Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von der Außentreppe am Kamener Gymnasium. Diese wird in Kürze im Rahmen der Sanierung abgerissen. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer
Kamen. Mit aktuell knapp 40 Millionen Euro ist die anstehende Sanierung des Städtischen Gymnasiums das größte Sanierungsprojekt seit Jahrzehnten in Kamen. Umso überraschender, dass das Interesse daran offenbar überschaubar ausfällt. Zur von der Stadt als „Kick-Off-Veranstaltung zur Sanierung“ durchgeführten Infoveranstaltung am Dienstagabend, 13. Juli, verloren sich in der Konzertaula gerade einmal gut 30 Personen.
In der kommenden Woche gehen die Arbeiten mit dem Ende des Schuljahrs und der Einrichtung der Baustelle los. Von außen nicht sichtbar sind dann Maßnahmen in den Treppenhäusern, die dem Brandschutz dienen. Zudem werden zusätzliche Rettungswege geschaffen. Nicht zu übersehen sein werden dagegen der Rückbau von Fassadenteilen und der Abriss der außen liegenden Fluchttreppe. An dieser Stelle soll danach der Neubau als „Ringschluss“ an das bestehende Schulgebäude angebunden werden. Bis zum Sommer 2030 wird das Großprojekt laut Plan bei laufendem Schulbetrieb und während der Ferien fertiggestellt. Ohne Einschränkungen wird das Mega-Projekt nicht realisierbar sein. Daher ist geplant, den Bauablauf mit besonders lärmintensiven Arbeiten eng mit Klausur- und Prüfungszeiten abzustimmen.
Die Befürchtung, dass sich Grundschüler aufgrund der erwartbaren Belastungen, die eine Baustelle in der Größenordnung mit sich bringt, möglicherweise für eine andere Schule entscheiden, scheint indes unbegründet. Bürgermeisterin Elke Kappen schilderte einen gegenteiligen Effekt: „Wir haben ganz viele Menschen, die ihre Kinder angemeldet haben, weil hier etwas getan wird und neue Bereiche sowie ein anders, pädagogisches Konzept entstehen.“
Neue Fenster und neues Licht
In den kommenden Jahren werden neben der Verbindung der bislang getrennten Gebäudeteile die Bestandsgebäude grundlegend saniert. Zur Modernisierung gehören unter anderem neue Fenster, LED-Leuchten und eine verbesserte Dämmung, die in der ersten Hitzephase des Jahres Ende Juni sicher Schüler und Lehrer gleichermaßen vermisst haben.
Die Resonanz auf die Vorstellung des Projekts und der geplanten Bauphasen war sehr überschaubar. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
Architekten und Bauleitung gaben in der spärlich gefüllten Aula einen Ausblick auf die kommenden Bauabschnitte. Demnach sollen nach dem Auftakt in den Sommerferien die Arbeiten am neuen „Ringschluss“ im vierten Quartal starten und bis Ende Juli 2028 dauern. Der Neubau wird auch mit einem Aufzug ausgestattet, um Barrierefreiheit für das gesamte Gebäude zu schaffen. In dem Bau entsteht unter anderem ein neuer naturwissenschaftlicher Trakt mit modernen Fachräumen für Biologie, Chemie und Physik.
„Der Ringschluss ermöglicht künftig eine viel bessere Ausnutzung der Schule sowie bessere Wege und eine bessere Übersichtlichkeit“, so Architektin Henrike Thiemann, Gründerin und Inhaberin von htarchitektur.
Die Planungen für die Sanierung des Projekts haben bereits im Jahr 2020 begonnen. Daran erinnerte Bodo Schwenken vom g+w Ingenieurbüro: „Wir haben viele Dinge überlegt, wieder verworfen und lange ausfiltriert. Es ist eine Lösung herausgekommen, bei der wir der Meinung sind, dass es sich gelohnt hat.“ Im Laufe der Planungen ist das Sanierungs-Vorhaben teurer geworden. Ursprünglich wurde von einer Summe in Höhe von 34 Millionen Euro ausgegangen. „Aktuell liegen wir bei knapp 40 Millionen Euro“, so Stadt-Pressesprecher Peter Büttner auf Nachfrage.
Keine Container auf dem Schulhof
Die neu entstehenden Räume sollen dazu führen, dass der Unterricht in allen Bauphasen am Standort weitergeführt werden kann. „Wir haben ein Konzept entwickelt, sodass wir hier ohne eine jahrelange kostspielige Containerlösung auskommen“, erklärte Bodo Schwenken.
Mit der Sanierung wird die Schule zudem stärker auf moderne Unterrichtsformen ausgerichtet. Die bisherigen Flure werden bei maximaler Tageslichtausnutzung zu sogenannten „Lernfluren“ samt Sitzmöglichkeiten und Arbeitsplätzen. Vorgesehen sind überdies Selbstlern- und Differenzierungsbereiche, auch die Bibliothek wird komplett neu aufgestellt. Im Hauptgebäude werden dazu zusätzliche Toiletten eingerichtet - so kann künftig der ungeliebte Weg zu den Außentoiletten an den Sporthallen vermieden werden.
Wärme für den Ringschluss
Neben Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen gehören zur Modernisierung auch Geothermie-Bohrungen, die in der Zukunft Wärme für den Ringschluss und Teile der sanierten Bestandsgebäude liefen sollen. Die Installation von Klimaanlagen ist hingegen nicht geplant, stattdessen soll eine passive Bauteil-Kühlung die Räume im Sommer temperieren. Ob es dann künftig weniger oft „Hitzefrei“ am Gymnasium gibt, wird die Zeit zeigen.
Archiv: Infoabend zur Sanierung des Gymnasiums
Umbau des Gymnasiums: Pläne stehen kurz vor der Prüffähigkeit – Infos in der Konzertaula
Bodo Schwenken (links) und Till Kröger von g+w Ingenieurplanung sowie Henrike Thiemann und Nicola van Waegeningh (rechts) von htarchitektur haben das Vorhaben am Gymnasium im Rahmen einer Baustellenpräsentation vorgestellt. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de





