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    "Tausche Orange gegen Ring!"

    von Julian Eckert.

    Kamen. In der letzten Schulwoche vor den heute beginnenden Sommerferien fand am Städtischen Gymnasium Kamen die Projektwoche statt. Ein besonderes Projekt war "Zivilcourage in Kamen".

    Sie nimmt die Orange in die Hand, prüft sie und überlegt kurz. "Ja, in Ordnung. Ich gebe dir diesen Strauß dafür", sagt die Blumenverkäuferin auf dem Kamener Wochenmarkt.

    Wie viel Zivilcourage gibt es in unserer Stadt? Wie hilfsbereit sind die Kamener? Diese und weitere Fragen standen am Anfang des Projekts am Gymnasium. Die Schülerinnen und Schüler sollten selber erfahren, wie es mit der Zivilcourage und Hilfsbereitschaft aussieht. Dazu erhielten sie von den Lehrern jeweils eine Orange.
    Mit dieser ging es am Dienstag (1.07.) in die Kamener Innenstadt. Die Aufgabe war: "Tauscht die Orange gegen etwas, was euch gefällt."

    Klingt Paradox? Ist es aber nicht!
    Kyle MacDonald heißt ein 31 Jahre alter arbeitsloser Kanadier.
    Begonnen hat er sein Tauschgeschäft mit einer roten Büroklammer: "Ich möchte über diese Büroklammer mit Ihnen ins Geschäft kommen und sie gegen etwas Größeres oder Besseres eintauschen, zum Beispiel einen Stift oder einen Löffel", schrieb er einst im Online-Portal "Craigslist". Er erhielt einen Kuli, den er gegen einen Türgriff, diesen gegen einen Campingkocher und irgendwann, viele Tauschgeschäfte später, gegen eine Nebenrolle in einem Film von US-Schauspieler Corbin Bernsen eintauschte. Diese wiederum tauschte er gegen ein frisch renoviertes, zweigeschossiges Einfamilienhaus ein, in dem er seitdem mit seiner Freundin wohnt.
    Ein deutscher Student aus Osnabrück tat es ihm gleich - er machte aus einer Autogrammkarte des Fußballers Ansgar Brinkmann ein Auto: Jetzt besitzt er einen schwarzen Opel Ascona Cabrio.

    Dass Tauschgeschäfte also möglich sind, zeigen diese beiden Beispiele. Die Projektteilnehmer des Gymnasiums sollten nun also ihr eigenes Glück versuchen. Und das gelang: Niemand kam mit der Orange wieder zurück.
    Stattdessen brachten die Schülerinnen und Schüler Blumensträuße, Schokolade, Ringe, Halsketten, Armbänder oder eine Kameratasche zurück.

    "Lecker" sagt die Blumenverkäuferin. Sie freut sich über die frische Orange und die Schülerin lächelt, als sie an ihrem eingetauschten Blumenstrauß riecht. "Schön, dass es so viele couragierte Mitmenschen gibt und dass beide etwas davon haben!"

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