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    Musikkritik: Geistliches Konzert zum 1. Advent – Schwung- und gefühlvolle Chorwerke läuten Weihnachtszeit ein

    von Dr. Götz Heinrich Loos

    Kamen.  Brechend voll war die Herz-Jesu-Kirche in Heeren-Werve am Sonntagabend (30.11.2014), was selbst die Verantwortlichen sichtlich, aber erfreut verblüffte. Auf dem Programm ein „Geistliches Konzert zum 1. Advent“, gestaltet vom Cäcilienchor Herz Jesu Kamen-Heeren-Werve und dem Kammerorchester der Städtischen Musikschule Kamen unter der Gesamtleitung von Berno Tillmann. Letzterer führte eingangs in das Programm ein und übte mit der Gemeinde, denn die Zuhörerschaft war gefordert mitzusingen, an bestimmten Stellen und durchaus anspruchsvoll bei einem vierstimmigen Kanon.

    Das Programm sah zunächst eine Suite für Streichorchester des italienischen barocken Komponisten Pietro Torri vor, der allerdings die meiste Dienstzeit in Bayern verbrachte und dort auch 1737 in München in der Stellung des bayrischen Hofkapellmeisters starb. Darauf folgten mehrere Magnificate, wobei sich die  Namen der Komponisten wie ein „Who is who“ der neueren Kirchenmusik lesen: Rudolf Thomas, Alan Wilson, Richard Shephard, Jacques Berthier und John Rutter. Höhepunkt dieses Hauptanteils des Konzertes waren drei Stücke aus John Rutters „Magnificat“ aus dem Jahre 1990 für Sopransolo, gemischten Chor und Kammerorchester. Den Sopranpart übernahm Bettina Alliata. Die Gemeinde war daraufhin aufgerufen „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ zu singen. Danach folgten Rutters „Nativity Carol“ sowie zwei weihnachtliche Choräle desselben Komponisten („Christmas Lullaby (Ave Maria)“ und „Star Carol“).

    Großartige Chorwerke waren hier ausgesucht worden – und großartig war der Vortrag des Cäcilienchors, unterstützt durch einen zugehörigen Projektchor. Berno Tillmann verlangte „seinen“ Chorsängerinnen und -sängern viel ab – man kann nur erahnen, wie intensiv und eindringlich die Einstudierung war. Das Ergebnis war aber grandios, prachtvoll und – abgesehen von vereinzelten Schieflagen in hohen Partien – annähernd professionell. Die Wirkung zu beschreiben, ist stets ein aussichtsloses Unterfangen, aber es war gefühlvoll – von jubelnd bis besinnlich, oft schwungvoll (wie sich das „Neue Geistliche Lied“ als Gattung so präsentiert) und lebhaft. Das Spiel mit den Kirchentonarten tat sein Übriges, die Gefühle der Menschen anzusprechen.

    Die erste Einbindung der Zuhörerschaft erfolgte mit Rudolf Thomas’ „Magnificat“ als Psalmengesang für Chor und Gemeinde im Wechsel. Dr. Stefan Nave an der Kirchenorgel begleitete die Parts der Gemeinde. Gelang so schon ein faszinierender Kirchengesang, der alte und neue Stilelemente verband, war Alan Wilsons „Magnificat“ (in deutscher Fassung von Matthias Degott) noch eine Spur schöner, ansprechender; in ähnlicher Weise danach Shephards „Song of Mary“. Dann die Herausforderung für die Gemeinde: Aus Berthiers „Taizé“-Gesängen der Magnificat-Kanon mit vier Stimmen – er gelang unwahrscheinlich gut! Abgesehen vom „Macht hoch die Tür...“ gehörte der Rest des Abends Kompositionen von John Rutter – einem Meister der postmodernen Kirchenmusik, die auch eine vielgestaltige orchestrale Instrumentation benutzt – mit Holz- und Blechbläsern sowie viel Schlagwerk. Diese Verbindung von Instrumentenspektrum und Chorgesang mag ein wenig Staub von den traditionellen Kirchenchorwerken nehmen und bringt mit entsprechender Dynamik und Rhythmik Schwungvolles, manchmal fast Jazzartiges in die Kirchenmusik. Von der Anlage her also schon sehr beeindruckend, gelang aber dem Chor und dem Kammerorchester eine perfekt abgestimmte Darbietung, voller professioneller Anstriche. Beim dritten Stück aus Rutters „Magnificat“ („Et misericordia“) sang Bettina Alliata den Solosopran – mit einer an sich sehr schönen, klaren Stimme, die allerdings darunter litt, dass sie nicht in Höhe des Dirigenten, sondern neben das Orchester platziert war und so der Gesang manchmal im Orchesterklang unterging. Die Begeisterung des Publikums erbrachte noch eine zugehörige Zugabe, mit weiterem Gesang von Bettina Alliata, neben Chor und Orchester.

    War der Chor demzufolge in bester Form und von annähernd professioneller Ausdrucks- und Strahlkraft, kann für das Kammerorchester der Musikschule eine ähnlich hohe Maßlatte getrost gesetzt werden, wenn alle Klangfarben erforderlich waren und entsprechend alle Instrumente zum Einsatz kamen. Es fällt jedoch schwer, über die Suite von Torri zu reden, als nur die Streicher zum Einsatz kamen. Wie nach dem Konzert gesagt wurde: die Leistung gerade der jüngsten Orchestermitglieder verlangt ein Lob für den Einsatz und die Tatsache, dass sich überhaupt jemand nach wie vor in jungen Jahren bereit ist, sich in klassische Musik einzufinden. Insofern: Absolut gut und bitte weitermachen, liebe Musikschüler und –innen! Trotzdem soll es nicht verschwiegen werden: Sie hätten sie sich ein weniger schwieriges Werk aussuchen sollen; die Synchronizität der Instrumente wie auch der Stimmen zeigte nicht wenige Defizite, wodurch mancher schiefe Klang erzeugt wurde – und zwar durchgehend durch alle sechs Sätze; eventuell hätte hier ein Dirigent einiges bewirken können, der fehlte nämlich dabei leider.

    An dieser Stelle soll jedoch ein gutes Ende stehen. Der positive Gesamteindruck, die faszinierende Leistung der Ausführenden, insbesondere des Cäcilienchors und sowieso die ergreifenden und schwungvoll-fröhlichen Werke einer neuen klassischen Kirchenmusik bescherten einen gelungenen Sonntag-Vorabend.

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