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    39. Kite-Auflage startet mit Gewitter-Knall und lauem Lüftchen

    Hochsommer statt Gewitter: Nach dem stürmischen Auftakt präsentierte sich das Kamener Drachenfest am Samstag unter strahlend blauem Himmel.Hochsommer statt Gewitter: Nach dem stürmischen Auftakt präsentierte sich das Kamener Drachenfest am Samstag unter strahlend blauem Himmel.

    Eine Fotostrecke mit den schönsten Bildern vom ersten Tag des Kamener Drachenfestes finden Sie hier.

    Kamen. Es ist schon gute Kite-Tradition: Zur Begrüßung ist meist Land unter mit Regenfluten und Gewittersturm. Dann gibt die Sonne alles, nur der Wind bleibt weg. Auch bei der 39. Auflage war das nicht anders. Als im Heerener Wald nebenan gleich mehrere Bäume krachend unter den Gewitterböen umfielen, fiel die Begrüßung der Drachenfreunde auf dem Derne Segelfluggelände ebenfalls regelrecht ins Wasser. Die brachten sich, ihre Zelte und Wohnmobil-Vorbauten vor Blitz, Donner und orkanartigen Böen lieber in Sicherheit.

    Am Samstag dann ein ganz anderes Bild: hochsommerliche Hitze, knallblauer Himmel. Und auf dem Freifluggelände mussten die Drachenfreunde schon gute Sprintqualitäten zeigen, um ihre Fluggeräte wenigstens kurzfristig in einen flugähnlichen Modus zu bekommen. Einzig für die Windspiele und die besonders leichten Stoffe der Windfahnen reichte das laue Lüftchen. Und auch die Mikro-Drachen hatten noch eine kleine Chance. Wohl dem, der Wind mit solarbetriebenen Anlagen im Gepäck hatte. So konnten sich wenigstens die farbenfrohen Exemplare am Boden im wahrsten Sinne aufblasen.

    Krabben, Wale, Kraken und Lokomotiven machten dabei eine gute Figur. Der neueste Trend sind aber Pøppel. „Die hat ein Drachen-Freund mit Inspiration aus Dänemark entwickelt und die Muster für den privaten Gebrauch zur Verfügung gestellt“, sagt der Besitzer einer illustren Familie der kleinen vermenschlichten Mensch-ärger-dich-nicht-Figuren im Aufblasformat. Die hatten auch einige „Verwandte“ auf dem Segelfluggelände.

    Die meiste Zeit mit Warten verbrachten auch Margret (68) und Wolfgang (70) Vollbrecht. Sie kommen schon seit über 30 Jahren aus Köln zum Kamener Drachenfest und haben einen ganzen Anhänger gefüllt mit ungezählten Drachenvarianten. Am Samstag stellten sich vor allem die handgenähten Aufblas-Varianten zur Schau: Enten, Leuchttürme, Kugelfische und Unmengen von Windspielen. „Angefangen hat es mit den Kindern, einem kleinen Drachen aus dem Supermarkt und einem Unfall am Strand“, erzählt Wolfgang Vollbrecht. Der Drache war kaputt und ein Fachgeschäft versprach Abhilfe. „Es war ein Fehler, dort hineinzugehen“, erinnert er sich. Dort entdeckte er die unbegrenzte Welt echter Drachenprofis. „Seitdem schneidet er die Stoffe zu und ich nähe“, ergänzt Margret Vollbrecht. Vorlagen und eigene Ideen verschmelzen dabei. Je nach Windlage wechselt die „Auslage“ vor ihrem Wohnmobil über den Tag verteilt. „Eigentlich wollten wir ja damit aufhören und nur noch den Bestand mitbringen“, sagt Margret Vollbrecht. Aber auch in diesem Winter haben beide wieder ihr Repertoire ergänzt. „Es geht eben nicht anders“, sagen beide lachend, während die Kinder längst ganz andere Hobbies haben.

    Auf einem anderen Teil des Geländes hatte Patrick Leiter ein Zelt aufgebaut, das deutlich kleiner ist als sein größter Drache. Der Walhai ist zwölf Meter lang, er hat auch noch einen 16 Meter langen Drachen irgendwo im restlos vollgestopften Kombi stecken und ein 15 Meter langes Krokodil. Das größte Exemplar, ein 21 Meter langer Manta, hat nicht mehr reingepasst. Seit er vor sechs Jahren seine Kindheitsliebe zu den Drachen mit einem simplen Bild wiederentdeckte, hat der 26-Jährige als aktuell jüngster Drachenprofi auf dem Gelände gut 18.000 Euro Neuwert seine Drachensammlung investiert. Im vergangenen Jahr war er zum ersten Mal in Kamen, reiste dafür eigens aus Esslingen am Neckar an und machte dabei mit seinem Manta vor laufender Fernseh-Kamera eine Bruchlandung im Baum, die einige Reparaturen erforderte.

    Auch diesmal ist sein Vater eigens angereist, um ihn zu unterstützen. Fünf Stunden hat er von Remagen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Segelfluggelände gebraucht. „Am schlimmsten war es hier vor Ort, weil sich ab dem Kamener Bahnhof die Busfahrer nicht einig waren, wo es überhaupt hergehen sollte“, sagt er leicht genervt. Die Bereitschaft, sich voll und ganz in einem Hobby zu verlieren, hat jedenfalls er seinem Sohn vererbt: Er selbst hat noch deutlich mehr Geld in Modellbahnen und Musik inklusive Songwriting investiert. Ob er den Sohn auch auf den übrigen neun Festivals besuchen wird, die in diesem Jahr noch mit seiner Drachensammlung bereichern wird, ist noch offen.

    Weniger Wartezeit war auf dem vorderen Teil des Festivalgeländes gefragt. Beim Bungeesprung, auf der Riesenrutsche und zwischen den ausgestellten Segelflugzeugen und bei den GSW-Kreativangeboten war zumindest bis zum Nachmittag noch reichlich Platz. Der Ansturm hielt sich in Grenzen, auch den Reihen der Linedancer konnten sich noch alle bequem bei den regelmäßigen Tanzworkshops anschließen. Ebenfalls wieder dabei: Fleißige Kuchenbäckerinnen, die für die Krebshilfe sammelten. Dabei kommen gern auch schonmal fast 10.000 Euro mit den vielen Kuchenspenden zusammen. Vielleicht ja auch bei Kite in diesem Jahr.

    Die Kuchenbäckerinnen sind auch diesmal wieder im Einsatz und sammeln mit ihren süßen Spenden für die Krebshilfe.Die Kuchenbäckerinnen sind auch diesmal wieder im Einsatz und sammeln mit ihren süßen Spenden für die Krebshilfe.

    Eine Fotostrecke mit den schönsten Bildern vom ersten Tag des Kamener Drachenfestes finden Sie hier.

    Archiv: GSW Kamen Kite am 30. und 31. Mai 2026: Internationales Drachenfestival lockt Besucher nach Kamen

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