Die Lutherkirche an der Kampstraße wird nur noch bis Ende März geöffnet sein. Die Evangelische Kirchengemeinde plant, das Gebäude zu veräußern. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer
Kamen. Wenn es in Zeiten kontinuierlich sinkender Mitgliederzahlen darum geht, in Kirchengemeinden die Weichen für die Zukunft zu stellen, geht es neben Fusionen mit Nachbarn irgendwann auch um den Bestand, also Gemeindehäuser und Kirchengebäude. Die Evangelische Kirchengemeinde Kamen hat jetzt bei der Gemeindeversammlung mitgeteilt, welche Pläne es für die kommenden Jahre gibt.
Kirchenaustritte, weniger Steuereinnahmen und hohe Kosten für die Immobilien bleiben auch in Kamen nicht ohne Folgen. Die nächste große Veränderung steht schon vor dem Osterfest 2026 an, dann wird die Lutherkirche nicht mehr genutzt.
„Die Lutherkirche wird mit Auslaufen der Winterkirche und dem Beginn der Karwoche ab dem 29. März als Gottesdienstort aufgegeben. Mit der Pauluskirche ist aber weiterhin eine Kirche in Kamen-Mitte“, erklärt Pfarrer Martin Brandhorst auf telefonische Anfrage. Die im Jahr 1744 eingeweihte Lutherkirche soll verkauft werden.
Schon seit einigen Jahren versucht die Gemeinde bereits das Alte Gemeindehaus an einen Investor zu verkaufen - bisher ist das noch nicht gelungen. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
Wie schnell das funktionieren wird, bleibt abzuwarten. Die seit einigen Jahren laufende Veräußerung des Alten Gemeindehauses ist noch immer nicht vom Tisch. „Die Gespräche mit dem Investor laufen noch. Erst wenn alles unterschrieben ist, ist das abgeschlossen“, so der Pfarrer, der auch Vorsitzender des Presbyteriums ist.
Gemeinde schrumpft weiter
7654 Gemeindeglieder hat die Kirchengemeinde nach aktuellem Stand. Die Entwicklung ist seit vielen Jahren rückläufig. „Besonders seit dem Jahr 2020 haben die Austrittszahlen noch einmal deutlich zugenommen“, so Martin Brandhorst. Nach einer bei der Versammlung vorgestellten, langfristigen Prognose wird die Zahl in zehn Jahren auf rund 5700 schrumpfen, im Jahr 2045 wird noch mit rund 3800 Gemeindegliedern gerechnet. Diese Zahlen haben Auswirkungen auf den Gebäudebestand und die Entwicklung des Personals.
Derzeit gibt es mit dem Gemeindehaus am Schwesterngang (563 Quadratmeter) und dem Johannes Buxtorf-Haus (186 Quadratmeter) noch zwei Gemeinderäume. „Wenn in 20 Jahren nur noch die Hälfte der Gemeindeglieder da sind, wird es nicht mehr möglich sein, so viel Fläche instand halten beziehungsweise zu finanzieren. Wir leben zurzeit schon von der Substanz - irgendwann geht das nicht mehr. Deshalb müssen wir jetzt ins Handeln kommen“, sagt Brandhorst.
Pauluskirche soll zum multifunktionalen Raum werden
Das Presbyterium hat angesichts der Entwicklungen nun einstimmig beschlossen, dass langfristig die Pauluskirche der neue Mittelpunkt des Gemeindelebens sein wird. Aus Kostengründen wird auch eine Trennung vom derzeit genutzten Gemeindehaus am Schwesterngang nötig. Entsprechende Umbauarbeiten in oder an der Pauluskirche sollen dafür sorgen, dass dort in Zukunft das Gemeindebüro ebenso Platz finden wird, wie Gruppen aus der Gemeinde. Ziel der Kirchengemeinde ist zudem, dass in Südkamen und Lerche die bekannten Begegnungsorte erhalten bleiben. Kooperationspartner und öffentliche Träger sollen dafür sorgen, dass der Gemeinde an diesen Orten keine Kosten entstehen.
Die Reaktionen der rund 80 Anwesenden bei der Bekanntgabe seien gemischt ausgefallen, schildert Brandhorst. „Einige waren überrascht, aber viele haben schon damit gerechnet, dass etwas passieren wird. Denn wer die Presse verfolgt, bekommt auch die Entwicklungen in anderen Gemeinden mit.“
Pfarrer Martin Brandhorst verkündete bei der jüngsten Gemeindeversammlung das bevorstehende Ende der Lutherkirche. Archiv-Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
Wie bei der Gemeindeversammlung im Jahr 2022 erörtert, werden die drei Kirchengemeinden in Kamen weiter miteinander kooperieren und im Zuge der Regionalisierung Gottesdienste und die Arbeit mit Konfirmanden in gemeinsamer Verantwortung planen und durchführen. Die Kirchengemeinden haben aktuell 4,5 Pfarrstellen. „Ab 2026 soll nach der Landeskirche eine Pfarrstelle für 4000 Gemeindeglieder eingesetzt werden“, so der Pfarrer. Künftig wird also mit einer Stelle weniger geplant.
Gleich drei Pfarrer beenden dazu in absehbarer Zeit ihren Dienst. Pfarrer Jochen Voigt in Methler geht Anfang Januar 2026 in den Ruhestand. Ab April beziehungsweise Anfang Oktober werden Lea Wippich und Yann Wippich ihren Dienst in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gemeinde im Rahmen ihres Entsendungsdienstes aufnehmen und sich eine Pfarrstelle teilen. In Kamen geht Pfarrer Andreas Dietrich zum 1. September 2026 und dann Pfarrer Martin Brandhorst zum 1. Mai 2027 in den Ruhestand. Kamen wird dann über anderthalb Pfarrstellen verfügen, Heeren und Methler jeweils über eine Stelle.
Die nächste Gemeindeversammlung ist für Donnerstag, 5. Februar 2026, um 18 Uhr im Neuen Gemeindehaus vorgesehen. Dann soll es vornehmlich um die Zusammenarbeit der drei Kamener Gemeinden gehen.
Nach den Kalkulationen der Gemeinde wird auch das derzeit genutzte Gemeindehaus in Zukunft zu teuer sein. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de





