Text und Fotos von Klaus Holzer
Kamen. Am 27.6.2013 trafen sich ca. 20 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Kamen vor dem Rathaus zu einer besonderen Stadtführung, zu der sie die Gästeführer-Gilde eingeladen hatte. Gästeführer Klaus Holzer führte sie zu fünf Stationen und erläuterte die Standorte, an denen andere Mitglieder der Gilde standen, alle in Kostümen der jeweiligen Zeit, und in kleinen Szenen typische Kamener Erscheinungen und Klatsch und Tratsch über ihre Zeit und Verhältnisse, vor allem aber ihre Nachbarn, zum besten gaben.
Zwei Dienstmädchen unterhalten sich auf der Maibrücke über die Sensation in Kamen: die neue Eisenbahn. Reichlich skeptisch über dieses neumodische Teufelszeug sind sie schon. Und natürlich geht es nicht ohne bissige Bemerkungen über ihre Herrschaft ab, deren Kind die eine gerade ausführt. (Andrea Woter & Annika Kudras)
Im Hanenpatt, vor der alten Hauderei, steht die Hausherrin, Frau Diening, und erklärt, was es mit der Hauderei auf sich hat, und daß solch ein Rollfuhrunternehmen auch die unangenehme Aufgabe hat, Kindersärge zu transportieren. Da sie Pietistin ist, geht sie anschließend beten. Doch gerade, als sie losgehen will, kommt der „Engel von Kamen“, Marianne Schettler, um die Ecke und berichtet von Armen, Alten und Kranken, und wie sie heute wieder versucht hat, ihr Schicksal zu lindern. (Edith Sujatta & Christiane Tlatlik)
An der Ecke Klosterstraße - Schwesterngang stand bis 1818 das Kamener „Kloster“, in Wahrheit ein Beginenhaus, ein Haus für Schwestern im Laienstand. Eine Begine erwartet die Gruppe und berichtet über das Leben in solch einem Haus kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Frauen tun viel Gutes, besonders jetzt, nach dem Krieg. Eine Frau, die ihren Mann verloren hat, tritt auf sie zu und bittet sie um Hilfe.(Maria Luise Steffan & Annika Kudras)
Auf dem Marktplatz, wegen des Regens unter den Arkaden, wartet Heinrich Drees, ein richtiges Kamener Original und erzählt aus dem Leben eines Nachtwächters. Er war so etwas wie Polizist, Büttel, Gerichtsbote, Gemeindediener, Häscher und Henkersknecht in einer Person. In der Silvesternacht 1899 drehte er seine letzte Runde durch Kamen. Als jedoch das neue Jahrhundert anbrach, gab es für Leute wie ihn keine Verwendung mehr. Frau Diening trifft ihn auf ihrem Rundgang durch die Stadt: „Na, Heinrich, alles ruhig in der Stadt?“ (Manfred Böse & Edith Sujatt)
Vor einem typischen Ackerbürgerhaus in der Weißen Straße steht die Magd und fegt die Straße. Als sie die Ankommenden sieht, ruft sie ihre Herrin herbei. In ihrer Unterhaltung erzählen sie, daß in der Weißen Straße vor allem die vielen Kamener Leinenweber wohnten und arbeiteten, und die Straße daher ihren Namen habe. Und sie machen klar, wie wichtig die Nachbarschaften in Kamen waren, die sogenannten Schichten, und daß die Ostenschicht am längsten existiert habe. (Elke Willingmann & Andrea Woter)
Zum Schluß gab es für alle Beteiligten ein Bütterken und einen Tropfen Sesekewasser. Die Sammlung unter den Teilnehmern ergab einen dreistelligen Betrag, der einem sozialen Zweck zugeführt wird.
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