
von Marie Fuhr
Spanien ist bekannt für Sonne, Strand und Meer und deswegen eines der beliebtesten Urlaubsländer in ganz Europa. Auch ich durfte in diesem Jahr den Zauber der südländischen Kultur erleben und das in einer der berühmtesten Städte Spaniens: Barcelona.
Natürlich habe ich nicht meine kompletten zwei Wochen Urlaub in der Stadt verbracht, sondern auf einem Campingplatz direkt am Strand in der Nähe von Roses, etwa 140 km nördlich von Barcelona. Und wenn man schon mal da ist, will man selbstverständlich auch mal das Großstadtflair genießen. Also schloss ich mich einer Tagesbustour ins Unbekannte an.
Noch ziemlich geschafft von der vergangenen Partynacht sitzen meine Freunde und ich schließlich schon früh an einem Samstagmorgen im Bus. Die Fahrt in die katalanische Metropole beträgt für uns von Campingplatz aus etwa zwei Stunden und führt bis auf ein oder zwei größeren Städten praktisch durch die Nord-Spanische Provinz. Doch dann ganz plötzlich ändert sich das Bild und auf den Hügeln rechts und links der Autobahn erscheinen Hochhäuser und Industriegelände wie in den Berg gemeißelt. Kurz: Das typische Bild einer Vorstadt in der man lieber nicht allein unterwegs sein möchte. Die Autobahn schlängelt sich regelrecht durch die Berge, bis wie aus dem Nichts das Zentrum von Barcelona in Sicht kommt. Meine Freundin Anna, mit der ich zusammen nach Spanien gereist bin, ist genau so begeistert wie ich: „Wir sind wirklich da. Unfassbar!“ Der ganze Bus ist beeindruckt von der Größe und Schönheit der 1,6 Millionen Stadt. Die Autobahn nähert sich immer mehr den Häusern, bis wir schließlich Mitten im Herzen der Stadt sind. Zunächst scheint es, als würden in jedem Zimmer der Häuser völlig verrückte und unterschiedliche Personen wohnen. Mal steht ein Fahrrad auf dem Balkon, dort sind Fenster mit Geschenkpapier beklebt und woanders sieht es aus wie im Gartencenter. Aber so ist nun mal die spanische Mentalität, allerdings herrscht in Barcelona auch eine der aktivsten Hausbesetzungsszenen Europas. Schließlich kommt der Bus in den modernen Teil der Stadt. Erstes architektonisches Highlight ist der „Torre Agbar“, ein 32-stöckiger Bürokomplex, der einer Säule ähnelt und sich in den Himmel schraubt. Dann endlich das, worauf alle gewartet haben: von der Autobahn sieht man mitten zwischen den süßen spanischen Häusern die berühmte Kirche Sagrada Familia.
Wir fahren von der Autobahn ab, über ordentliche Hauptstraßen und steigen in der Nähe der Kirche schließlich aus. Eine Stadtführerin erwartet uns schon. Zusammen mit ihr gehen wir die letzten Meter, bis wir vor dem berühmten Bauwerk von Antoni Gaudí stehen. Unsere Führerin Elizabeth ist eigentlich Deutsche, lebt aber schon viele Jahre in Barcelona und erzählt uns einige interessante Fakten zu der unvollendeten Kirche, an der seit 1882 gebaut wird.
Nachdem wir das Wahrzeichen der Stadt von allen Seiten begutachtet haben, geht es zurück in den Bus und einmal durch die ganze Stadt. Vorbei an den Prachtstraßen mit den edlen Modehäusern, über Plätze und unglaublich faszinierender Architektur. Natürlich darf ein Besuch am Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona auch nicht fehlen.
Nach einer Runde auf dem Verkehrknotenpunkt Placa de Catalunya geht es mit dem Bus hoch auf dem Berg Montjuic, der nicht nur früher Austragungsort der Formel 1 war, sondern auch Olympiastützpunkt ist. Auf der Spitze des Berges dürfen wir eine halbe Stunde aussteigen, uns wird auch schnell klar warum: Von dem Aussichtspunkt hat man einfach eine atemberaubende Aussicht auf Barcelona, den Hafen und das Meer. Ganz klein sieht man die Sagrada Familia, die uns noch zwei Stunden zuvor so groß vorgekommen war. Anna und ich beschließen diesen Anblick bei der Hitze noch mit einem Eis zu krönen. Schließlich geht es mit dem Bus auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter Richtung Zentrum, diesmal am Harfen vorbei. Die Besichtigungstour endet in der Nähe der Statue von Christoph Columbus, die sich am südlichen Ende von La Rambla befindet, der berühmtesten Einkaufstraße Barcelonas. Deswegen bekommen wir an dieser Stelle vier Stunden Zeit für ein eigenständiges Shoppen. Das lassen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen. Nachdem wir uns durch süße Seitenstraßen gekämpft haben, stehen wir schließlich mitten in den Ramblas. Nahezu alle Sprachen schwirren um uns herum, Touristenstände und –läden überall und leckere spanische Spezialitäten. Direkt neben La Rambla befindet sich auch der Markt St. Joesp, der ein wahres kulinarisches Erlebnis in jeder Hinsicht bereit stellt. Ob Früchte, Schinken oder Fisch, in der riesigen Markthalle kommt jeder auf seine Kosten. Am Ende von La Rambla ist die Faszination der Großstadt allerdings noch keinesfalls vorbei, sondern mit riesigen Einkaufzentren, Stores mit den angesagtesten Marken weltweit und natürlich dem Hard Rock Cafe bietet das Zentrum einen echten Traum für alle Shoppingverrückten. In der Stadt ist es klar, dass vier Stunden shoppen wie im Flug vergehen, also geht es durch das Getümmel zurück zum Bus.
Um 19 Uhr ist der Tag in Barcelona aber noch lange nicht zu Ende, sondern es geht weiter zu den berühmten Wasserspielen. Keiner von uns weiß was uns bei der Springbrunnenshow erwartet, die am Fuß des Montjuic am Nationalmuseum, das eher einem Palast gleicht, stattfindet. Auf den großen Treppen vorm Museum kann man nicht nur auf den Springbrunnen herunter sehen, sondern auch auf das Zentrum der Stadt. Bis in die Abenddämmerung füllen sich Treppen und Platz mit immer mehr Leuten und uns wird klar, dass uns etwas Spektakuläres erwartet. Schließlich schießt das Wasser aus dem Brunnen, begleitet von Lichtspielen und Musik. Ein Raunen und Staunen geht durch die Zuschauer. Über eine Stunde begeistert das Wasser die Menge aus der ganzen Welt.
Dann heißt es schließlich zurück zum Bus und die Fahrt geht wieder durch das jetzt dunkle Barcelona zum Campingplatz. Die Stadt hat gerade jetzt etwas ganz Besonderes. Paradiesisch und urban zugleich.
Das wird mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch in Barcelona gewesen sein. Vielleicht finde ich mich ja schon in den nächsten Wochen in einer der bezaubernden Seitenstraßen dieser Traumstadt wieder.





