von Christoph VolkmerKamen. Fast die Hälfte ihres Lebens ist Birgit Sperling schon als Hebamme tätig. 24 Jahre Berufserfahrung liegen hinter der heute 50-Jährigen, eine Zeit, in der sie mitgeholfen hat, zahllose Kinder gesund auf die Welt zu bringen. Seit 1997 ist Birgit Sperling selbstständig im Einsatz, wenn es darum geht, werdende Mütter ganzheitlich und umfassend zu betreuen. 2007 eröffnete die freiberufliche Hebamme an der Kämerstraße 35 ihre eigene Praxis. Die Betreuungszeit beginnt im überwiegenden Teil zwischen der 15. und 20. Schwangerschaftswoche. „Immer häufiger kommen werdende Eltern aber auch schon eher auf mich zu. Das ist gut, denn je mehr Zeit man hat, desto besser kann man sich kennenlernen und die Vorbereitung auf die Geburt noch individueller gestalten“, erklärt Sperling.
Die Zeit der Schwangerschaft habe sich in den letzten Jahren zusammen mit der Gesellschaft enorm verändert. „Die Frauen gehen viel schneller nach einer Geburt wieder arbeiten und nehmen Schwangerschaften anders wahr als noch vor 20 Jahren. Viele versuchen, sich mit Informationen aus dem Internet schlau zu machen, aber das ist in den meisten Fällen kein guter Ratgeber“, so Sperling.
Nicht nur über die gesamte Zeit der Schwangerschaft, sondern auch darüber hinaus steht Sperling den Eltern mit Rat und Tat zur Seite. „Ich möchte, dass sich die Eltern rundherum gut aufgehoben und beraten fühlen“, erklärt sie ihr Motto. Sperling bietet zudem eine Reihe an Kursen wie Schwangerschaftsgymnastik, Fitness für Frauen, Rückbildungsgymnastik oder die klassische Geburtsvorbereitung - in Form eines mehrwöchigen Kurses oder am Wochenende - an.
Zuletzt waren freiberufliche Hebammen immer wieder Thema in den Medien. Denn ab Juli 2015 bietet kein Anbieter mehr Haftpflichtversicherungen für Geburtshelferinnen an, da mit der Nürnberger Versicherung die letzte aus den verbliebenen Versicherungskonsortien für Hebammen aussteigt. Nach aktuellem Stand gibt es dann niemanden mehr, der die Hebammen adäquat versichert. „Dann droht vielen Hebammen die Arbeitslosigkeit, denn ohne gültige Versicherung dürfen wir nicht arbeiten“, gibt Sperling zu bedenken.
Wenn sich also vor Juli 2015 keine politische Lösung für die Berufshaftpflichtproblematik von freiberuflich tätigen Hebammen finden lässt, dürfte die Zeit der selbstausgesuchten und individuellen Einzel-Betreuung vor, während und nach einer Geburt nicht mehr möglich sein.
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