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    Die Torstraßen: Am Bollwerk

    von Edith Sujatta

    Kamen. Es gibt zwei Möglichkeiten für die Entstehung einer Stadt, die eine ist die Gründung durch einen Grundherrn, wie zum Beispiel Lippstadt (früher Lippe). Hier hat Graf Bernhard einen strategisch günstigen Ort gefunden und seine Stadt gegründet.  Dann gibt es Orte die sich aus einer besonderen Situation heraus entwickeln, an Furten, Brücken oder Wegkreuzungen. Hier treffen Menschen aufeinander, diese Engstellen sind gefährlich, sie müssen gesichert werden, die Überwege müssen begehbar gehalten werden. So hat es in Kamen angefangen.
    Die Straße „Am Bollwerk“ deutet genau darauf hin. Bollwerk kommt von Bohlwerk und bedeutet hier, eine kleine Brücke über die flache Seseke und ein mit Bohlen ausgelegter Steg über den dahinter liegenden Sumpf, „Die lange Brücke“. Das übliche Hochwasser, zweimal im Jahr, floß in den tiefer gelegenen Süden. Wenn es wieder ablief, hinterließ es ein Sumpfgebiet. Dies ist auch der Grund dafür, das sich die Menschen auf der anderen Seite der Seseke niederließen. Und noch heute läßt sich das auf Karten erkennen: Kamen ist die einzige Stadt, die auf beiden Seiten Seiten des Flusses liegt. Sonst ist die Seseke immer auch Gemarkungsgrenze.
    Der Knüppeldamm mußte ständig mit neuen Holzlagen erneuert werden, wer macht das schon umsonst?
    Für die Sicherheit wurde hier zuerst eine frühe Form der Burg, die  sogenannte Motte gebaut, das ist ein künstlicher Hügel, von Wasser umgeben, mit einer Bohlenburg, das ist ein Turm aus Holz, oft auf einem Steinsockel. (Die Reste des Turms sind noch hinter dem ev. Gemeindehaus zu sehen) Hier saßen nun die germanischen „Edelinge“, kassierten Wegezoll und hielten Wache. Die Arbeit an der Brücke war wohl eher von den Hörigen zu erledigen.

    Im Mittelalter entwickelte sich aus dem sicheren, aber als Wohnung höchst unbequemen Turm die erste Burg mit ihren Wirtschaftsgebäuden, später nach ihren jeweiligen Besitzern zum Beispiel Wetholz‘scher Hof genannt. In unmittelbarer Nähe entstand später die Grafenburg am heutigen Kirchplatz.    

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