Die Musiker der Bands „Kleiner dicker Junge“ und „Torn-Verein“ mussten ihre Auftritte wetterbedingt verkürzen, denn am Abend wurde es im Minigolfpark an der Dürerstraße nass. Foto: AG
Kamen. (AG) Mit einer Feier auf dem Minigolfplatz an der Dürerstraße bedankte sich der Vorstand des Flüchtlingshilfevereins Pro Mensch am Freitagnachmittag bei seinen zahlreichen Mitgliedern und Förderern sowie bei Vertretern aus Rat und Verwaltung für ihre mittlerweile zehn Jahre währende Vereinsunterstützung.
Zehn Jahre Pro Mensch – das hat Spuren in der Stadt und in der Vereinslandschaft hinterlassen. Die Zahl der Mitglieder, von denen die Hälfte selbst als Flüchtlinge nach Kamen gekommen waren, ist in diesem Zeitraum auf 130 gestiegen, Menschen aus rund 30 Nationen wirken gemeinsam und friedlich unter dem Dach des Vereins miteinander an den regelmäßigen Veranstaltungen, Aktionen und Projekten von Pro Mensch mit, ob bei der Arbeit in der Einrichtung im Mausegatt, im „O-Punkt“, bei den Deutschkursen und der Ukraine-Hilfe oder bei den Weihnachtsaktionen für Kinder und im „Café International“ – „das wäre eine gute Blaupause für die Weltpolitik“, wie Vereinsvorsitzende und Mitgründerin Bilitis Naujoks feststellt. 200 Tage im Monat seien die aktiven Mitglieder im Rahmen der Vereinsarbeit ehrenamtlich tätig, rechnet sie zusammen.
Viele Geschichten und Einzelschicksale hat sie in den vergangenen zehn Jahren hautnah mitbekommen, von denen natürlich einige Begegnungen prägend gewesen seien, so etwa die Geschichte von Najah aus Syrien, die im Zuge der Migrationswelle 2015 und 2016 mit ihrem Mann Saad nach Deutschland gekommen ist, welcher mittlerweile als Chemielehrer an der Kamener Hauptschule tätig ist. Bei der Stellenvermittlung sei das damals schon gut ausgebaute Pro Mensch-Netzwerk eine große Hilfe gewesen, erinnert sich Bilitis Naujoks. Auch der Karriere von Vereinsmitglied und Schriftstellerin Stella Gaitano aus dem Südsudan haben die zahlreichen Verbindungen innerhalb der Stadt auf die Sprünge geholfen, aktuell ist die „Neu-Kamenerin“ sogar für den 18. Internationalen Literaturpreis des Berliner Hauses der Kulturen der Welt nominiert. Solche Erfolgsgeschichten, sagt Naujoks, seien immer der schönste Lohn für den ehrenamtlichen Einsatz.
Pro Mensch hat seit seiner Gründung zahlreiche Hürden genommen und viele Herausforderungen gestemmt, beispielhaft erinnert Bilitis Naujoks an den Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und den Aufbau der Kamener Ukraine-Hilfe. Es habe nicht an Hilfsbereitschaft gefehlt, aber die Hilfe sachgemäß zu koordinieren, sei anfangs geradezu ein Jonglage-Akt gewesen, erinnert sich die Vorsitzende. Für nächsten zehn Jahre wünscht sie sich neben der erfolgreichen Fortführung der Pro Mensch-Projekte einen Ausbau des Vereinsnetzwerks außerhalb der Kamener Stadtgrenzen. „Denn innerhalb von Kamen sind wir mittlerweile wirklich vollständig vernetzt“, so Naujoks, wobei sie wie zum Beweis auf die zahlreichen Besucher der „Geburtstagsfeier“ zeigt, die sich mit Bratwurst, Eiscréme, internationalem Buffet, kalten Getränken und Live-Musik bei Laune hielten – zumindest so lange, wie das Wetter mitspielte.





