach Deutschland entfernt. Als die Chefin von "Carli Hair & Beauty Style" vor zwölf Jahren zuletzt Gastgeberin eines grenzüberschreitenden Austausches war, lief das etwas anders. „Damals waren zwei junge Männer aus Paris hier, die hatten mit der deutschen Sprache schon so ihre Probleme“, schildert Sabine Nagel.
Gern würde die Friseurmeisterin öfter mit Auszubildenden aus anderen Ländern arbeiten, um sich über innovative Entwicklungen des Handwerksberufs auszutauschen. „Es ist schade, dass dieses Programm nicht so bekannt ist, denn es ist für beide Seiten eine Bereicherung“, bedauert Sabine Nagel.
Ein möglicher Grund dafür wird beim Blick in die aktuelle Ausbildungsklasse der Gast-Azubine deutlich - darin befinden sich gerade einmal acht Schülerinnen. „Friseure sind auch in Belgien ein Mangelberuf“, unterstreicht die 19-Jährige. An der eigenen Motivation ändert das nichts. „Ich habe vor der Ausbildung einmal in den Beruf reingeschnuppert und schnell festgestellt, dass es mir einfach großen Spaß macht, wenn ich Kunden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern kann.“
Wenn Soraya Becholz ihre Ausbildung abgeschlossen hat, kann sie sich gut vorstellen, in Deutschland zu arbeiten. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de





