Schauschmied Rolf Deschner alias „Ranak vom See“ zeigte dem Hansemarkt-Nachwuchs, wie Eisenringe erst geschmiedet und dann über der spitzen Seite des Amboss zu Hufeisen gehämmert werden. Foto: AG
Kamen. (AG) Und schon sind sie wieder weg, die Spielleute und Gaukler, die Ritter und Handwerker, die fahrenden Kaufleute und die reisenden Marktbeschicker. Wie im Flug verging das Hansemarkt-Wochenende, als wäre alles nur ein Traum gewesen. Traumhaft war die Veranstaltung, insbesondere für den Nachwuchs.
Veranstaltungsleiter Foad Boulakhrif war sichtlich erleichtert, dass der Hansemarkt-Sonntag den schwächer besuchten Samstag ausgleichen konnte. Denn gestern war wesentlich mehr los, woran wahrscheinlich auch der Verkaufsoffene Sonntag seinen Teil beitrug. „Heute war die Resonanz super“, freute sich Boulakhrif am Sonntagabend, er schätzt die Gesamtzahl der Hansemarktbesucher auf rund 15.000. Was man von den Ausstellern höre, sei auch der Umsatz wesentlich besser gewesen als am Samstag. Boulakhrif ist zuversichtlich, dass er die Kamener auch im nächsten Jahr wieder zum Hansemarkt einladen kann.
Lehmbauer Christoph Abel aus Dortmund präsentierte sein geballtes Fachwissen vor staunenden Kinderaugen – natürlich durften die Kids nach Herzenslust mitmanschen.
Für die Betreiber der Schauwerkstätten spielte der Umsatz keine Rolle, sie bekamen ihre Honorare direkt von der Stadt. Entsprechend entspannt trugen sie ihre Handwerke zur Schau, vom Weber über den Schmied bis hin zum Lehmbauern. Dabei war der Markt auch in diesem Jahr wieder ein Eldorado für die handwerklich interessierten Kinder, die dort jede Menge praktisches Wissen tanken konnten. Schauschmied Rolf Deschner alias „Ranak vom See“ aus Hannover zeigte dem Hansemarkt-Nachwuchs, wie Eisenringe erst geschmiedet und dann über der spitzen Seite des Amboss zu Hufeisen gehämmert werden. Auch der Holzbildhauerstand von Andreas Hillebrand aus Paderborn war bei den Kids genauso angesagt wie die Webstube des Heimatvereins Wulfen, wo der Weg vom ungesponnenen Flachs bis zum fertig gewebten Kleidungsstück in jedem Einzelschritt aufgezeigt wurde. Eines der absoluten Highlights für den Hansemarkt-Nachwuchs war aber auch in diesem Jahr wieder die Schauwerkstatt von Lehmbaumeister Christoph Abel.
Auch für die „live“ gemeißelten Holzskulpturen am Stand von Bildhauer Andreas Hillebrand aus Paderborn interessierten sich viele Kinder.
Abel ist Anfang Sechzig und hat dieses Handwerk von der Pike auf gelernt und ein Arbeitsleben lang ausgeübt. Als Lehmbaumeister selbstständig machen konnte er sich aber erst, nachdem der offiziell ausgestorbene Beruf in den neuen Bundesländern zu neuem Leben erweckt wurde – aber offenbar mit wenig Fachkenntnis, mit der es im Lehmbaubereich zu dieser Zeit allgemein nicht weit her gewesen sei. „Damals habe ich den wenig bedarften Gutachtern in meiner eigenen Meisterprüfung erklären müssen, wie es funktioniert“, erinnert sich Abel lachend. Mittlerweile sei der Trend zurück zum Naturbaustoff nicht mehr ganz so neu und die Branche habe sich weiterentwickelt – obwohl es insgesamt immer noch recht wenige Lehmbaumeister gebe, sagt Abel, der seinen selbstgebauten Brennofen in den letzten Jahren regelmäßig auf dem Kamener Hansemarkt aufstellt. Darin gebrannt werden in Form gepresste Lehmziegel, sogar Pferdeäpfel werden mit in die Rohmasse eingearbeitet, weil die zerkauten Grasfasern dem Material eine starke und stabile Struktur geben, erklärt der Lehmbaumeister aus Dortmund, der sich sein Material gerne kostengünstig aus Aushüben abgerissener Häuser holt.
Perfekt choreographiert Schaukämpfe der Rittergruppe begeisterten die Zuschauer von jung bis alt vor der Hansemarkt-Bühne zwei Tage lang.
„Die Leute verstehen immer mehr, dass Lehm der tollste Baustoff der Welt ist, weil er als Bau-, wie auch als Dämmmaterial einsetzbar und darüber hinaus hochgradig nachhaltig ist“, ist Abel überzeugt, denn man könne ihn etwa nach dem Abriss eines Lehmziegelbaus immer wieder neu verwenden, so Abel. Ganz nebenbei erklärt er am Beispiel seiner Flechtwerkwand, die er bei jeder Ausstellung dabei hat, woher der Begriff „Wand“ kommt: nämlich von „Winden“. Denn die Flechtwerkwand besteht aus senkrechten Leisten aus Haselnussruten, in die waagerecht Weidenzweige eingeflochten werden. „Man nennt dieses Verfahren auch ‚einwinden’“, erklärt Abel – aus dieser Wendung sei das Wort „Wand“ entstanden. Das Geflecht wird anschließend mit Lehmmatsch verputzt. Gerne tritt Abel mit seiner Lehmwerkstatt überall da auf, wo auch Kinder unterwegs sind, so wie auf dem Hansemarkt. Die dürfen beim Ziegelformen und beim Wandverputzen nach Herzenslust herummantschen und lernen dabei den Umgang mit dem Naturbaustoff. „Auf diese Weise bleibt der Lehmbau im Bewusstsein der Leute erhalten“, sagt Christoph Abel, der gerne auch im nächsten Jahr dabei sein will.
Archiv: Hansemarkt geht heiter weiter – Feuershow landet wettertechnische Punktlandung
Hansemarkt-Veranstalter mit gut besuchter Eröffnung zufrieden: noch spielt das Wetter mit
Hansemarkt, Verkaufsoffener Sonntag und Kommunalwahl: Wochenende in der City mit „Dreifach-Wumms“






