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    Einigkeit und Recht und Freiheit

    von Julian Eckert.
    Am 3. Oktober 1989 – vor 25 Jahren – fand vor der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland eine friedliche Revolution statt. Mehrere Tausend DDR-Bürger hofften auf eine Ausreise in die Bundesrepublik…

    Es ist auf den Tag genau 25 Tage her, dass sich Tausende DDR-Bürger auf dem Gelände der Deutschen Botschaft in Prag versammelt hatten und auf eine Ausreisegenehmigung hofften.
    Die ČSSR war das einzige Land, in das DDR-Bürger ohne Genehmigung reisen durften.  Mit diesem Wissen und einem Hoffnungsschimmer machten sich hauptsächlich junge Familien, oft mit kleinen Kindern oder Säuglingen auf den Weg nach Prag. Die Deutsche Botschaft, die bereits mittags offiziell geschlossen wurde, platzte aus allen Nähten. Die Prager Polizei versuchte mit Absperrungen zu verhindern, dass weitere DDR-Bürger auf das Gelände gelangen konnten. Doch den Menschenmassen, die nach ihrer Freiheit griffen, konnte die Polizei nicht standhalten.

    Einige kletterten an Regenrohren, Laternenmasten oder mithilfe einer „Räuberleiter“ auf das Botschaftsgelände. Andere überquerten waghalsig mehrere Meter hohe Zäune, darunter viele Frauen – oft mit Babys im Arm. Auch der zur Versorgung gerufene Laster des Deutschen Roten Kreuzes wurde als Überquerungshilfe genutzt.
    Am Abend des 3. Oktober 1989 ließ die DDR-Führung verkünden, allen in der Deutschen Botschaft in Prag befindlichen Personen die Ausreise in die Bundesrepublik zu genehmigen. Gleichzeitig wurde für Reisen in die ČSSR ab sofort eine Genehmigungspflicht eingeführt.
    In der DDR-Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ hieß es hierzu als Begründung: "Auf Grund der Berichte, die der DDR zur Verfügung stehen, bereiten bestimmte Kreise in der BRD weitere Provokationen zum 40. Jahrestag der DDR vor, die gegen Ruhe und Ordnung gerichtet sind. Nach der Konsultation mit der ČSSR wurde die Vereinbarung getroffen, zeitweilig den pass- und visafreien Verkehr zwischen der DDR und der ČSSR für Bürger der DDR mit sofortiger Wirkung auszusetzen."
    Tausende Demonstranten gingen gegen dieses Verbot demonstrieren.
    Der damalige BRD-Außenminister Hans-Dietrich Genscher war am 3. Oktober 1989 nach Prag gereist, um der versammelten Menge mitzuteilen, „dass heute Ihre Ausreise…“ – das Ende dieses Satzes ging im Jubel der Menschen unter. „Möglich geworden ist“, so sei der Satz weitergegangen, erzählte Genscher in einem „tagesthemen“-Interview. Noch heute verspüre er Gänsehaut, wenn er an dieses Ereignis zurückdenke.
    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der zum 25. Jahrestag in die Prager Botschaft gereist war, sagte dort: „Man kann sich das in diesem geräumigen, geradezu prächtigen Palais, in dem wir heute stehen, kaum vorstellen: Jede Treppenstufe, jeder Winkel waren mit Hochbetten und Schlafsäcken belegt.“
    Doch die Menschen glaubten an ihre Freiheit, riskierten für sie Leib und Leben.
    Und so ging der 3. Oktober 1989 in die Geschichte ein.
    Doch die Revolution in der DDR ging weiter. Bei einigen Demonstrationen wurden über 1 Million Teilnehmer gezählt. Und der Zusammenhalt, das gemeinsame Ziel und der starke Wille der DDR-Bürger zeigte Wirkung: Genau ein Jahr nach der friedlichen  Revolution in der Prager Botschaft trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.
    „Diese Szene in der Prager Botschaft war ein Tag, wo sich die Völker Europas so einig und nah waren, wie noch nie in ihrer Geschichte“, sagt Genscher. Und ich würde mir wünschen, wenn ich manches heutzutage sehe, sie würden sich so nah bleiben.“

     

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