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    Die Hanse und Kamen - Teil I

    Foto: Hansestadt Kamen (C) KamenWeb.devon Edith Sujatta, Ortsheimatpflegerin und Gästeführerin, basierend auf Material von Hans Jürgen Kistner, ehem. Stadtarchivar von Kamen

     

    „Dies ist das höchste und das älteste Wasserrecht, dass die gemeinen Kaufleute und Schiffer geordiniert und gemacht haben zu Wißsbü (Visby), das sich ein jeder der zu Seewärts handelt, hiernach sich richten mag.“

    Dies ist der Anfang einer Hanseordnung aus dem 16Jh. Als sie aufgeschrieben wurde, war längst der Höhepunkt der Hanse überschritten, und die Hansenutzer mussten gelegentlich an ihre Pflichten erinnert werden.

    Aber was war das eigentlich, die „Hanse“? Beginnen wir mit dem Namen. Hanse bedeutet ganz allgemein „Schar“, „Gemeinschaft“ (Vogelschar, Kinderschar, Heerscharen u.s.w.) und meint im 12. Jh. im engeren Sinne die Gruppe oder Gemeinschaft reisender Kaufleute. „Hanse“ bezeichnet daneben die Abgabe, die man für die Zughörigkeit zu solch einer Gemeinschaft bezahlen musste (den so genannten Schoß). So wird das Wort „Hanse“ für viele Hansen verwendet.

     

    Diese Beschreibung passt genau auf den ersten Teil der Hansegeschichte, die Kaufmannshanse. Einzelne Kaufleute aus einer Stadt oder aus einer Region schlossen sich zu Hansen zusammen, um sicherer an ihre Handelsziele zu  kommen. Die Konvois bestanden aus schweren Planwagen, die mit mindestens 6 Pferden bespannt waren und von bewaffneten Knechten begleitet wurden. Die Straßen (auch etwa der Hellweg) bestanden je nach Landschaft aus ausgefahrenen Sand- oder Lehmfurchen, die sich bei Regen in tiefgründige Schlammwüsten verwandelten. Bei Rad- oder Achsenbruch, bei Überfällen und anderen Missgeschicken konnte man sich auf diese Weise Beistand leisten und die Reisekosten teilen.

    Auf der Fahrt zu den Haupthandelsplätzen der Kamener z. B. an der Ostsee, mussten viele Territorien und Herrschaftsbereiche durchquert werden. Kleine Fürsten und große Herrscher waren gleichermaßen darauf aus, an das Hab und Gut der fremden Händler zu kommen.
    Das mittelalterliche Grundrecht bezeichnete das Recht von Grundbesitzern und Stadtbewohnern, alle Transportwaren aufzusammeln und zu behalten, die den Boden berührten, wenn z. B. ein Wagen umkippte, ein Lasttier fiel oder eine Achse brach.
    Das hat natürlich kaum jemanden motiviert, die Wege gut auszubauen und zu pflegen. Diese Grundrechte waren ursprünglich genau wie das Strandrecht für alle gedacht, wurden aber schon im 13. Jh. von den Landesherren an sich gerissen. Die Hansen versuchten durch gemeinsames Verhandeln und durch die Androhung von Handelsboykott bei den jeweilig Herrschenden Rechtssicherheit und Privilegien zu erlangen.

    Die Kamener Kaufleute handelten erfolgreich mit den Produkten ihrer Heimat wie Leinen, Leder, Weinbrand und Bier. Aber auch Weine oder Metallwaren aus dem Sauerland brachten sie zu den aufnahmebereiten Märkten in Rußland, Livland und in das Land des deutschen Ordens.
    Importe waren Honig als einziges erschwingliches Süßungsmittel, Wachs für die Kirchen, Fässer voller Heringe und Stockfisch als preiswerte Alternative zum Fleisch und als Fastenspeise (die Fischereirechte auf den Binnengewässern hatten zumeist der Adel und die Klöster), das in Westfalen auch damals schon knappe Holz, Bernstein, und Pelze, die ein wichtiges Statussymbol waren. Sie wurden deshalb in erster Linie von Männern getragen.

    Wie muss man sich Kamen nun im 13. und 14. Jahrhundert vorstellen?
    Der am Sesekeübergang in Richtung Lippe gelegene Ort mit seinem sumpfigen Hinterland hatte sich durch seine Grenzlage zum Hochstift Münster, seine Nähe zum Haus Mark bei Hamm und seine gesamtstrategische Lage in der Grafschaft Mark zu einer stark befestigten Stadt mit ungewöhnlich vielen befestigten Burgmannshöfen entwickelt. Diese Herrenhöfe, die sich wie eine Perlenschnur um die erste Ansiedlung legten, stellten mit ihren Mauern und Wällen die erste Stadtbefestigung. Erst als die Stadt nach Nordwesten aus diesem Ring heraus wächst, beginnt man die eigentliche Stadtmauer auszubauen. Die Fläche der Stadt beträgt nun 28,8 Hektar bei zuerst 6 Stadttoren und 4 Ecktürmen. Das älteste Tor an der langen Brücke, das Wünnentor, wurde 1660 zugemauert. Der Weg vom Homey–, genauer Rennentor,  hatte sich als Querung durch die Stadt durchgesetzt.  Die Länge der Mauer mit zwei Gräben und einem Wall dazwischen betrug 2030 Meter, also 2,03 Kilometer. An ummauerter Fläche
    war Kamen damit nicht viel kleiner als Dortmund zur selben Zeit. Nur war durch die
    großen Freiflächen für die Adelshöfe viel weniger Platz für Bürgerhäuser, entsprechend kleiner war die Bevölkerungszahl.
    An der Besiedlung des Prußenlandes waren die Westfalen, und darunter viele Kamener, maßgeblich beteiligt. Einer davon war Kaspar Linde, er brachte es im 16. Jh. sogar zum Erzbischof von Riga. Angehörige dieser Familie waren später maßgeblich an der Reformation in Westfalen und darüber hinaus beteiligt.

    Fortsetzung folgt...
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