von Julian Eckert
Kamen. Am vergangenen Samstag (26.04.2014) jährte sich das Reaktorunglück von Tschernobyl zum 28. Mal. Auf einer Gedenkveranstaltung der AWO entzündeten Kamener auf dem Alten Markt Kerzen und hielten eine Schweigeminute ab.
„Es ist ein echt seltsames und unbehagliches Gefühl, dass man einer Gefahr ausgesetzt ist, die man nicht sieht und nicht spürt“, erzählt Oliver Zwar, 22-jähriger Informatiker aus Kamen. Sein Hobby ist die Radioaktivität, deshalb reiste er vergangenes Jahr in die Sperrzone des ukrainischen Atomkraftwerks. „Die Regierung beschwichtigte das Volk kurz nach dem Unglück mit Worten wie: ‚Das ist nur vorrübergehend, wir haben Medizin und ABC-Masken für euch! ‘ – natürlich absoluter Unsinn. In der Geisterstadt Prypjat, die am schlimmsten von der radioaktiven Wolke getroffen wurde, liegen hunderte von solchen unbenutzten und nutzlosen Masken herum.“
Auf seiner zweitätigen Reise durch das Sperrgebiet traf der Kamener auch auf sogenannte „Selfsettlers“ – Menschen, die illegal wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind, mittlerweile aber geduldet werden. „Eine ältere Frau, die wir trafen, kam ein paar Monate nach der Evakuierung wieder in ihr altes Haus. Heute ist sie sehr krank.“
Bürgermeister Hermann Hupe erinnerte in einer Gedenkrede an die „Mahnung, die von den Unglücken in Tschernobyl und Fukushima“ ausgingen und nannte den Weg in eine Zukunft ohne Atomkraft „richtig und vorbildlich“. Es sei „wichtig, dass Deutschland trotz Problemen bei der Energiewende bleibe und so ein Vorbild für Europa“ sei. Zugleich dankte er der AWO für die alljährliche Durchführung des Gedenktages. Ina Schnarrenbach, CDU-Landtagsabgeordnete, erinnerte an die Folgen, „die ganz konkret auf die Menschen zukamen: 28 Feuerwehrmänner starben an den Folgen der Strahlung,eine ganze Stadt in der Größe von Kamen wurde verlassen.“ Die Debatte, die innerhalb der CDU zum Richtungswechsel in der Frage zur Kernenergie geführt habe, sei richtig gewesen.
Am 2. Mai wird Oliver Zwar im Rahmen einer AWO-Ausstellung zum Thema in der Stadtsparkasse einen Vortrag mit Bildern zu seiner Reise halten, unter www.youtube.com/user/annoxoli finden sich außerdem Filme von ihm.
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