Gelsenkirchen. Rund 1.900 Straßenwärter, 700 präparierte Streu- und Räumfahrzeuge, 280 Messstellen allein an Autobahnen, die Glätte erfassen und melden, zwei Winterdienstzentralen, die ab sofort wieder rund um die Uhr besetzt sind, und 136.000 Tonnen Salz in den Lagern. Der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen ist gerüstet für die vierte Jahreszeit.
Eigentlich fehlt Ludwig Niebrügge, Experte für den Winterdienst im Straßen.NRW-Betriebssitz in Gelsenkirchen, nur eine Kleinigkeit: eine Glaskugel für die langfristige Wetterprognose. "Wie der Winter dieses Mal wird, das können auch wir leider nicht prognostizieren", weiß der Diplom-Ingenieur. Während "SWIS", das Straßenzustand- und Wetterinformationssystem, die kurzfristige Wetterentwicklung sehr konkret meldet, bleibt die Prognose, wie die Wintersaison ausfällt, ungenau. Schnee und Eis könnten weitestgehend ausbleiben, so wie in der vergangenen Saison. Da verbrauchte der Landesbetrieb gerade einmal rund 41.000 Tonnen Streusalz. Die Kosten für Personal, Fahrzeuge und Geräte, Unternehmereinsatz sowie Tausalz lagen bei circa 13,9 Millionen Euro. Der durchschnittliche langjährige Aufwand beträgt - bezogen auf aktuellen Preise - rund 25 Millionen Euro. "Im langjährigen Vergleich war der vergangene Winter tatsächlich schwach", bilanziert Niebrügge. Der kommende Winter könnte aber auch so werden wie in der Saison 2009/2010, da lag der Verbrauch bei mehr als 280.000 Tonnen. Bei der Bevorratung mit Taumitteln und Streusalz vertraut Straßen.NRW darum auf die Statistik: In den letzten 22 Jahren lag der Salzverbrauch im Schnitt bei 130.000 Tonnen pro Wintersaison.
Und so lagern bei den Meistereien des Landesbetriebes wieder rund 136.000 Tonnen Salz. Hinzu kommen 72.000 Tonnen Reserve für absolute Notfälle in drei Zentrallagern (Grevenbroich, Rheinberg, Saerbeck). Da der letzte Winter schwach war, stammt ein großer Teil des "weißen Goldes" noch aus dem Vorjahr. Damit es rieselfähig bleibt und nicht verklumpt, wird dem Streusalz ein so genanntes "Antibackmittel" zugegeben. So bleibt das Salz bei trockener Lagerung rund drei Jahre haltbar. "Ob milder oder harter Winter - wir sind so oder so gerüstet und im Falle eines Falles startklar", sagt Ludwig Niebrügge. Dieser Ernstfall, er könnte, auch das belegt die Statistik, bereits im November möglich sein. "Die Hauptwinterdienstmonate sind bei uns der Januar und der Februar, aber erste 'Warnschüsse' sind im elften Monat des Jahres mitunter durchaus möglich."
Winterdienstzentralen rund um die Uhr besetzt
Auf Hochtouren läuft die Vorbereitung auf die Winterdienstsaison in den 85 Straßen.NRW-Autobahn- und Straßenmeistereien. Aber auch in den Winterdienstzentralen der Straßen.NRW-Autobahnniederlassungen Hamm und Krefeld läuft die Arbeit an. Spätestens ab November sind sie Zentralen wieder rund um die Uhr besetzt. Hier laufen alle wichtigen Informationen zum Wetter zusammen, etwa die Daten zum Straßenzustand, die die Glättemeldeanlagen von ihren Messstellen übermitteln. Für die Autobahnen stehen mittlerweile rund 280 und für Bundesstraßen 60 entsprechende Messstellen zur Verfügung. Hinzu kommen die kurzfristigen Wetterprognosen und Wetterradardaten des Deutschen Wetterdienstes. Die Mitarbeiter in den Winterdienstzentralen werten all diese Informationen aus und stehen dabei im engen Kontakt mit den zuständigen Autobahnpolizeidienststellen. Und natürlich mit den Meistereien, die schließlich zum Einsatz ausrücken.
Präventives Flüssigstreuen ausgeweitet
Autobahnen sollen 24 Stunden täglich, wichtige Straßen für den überörtlichen Verkehr von 6 bis 22 Uhr befahrbar sein. So sieht es das bundesweit gültige "Anforderungsniveau Winterdienst" vor. Nach Möglichkeit sollen sich Glätte und Schnee auf der Fahrbahn gar nicht erst breit machen können - Prävention lautet das Stichwort. Hierfür hat sich in den letzten Jahren das Flüssigstreuen mit Salzsole auf den Autobahnen bewährt. "Wenn ich bereits anhand der Wetterlage erkennen kann, dass Schnee oder gefrierende Nässe drohen, dann kann ich auf die noch trockene Fahrbahn Sole sprühen", erklärt Ludwig Niebrügge. "Hierdurch wird Eisbildung verhindert oder der Schnee nicht auf der Straße zu einer Eisschicht festgefahren. Außerdem wird diese Sole - in Wasser aufgelöstes Tausalz - nicht so schnell weggeweht wie die angefeuchteten Salzkörner beim Feuchtsalzstreuen. Das spart letztendlich Salz." Straßen.NRW baut diese Technik sukzessive aus, 21 Fahrzeuge mit Flüssigstreuer sind bereits landesweit auf den Autobahnen im Einsatz. Allerdings ist diese Technik nicht bei allen Witterungslagen einsetzbar und ergänzt somit das bekannte Feuchtsalzstreuen.
Doch bei aller Präzision und technischer Innovation gilt auch in diesem Winter: Eine Garantie für geräumte und rutschsichere Fahrbahnen gibt es nicht. "Angesichts von 20.000 Kilometer Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen können wir unmöglich überall zugleich sein", betont Ludwig Niebrügge. Ein Recht auf eis- und schneefreie Straßen bestehe ohnehin nicht. Im Bundesfernstraßengesetz heißt es dazu: "Die Träger der Straßenbaulast sollen nach besten Kräften ... die Bundesfernstraßen bei Schnee und Eisglätte räumen und streuen." Im Winter müssen Verkehrsteilnehmer deshalb immer mit Reifglätte, Eisglätte, Glatteis oder Schneeglätte rechnen.
Fahrzeug und Fahrweise an die Wetterlage anpassen
Wer sicher ans Ziel kommen will, ohne sich und andere zu gefährden, muss Fahrzeug und Fahrstil der Wetterlage anpassen. Winterreifen haben bei Temperaturen unterhalb von sieben Grad Celsius und bei Eis und Schnee bessere Griffigkeitswerte als Sommerreifen. Wenn nach dem ersten Schneefall PKW und LKW mit Sommerreifen an den kleinsten Steigungen liegen bleiben, haben auch Streufahrzeuge keine Chance mehr durchzukommen. Streu- und Räumfahrzeuge sollen zudem im Einsatz nicht überholt werden. Wenn bei Schnee und Eis nichts mehr geht, sollten Autofahrer eine Gasse freihalten, damit Räumfahrzeuge ungehindert weiterfahren können.
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