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    Johannes Buxtorf - Dieses Jahr erinnern wir uns an seinen 450. Geburtstag

    Johannes Buxtorf Quelle: Stadtarchiv Kamenvon Klaus Holzer

    Am ersten Weihnachtstag 1564 ging in Kamen ein Stern auf, der jahrhundertelang leuchten sollte. Dem ehemaligen katholischen Oberpfarrer von Kamen, Johannes Buxtorf, war, und seiner Frau Maria, geb. Volmar, wurde ein Sohn geboren, ebenfalls Johannes geheißen. Dieses Jahr erinnern wir uns an seinen 450. Geburtstag.

    In Kamen ist ein unscheinbares Sträßchen nach ihm benannt, in Südkamen das Buxtorfhaus, hier gehört immerhin der Vorname Johannes zum Namen. Aber wo in unserer Stadt gibt es einen Hinweis darauf, daß es sich bei diesem Mann um den Kamener handelt, der die tiefsten und längsten Spuren in der Geistesgeschichte Europas, ja der Welt, hinterlassen hat?

    Wer ist der Namensgeber?

    Er entstammt einer Kamener Familie, die seit 1453 in 5 Generationen als Pfarrer, Bürgermeister und Ratsmitglieder nachweisbar sind. Der Name schrieb sich auch Bockstorp oder Boxtrop, ein springender Ziegenbock zierte das Familienwappen. Er entstammt einer Familie, die schon 1453 in Kamen erwähnt wird und jahrzehntelang den Kamener Bürgermeister stellte. Sein Vater war, zusammen mit Hermann Hamelmann, Johannes Schomberg, Gerdt Oemecken und Johann Wegener, wesentlich für die Einführung der Reformation in Kamen verantwortlich war.
    Spring Bock Quelle: Stadtarchiv KamenAm ersten Weihnachtstag 1564 erblickte sein Sohn Johannes das Licht der Welt. Ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater, der ihn aber bald auf das reformierte Gymnasium nach Hamm schickte, wo Johannes die erste Einführung ins Hebräische bekam, einen wichtigen Impuls für sein weiteres Leben. Seine Schulzeit schloß er auf dem 1543 gegründeten Archi-Gymnasium in Dortmund ab (heute Stadtgymnasium).

    1582 ging er nach Marburg, um Theologie zu studieren. Schon 1584 jedoch tat er den entscheidenden Schritt nach Herborn im Hessischen: dort, an der Nassauischen Hohen Schule, fand er in dem berühmten Gelehrten Piscator den damals besten Kenner und Gelehrten des Hebräischen. Doch schon bald gab der Lehrer zu, daß sein Schüler diese Sprache besser beherrschte als er selber. Nach einem Umweg über Heidelberg kam Buxtorf schließlich 1588 nach Basel, wo er, obgleich noch ohne Magistergrad, vertretungsweise eine Professur der hebräischen Sprache angeboten bekam. 1590, nach seiner Promotion, wurde er im Alter von 26 Jahren ordentlicher Professor.

    Im September 1592 fuhr Buxtorf „mit günstigem Wind von Basel nach Köln und suchte dann zu Fuß seine Heimat auf“. Am ersten Dezember kehrte er „wohlbehalten“ nach Basel zurück, wo er am 18. Februar 1593 heiratete und in Basel „eingemeindet“ wurde. Und dann begann seine einzigartige wissenschaftliche Tätigkeit. So groß war bald sein Ruf, daß er mit allen Größen seiner Zeit korrespondierte, Rufe an die bekanntesten Universitäten Europas erhielt (die er allesamt ablehnte), ja, sogar von jüdischen Gelehrten in Fragen zum Hebräischen wie auch zum jüdischen Glauben um Rat gefragt wurde. Johannes Buxtorf aus Kamen in Westfalen war die oberste Autorität auf diesen Gebieten. Achtmal war er Dekan der Universität Basel, 1614/15 sogar Rektor.

