Text: Klaus Holzer | Fotos: Mandy Bamberg
Kamen. Kamens Geschichte im Unterricht einer 4. Klasse der Diesterwegschule in Kamen ist nichts Ungewöhnliches. Das macht Frau Becker, die Klassenlehrerin selber. Doch daß sie sich einen richtigen Kamener Gästeführer ins Klassenzimmer holt, ist nicht alltäglich. Allerdings waren die Voraussetzungen dafür günstig: Eine Schülerin der 4a, Sarah, wußte, daß ihr Großonkel Klaus Holzer Gästeführer ist. Da war der Kontakt einfach. Und Frau Becker ist eine ehemalige Schülerin von Holzer. Damit war alles klar. Klaus Holzer kam gerne!
Um es kurz zu machen: Es war eine kurzweilige, erfolgreiche Stunde, die Kinder und Gästeführer miteinander verbrachten! Der Gästeführer staunte, wie viel die Kinder schon wußten, und die Kinder staunten, was der Gästeführer ihnen noch alles erzählen konnte. Er berichtete z.B. darüber, wie es überhaupt dazu kommt, daß eine Stadt entsteht und wie es dann weitergeht: an einer Sesekefurt siedelt sich eine Sippe an, befestigt den Übergang, es entsteht Reise– und Handelsverkehr, es folgen Handwerker, eine Burg wird gebaut, mehr Handwerker werden gebraucht, es kommen Leute, die den Schutz der Burg suchen. Und so wächst allmählich eine Stadt heran. Und die Kinder erfuhren viele Dinge über Burgmannen, Stadtmauer und Stadttore, natürlich auch über das älteste Bauwerk in unserer Stadt, den Turm der Pauluskirche (die einmal Severinskirche hieß), und warum der Turm schief ist.
Natürlich stellten die Kinder den Gästeführer durch vorbereitete Fragen auf die Probe. Tatsächlich konnte er eine Frage nicht beantworten: Wie viele Bauernhöfe gibt es in Kamen?Da heißt es für ihn wohl: Hausaufgaben machen! Zwischendurch spielten zwei Kinder eine kleine Szene, die eine wichtige Klausel der Kunibertusordnung illustrierte: während der Jahrmärkte durften Kamener nicht für ihre Schulden belangt werden.
Holzer hatte extra für diese Stunde einige Bilder mitgebracht, doch zeigte sich schnell, daß diese einen richtigen Stadtrundgang nicht ersetzen können. Und ein Photo vom schiefen Turm anzuschauen ist nicht annähernd so spannend, wie in seinen mehrere Meter dicken Mauern aufzusteigen bis auf den Boden des Turmhelms und unterwegs die drei riesigen Glocken zu bestaunen und einmal zu hören, wie es klingt, wenn der Gästeführer den schweren Klöppel schwingt und eine anschlägt.
So ein Stadtrundgang, so eine Turmbesteigung, kann auch mit dem Besuch des Hauses der Stadtgeschichte in der Bahnhofstraße kombiniert werden. Dort gibt es einen geführten Rundgang und auch eine Museumsrallye. Anmelden kann man sich im Museum bei Herrn Badermann, dem Leiter, wie auch bei Herrn Dupke und Frau Brägelmann, seinen Mitarbeitern, unter der Telephonnummer 02307 / 55 34 12.
Zum Schluß der Stunde mit der 4a gab's für jedes Kind einen Aufkleber „Hansestadt Kamen" und, Höhepunkt, einen Aufkleber „Kamener Stadtwappen". Ein schöner Vormittag. Zur Nachahmung empfohlen.





