Über 370 Jahre alt und eins der bekanntesten Baudenkmäler in der Stadt ist die ehemalige Gaststätte „Zum Weißen Röß´l“. Das Haus wird derzeit fachgerecht saniert. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer
Kamen. Historiker und Archäologe André-Marcel Siegel ist bei der jüngsten Sitzung des Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses zum ehrenamtlichen Beauftragten für die Denkmalpflege in Kamen bestimmt worden. Ina Stoltefuß unterstützt ihn als Stellvertreterin. Beide haben unter anderem ein Auge auf Baumaßnahmen, die historische Gebäude betreffen.
Von den regelmäßigen Treffen der in Kamen tätigen Ortsheimatpfleger kennt sich das Duo bereits seit langer Zeit. Die pensionierte Lehrerin Ina Stoltefuß ist die Tochter von Karl-Heinz Stoltefuß, der nicht nur vier Jahrzehnte lang als Ortsheimatpfleger in Heeren-Werve aktiv war, sondern zudem als Sprecher aller Ortsheimatpfleger fungierte und an der Erstellung des aktuellen Denkmalpflegeplans beteiligt war. André-Marcel Siegel ist als Referent beim Westfälischen Heimatbund mit Sitz in Münster für den Fachbereich Wandern tätig. Überdies ist er Ortsheimatpfleger in Methler-Dorf und Kaiserau und seit 2023 auch noch Kreisheimatpfleger.
Die Zuständigkeit der Beauftragten für Denkmalpflege umfasst das gesamte Gebiet der Stadt. „Wir legen den Finger in die Wunde, wenn in Bereichen der Stadt gebaut werden soll und dafür historischer Baubestand weggebaggert werden müsste, oder aber es um erhaltenswerte Gebäude geht“, sagt André-Marcel Siegel zum Aufgabenbereich.
Die Zuständigkeit für Belange des Denkmalschutzes liegt in Kamen beim Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss. Dieser hat André-Marcel Siegel zum Beauftragten für die Denkmalpflege bestimmt. Ina Stoltefuß steht dem Historiker als Stellvertreterin zur Seite. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
Die Vermittlung von Informationen und Auskünften an den Ausschuss sowie die Untere Denkmalbehörde und die Denkmalfachämter gehören ebenfalls zum Spektrum, ebenso wie die Pflege von Verbindungen zu Institutionen, die der Denkmalpflege förderlich sein können.
„Sobald wir Kenntnis von Bauvorhaben haben, schauen wir, ob dabei der Denkmalschutz zu berücksichtigen ist. Daher ist es sinnvoll, wenn wir bei den Sitzungen des Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses dabei sind, bei dem Bauvorhaben angekündigt werden“, unterstreicht Ina Stoltefuß.
In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass Gebäude, die noch nicht in der Liste der Denkmäler aufgeführt waren, per Abriss für immer verschwunden sind, weil sie nicht mehr als wirtschaftlich galten. „Die hätten aber durchaus zum Erhalt des Stadtbilds beigetragen“, ist André-Marcel Siegel überzeugt. Den Abriss von Fachwerkhäusern in Kamen findet er bedauerlich: „Wenn man quasi sein Tafelsilber verscherbelt und stattdessen Betonwürfel an die Stelle setzt, bekommt man zwar irgendwann ein neues Stadtbild, welches aber im Vergleich zu dem, was vorher dort stand, ziemlich hässlich ist.“
Positives Beispiel: Fachwerkhaus am Markt
Beim Ausgleich zwischen wirtschaftlichen und geschichtlich-historischen Interessen gebe es in der Stadt an der ein oder anderen Ecke kritisches Potential. Auf der anderen Seite seien auch positive Beispiele zu finden, wie die derzeit laufende, fachgerechte Sanierung der ehemaligen Gaststätte „Zum Weißen Röß´l“ am Kamener Marktplatz.
„Das wird danach wieder einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt, indem darin ein Restaurant entsteht. Da werden die Interessen gut ausgeglichen, indem das Gebäude wieder in einen Zustand gebracht wird, der dem ursprünglichem Erscheinungsbild sehr ähnlich ist. Auf der anderen Seite entsteht bei einem Lokal auch für den städtischen Haushalt eine Wertschöpfung“, sagt der Historiker aus Methler.
Noch nicht ganz fertig und dennoch schon ein Hingucker ist das Gebäude, in dem früher das Restaurant „Zum Weißen Röß´l“ zu finden war. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
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