    Das jedoch hätte kaum ausgereicht, 400 Jahre später in Kamen eine Straße nach ihm zu benennen, so unbedeutend sie auch ist. Was ihn so einzigartig macht, ist die Tatsache, daß er für das Hebräische Grammatiken und Wörterbücher geschrieben hat, die jahrhundertelang als Standardwerke galten. JBs große Arbeiten lassen sich in drei Klassen einteilen. Erstens: Werke zur Grammatik und Lexik des hebräischen und aramäischen Sprachgebrauchs. Zweitens: Werke zum Bibeltext und seine rabbinischen Ausleger. Drittens: Werke zu den religiösen Aspekten des rabbinischen Judentums. JB I war der erste, der eine Bibliographie der jüdisch–hebräisch–rabbinisch–talmudischen Literatur erstellte, eine bahnbrechende Arbeit, für die er zu großen Teilen auf seine eigene, überragende Bibliothek zurückgreifen konnte. Hier sind, neben vielen kleineren Schriften, vor allem zu nennen die Synagoga Judaica: das ist Juden-schul, 1603, seine einzige Veröffentlichung auf Deutsch; die Praeceptiones Grammaticae de Lingua Hebraica von 1605 (Grammatische Unterweisungen in der hebräischen Sprache), der Thesaurus Grammaticus Linguae Sanctae Hebraicae von 1609 (Umfassende Grammatik der heiligen hebräischen Sprache), eine chaldäisch-syrische Grammatik von 1615, und besonders das Lexicon Chaldaicum, Talmudicum et Rabbinicum, das er 1609 begann, das von seinem Sohn fortgeführt und posthum herausgegeben wurde.

    Johannes Buxtorf starb am 13. Sept. 1629 in Basel an der Pest. Noch vier Tage zuvor hatte er an seinem letzten Werk gearbeitet, der Konkordanz zum Alten Testament, einem Nachschlagewerk über alle im AT enthaltenen Wörter, Begriffe und Sachen, und zwar zum Stichwort „Adonay“ (im Alten Testamen Anrede Gottes). Er wurde im Kreuzgang des Basler Münsters begraben, wo ihm ein Epitaph mit der Inschrift „Johanni Buxtorfio, Cameni Westfalo, linguae sanctae in Basileo Athenaeo proffessori“ gewidmet wurde (Johannes Buxtorf aus Kamen in Westfalen gewidmet, dem Professor der heiligen Sprache an der Universität Basel).

    Foto A. Hindemann BaselUnd damit beginnt ein weiterer Teil der erstaunlichen Geschichte dieser Kamener Familie. O.e. Sohn, ebenfalls ein Johannes, führte nicht nur die Arbeit seines Vaters fort, sondern er wurde sein Nachfolger auf dessen Lehrstuhl an der Basler Universität; und sein Sohn Johannes Jacob tat es Vater und Großvater gleich; und noch dessen Neffe Johannes wurde 1704 Professor der hebräischen Sprache in Basel. Insgesamt haben die Buxtorfs 142 Jahre lang den Lehrstuhl für Hebraistik in Basel besetzt! Und noch im 20. Jh. stellten die Buxtorfs Professoren an der Universität Basel. Was für eine Familie!

    Foto: Klaus HolzerAls vor ein paar Jahren der Lions Club Kamen/Westfalen wieder einmal seine Büchersammlung durchführte, war unter den eingelieferten Büchern ein besonders dicker und alter Schinken. Ein Mitglied der Sichtungskommission war aufmerksam. Ihm fiel auf, daß dieses Buch nicht in seine Umgebung paßte, Dicke, Format, Aussehen, nichts stimmte. Er nahm‘s zur Hand, öffnete es – und staunte! Er hielt ein Exemplar des Lexicon Chaldaicum, Talmudicum et Rabbinicum von Johannes Buxtorf in Händen, 1640 in Basel bei Ludovicus König gedruckt! Der Lions Club übergab es dem Stadtarchiv Kamen, wo es heute bewundert werden kann. Ein Schatz, der mehr Beachtung verdient!

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