von Jürgen Dupke

von Jürgen Dupke
Kamen. Gästeführer Klaus Holzer hatte eingeladen … und viele kamen.
30 Besucher bei der Premiere der Stadtführung „Kamener Allerlei“. Das ist mehr als man erwarten durfte.
Warum immer streng nach Straßennamen, Bergbau, Jüdischem Leben oder Kunst im Stadtbild-Führung(en) trennen, wenn man doch vieles verbinden kann? Diese Frage stellte sich Klaus Holzer von der Kamener Gästeführer-Gilde und entwickelte daraus einen neuen Rundgang durch die Innenstadt, bei dem er an verschiedenen Orten und Plätzen „Allerlei“ wie z.B. Kunstwerke im öffentlichen Raum („der Bogenschütze“ in der Weißen Straße), die Historie einzelner Häuser (das älteste Wohnhaus in der Kämerstraße), aber auch die „Stolpersteine“, die vor verschiedenen Gebäuden verlegt sind (u.a. auf dem Alten Markt), erläuterte.
Eine Tour für Generalisten also, welche die enger gefassten Themenführungen ergänzt.
Neben einem Minimum an (Jahres-)Zahlen und statistischen Informationen, ohne die eine Stadtführung kaum möglich ist, kamen aber auch Anekdoten und humorvolle wie skurrile Begebenheiten seiner Bewohner, die eine Stadt erst lebendig und bunt machen, nicht zu kurz.
Selbst manch eingeborener Kamenser wird wohl nicht wissen, dass es zur Zeit der Straßenbahn (1910er - 1950er Jahre) den schönen Beruf des Ritzenschiebers, heute würde man wohl Streckenwärter
dazu sagen, gab. Apropos Straßenbahn: die Kamener Tram sprang regelmäßig in der engen Kurve Am Geist/Weststraße aus den Schienen. Die Fahrgäste mussten helfen, die Bahn wieder auf das Gleis zu heben. Manch findiger Gymnasiast der das wusste, sprang vorher ab und ging den Rest des Weges zur Penne lieber zu Fuß, als mitzuhelfen.
Oder wussten sie, dass ein Bäckermeister, der als Torwart bei einem Fußballspiel gegen die Zunft der Schornsteinfeger auf dem Schützenplatz (heute ungefähr der Bereich der Platane auf dem Willy-Brandt-Platz), sein Team durch eine sehr kreative Auslegung der Handspielregel zu einem verdienten 1:1 Unentschieden führte?
Ich fühlte mich bei der Reise in die Kamener Vergangenheit jedenfalls bestens informiert und – was genauso wichtig ist – auch gut unterhalten. Vielleicht sogar zu gut … die Führung dauerte fast vier Stunden!






