von Edith Sujatta, Ortsheimatpflegerin und Gästeführerin
Diese Handelsfreunde des „Lübecker Kreises“ gehörten auch den ersten Kreisen Stockholms an. Eine natürliche Folge des äußerst intensiven Handels war, dass eine Anzahl Verwandter, die im Dienst de Camens oder in Anlehnung an seinen Handel tätig waren, in Stockholm sesshaft wurden. Tideman van Camen, Johan Sparenberg und Albert Mentße lebten mit ihren Familien in Stockholm. Mit Claus de Camen verwandt waren auch Hannus Camen, der 1663 bezeugt ist, Lubbert de Camen, der 1383 als Bürger von Stockholm nachweisbar ist und schließlich ein Berend de Camen, der 1383 im Dalarner Kupferbergbau tätig war. Die Liste der Kaufleute, die direkt aus Kamen nach Stockholm gelangten oder über den Umweg Lübeck dorthin kamen, handelten und es zu Amt und Würden brachten, ist groß. Eine Kostprobe der Geschäfte: Ende Feb. 1371 fertigte der Stockholmer Rat seinen Bürgern Engelbert de Elten und Johan Sparenberg aus Kamen ein Eigentumszeugnis über elftausend Wieselfelle aus, die ihnen Bo Jonsson, Reichsdrost von Schweden, verkauft hatte; die Pelze wurden nach Lübeck gesandt. Der Handel mit Reval, Bergen, Dorpat und den anderen Handelsplätzen des Baltikums ist in Dokumenten und Briefen der „Hanse“ nachzulesen. Die Kamener lebten mit ihren Familien mehrheitlich in ihrem eigenen Kamener Viertel.
Ein wichtiger Stapelplatz der Hanse war das Bergenkontor „Die deutsche Brücke“. Hier läßt sich zwar nicht viel über Kamener finden, deren Anwesenheit ist aber wahrscheinlich, da sich im Hansemuseum der Deutschen Brücke in Bergen der Abdruck eines Kamener Siegels aus dem 14. Jahrhundert befindet.
Das Bergener Kontor ist ein gutes Beispiel dafür, wie rigoros die Lübecker ihre Macht bei Abhängigkeit ausnutzten, um Privilegien zu erlangen und ihre Monopolstellung zu erhalten. Bemerkenswert ist die Verpflichtung aller Kontorbewohner, ohne Ausnahme, zur Ehelosigkeit. Es sollten keinerlei familiäre Verbindungen zu Einheimischen entstehen, da sie die Gefahr einer Ausdehnung in geschäftliche Beziehungen mit sich bringen konnten, was der absoluten Forderung nach Exklusivität der hansischen Kaufleute widersprochen hätte. Die Bräuche der Bergener Männerwirtschaft sind auch sonst sehr spannend, besonders für Frauen, aber das ist ein anderes Thema.
Die für die Hanse sehr prägenden Kontore in Brügge, den „Stalhof“ in London oder das Kontor in Nowgorod habe ich nicht einbezogen, weil es dort kaum Belege über Kamener gibt.
Im 14 Jh. nimmt Kamen in der hiesigen Region nach einer Urkunde noch die zweite Stelle nach Dortmund ein, später, nach dem großen Brand von 1492, rückte Unna an diese Stelle. Eine Erklärung für den Niedergang Kamens sind neben den politischen Veränderungen – das märkische Kamen gelangte 1341 unter clevische Herrschaft, wurde 1609 brandenburgisch, 1701 preußisch – sicher die vielen Brände. In den Jahren von 1452 bis 1520 gab es 5 große Feuersbrünste. Dadurch war die Wirtschaftskraft der Kamener erschöpft. Pfingsten 1452 z.B. brannte die ganze Stadt ab, bis auf die Severinskirche, das steinerne Rathaus und 20 Häuser.
Auf dem Quartierstag (Zusammenkunft der regionalen Hansestädte) in Dortmund 1554 wurde die Stadt Kamen noch als ein Ort bezeichnet, der mehrere „Hanßfahrten“ in Dortmund abgehalten habe.
Im Gegensatz zu Unna, Hamm, Werne und vielen anderen gleich großen Städten hört man bei „Viertelversammlungen“ in Dortmund oder Soest dann nur noch sehr wenig von Kamen. Diese Vorbesprechungen zu den Tagfahrten (Hansetage) scheinen sich die Kamener gespart zu haben, war man doch mit vielen Lübeckern ohnehin versippt und verschwägert.
Beim letzten Hansetag 1669 ist festzustellen, dass keine westfälische Stadt mehr teilnahm.
Zusammenfassend kann man sagen: Die Hanse war zunächst ein Zusammenschluss von Kaufleuten – oft wird 1160 als Gründungsjahr genannt, als Lübeck das Soester Stadtrecht übernahm –, ab 1241 von Städten – als Lübeck und Hamburg ihre Zusammenarbeit auf eine vertragliche Grundlage stellten –, der auf seinem Höhepunkt die wichtigste Handelsmacht und einige Zeit die führende politische und kulturelle Macht des Ost- und Nordseeraumes war. Dabei wurde die Hansepolitik vor allem von ständischen und wirtschaftlichen, und eben nicht, wie später gerne behauptet, von nationalen Denkformen bestimmt.
1980 rief die niederländische Stadt Zwolle den Gedanken der Hanse erneut ins Leben, in Form einer Lebens– und Kulturgemeinschaft der Städte. Die Intention ist jedoch eher in einer länderübergreifenden Versöhnung und dauerhaften Friedensordnung in Europa zu sehen. Die handelspolitische Bedeutung tritt hinter den touristischen und historisierenden Aspekten in den Hintergrund, auch wenn die Tradition der Hansetage wieder belebt wurde. Kamen ist da natürlich dabei.
Bei Hanseführungen kommt meistens die Frage: Was sieht man in Kamen denn noch von der Hanse? Die Frage ist leicht zu beantworten: Die Gebäude, in denen die Kaufleute ihre Geschäfte abwickelten, kann man trotz aller Brände noch finden. Geschäfte schloss man im Mittelalter in der Kirche, i.d.R. im Turm, und später gerne im Rathaus ab. In der Kirche wachte eine höhere Macht über die Lauterkeit der Händler, im Rathaus war die Obrigkeit zugegen. Beide Gebäude waren im Gegensatz zu allen anderen aus Stein und nicht aus Fachwerk, was sehr wichtig war für die Aufbewahrung wichtiger Verträge und Dokumente.

Im Sommer 2013 wurde Kamen Mitglied im Westfälischen Hansebund
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