• Zeche Monopol
  • Kamener Kreuz
  • Kamener Kirchen
  • Kamen-Methler
  • Schloss Heeren

Letzte Nachrichten

    Werbung

    Musikkritik: Oratorienchor mit Bachs Weihnachtsoratorium in guter Tradition und Form

    von Dr. Götz Heinrich Loos

    Kamen.  Eigentlich gehören sie in die Zeit nach den Weihnachtsfesttagen: Die Kantaten IV bis VI aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Zu Bachs Zeiten war jeweils eine Kantate Teil des Gottesdienstes an dem zugehörigen Tag. Für die heutigen konzertanten Aufführungen werden allerdings meist je drei Kantaten an einem Konzertabend aufgeführt, wobei die logische Aufteilung darin liegt, entweder I bis III oder IV bis VI zu wählen. Nachdem der Oratorienchor der Stadt Kamen im Vorjahr I bis III gebracht hatte, standen also diesmal am 4. Advent in der Konzertaula die Kantaten IV bis VI auf dem Programm.
    Aber nicht der Oratorienchor allein war gefordert: Mitglieder der Konzertgesellschaft Schwerte verstärkten das Chorensemble, als Orchester fungierten Mitglieder der Philharmonischen Orchester Dortmund und Hagen sowie des WDR Sinfonieorchesters. Die Gesangssolisten waren Astrid Gerdsmann (Sopran), Melanie Lang (Alt), Thomas Iwe (Tenor) und Michael Dahmen (Bass). Die Gesamtleitung lag bei Franz-Leo Matzerath.

    Die Kantate IV beginnt mit dem Chor „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“, der sich zusammen mit dem Schlusschoral dieser Kantate instrumental durch Hörner vom Rest des Oratoriums absetzt. Bis auf wenige Schlingereien bewies der Chor hier bereits eine glänzende Leistung. Das erzählende Evangelist-Rezitativ, das darauf folgte, wurde von Thomas Iwe gesungen. Bei ihm fiel eine lyrisch-schmelzende, erstaunlich weiche Vortragsweise auf, die sich auch bei seinen folgenden Parts durchgehend bestätigte. Man kann nun darüber streiten, aber nach meiner Meinung wäre hier eher ein ausdrucksstärkerer, strahlenderer Tenor sinnvoll gewesen. Iwes Stimme passte am besten bei der Tenorarie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ – vielleicht hätte man zwei Tenöre einsetzen können, d.h. Evangelist- und sonstige Parts getrennt, wie es auch bisweilen praktiziert wird. Nichtsdestotrotz sang er mit einer angenehmen Verständlichkeit und Deutlichkeit.
    Aus der vierten Kantate sei noch die Arie „Flößt mein Heiland“ erwähnt, die in einem fortrudernden 6/8-Takt steht und mit einem Echo arbeitet (auf die Sopranpartie der Solistin antwortet „von Ferne“ eine Sopranistin des Chores und teils auch umgekehrt). Hier konnte Astrid Gerdsmann erstmals ihre Stimme zur vollen Geltung bringen und überzeugte gleichermaßen durch Dynamik und Ausdrucksfülle.

    „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ ist der Eingangschor der Kantate V, in der Herodes auf Jesus aufmerksam wird, aber noch nichts unternimmt; vielmehr endet sie mit Optimismus im Hinblick auf die „Herrschaft“ Jesu. Der genannte Chor erinnert mitunter an Händel in seiner Struktur und Dynamik, steht im 3/4-Takt und kann schneller oder langsamer interpretiert werden – Matzerath wählte eine mittlere Geschwindigkeit und kam damit dem Chorensemble sehr entgegen, das eine sehr gute Leistung zeigte. Altistin Melanie Lang fügte sich hier in ihren Parts ausgezeichnet ein bzw. ergänzte sich mit der Sopranistin Astrid Gerdsmann durch eine kräftige, transparente Stimme. Baritonsänger Michael Dahmen kam hier auch eine längere Arie zu („Erleucht auch meine finstre Sinnen“). Dabei erstaunte sein doch sehr hoher Bariton, während man sonst bei Aufführungen eher Bassstimmen oder zumindest tiefere Baritonisten vernimmt – ob hier sinnvoll oder eher unpassend, mag ich nicht sagen, es war eben ungewohnt.

    Mit glänzenden Trompetenklängen beginnt die Kantate VI, mit dem Chor „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ – im Allgemeinen durch das Chorensemble sehr gut vorgetragen, nur in einzelnen lang gezogenen Passagen etwas aus der Bahn gleitend und schief. Ein echtes Chor-„Highlight“ war aber der Vortrag von „Ich steh an deiner Krippen hier“ – rundum perfekt und kraftvoll. Jesus und die Menschheit tragen den Sieg davon, darauf spitzt sich die Kantate schließlich zu; sehr überzeugend im Quartett-Rezitativ „Was will der Höllen Schrecken nun“ vorgetragen, wobei hier der Unterschied zwischen Dahmens kräftig-abgesetztem Bariton und Iwes weichem Tenor besonders deutlich wurde; für die Arie „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken“ wäre zweifellos ein kantigerer Tenor besser gewesen. Äußerst freudig-kräftig endet das Weihnachtsoratorium als Ganzes mit dem Choral „Nun seid ihr wohl gerochen“ – mit sehr schönem Trompeten- und Paukenpart sowie gleichermaßen trotzig (gegen die Feinde Jesu) wie feierlich vorgebrachten Chorteilen. Fast durchgehend meisterte der Chor diesen (hier in mittlerem Tempo vorgebracht) Abschluss. Das Konzert endete nach verdienten Applausen mit dem Weihnachtslied „O du fröhliche, o du selige“, bei dem das Publikum nach Aufforderung kräftig mitsang.

    Aufführungen des Weihnachtsoratoriums gehören in Kamen zum Standard – mal in der Konzertaula, mal in den Kirchen – insofern durfte man keine Überraschungen erwarten, zumal die Dirigenten auch über Jahre oft die gleichen sind. Trotzdem ist es immer wieder angenehm und überrascht dann doch, wenn man einige neue Akzente vernimmt – so gelang im allerletzten Choral eine ungewöhnliche Balance zwischen Trompeten und Oboen, wie ich sie noch nicht gehört habe; bravo! Beim Continuo hätte ich mich mehr über eine Orgel als über ein Cembalo gefreut, da Bach bei den kirchlichen Kantaten fast oder grundsätzlich immer eine Orgel eingesetzt hat.
    Besonderen Applaus aber noch einmal für das Chorensemble, das wirklich vielfach professionell wirkte. Die Zusammenarbeit der Mitglieder dreier Orchester funktionierte auch scheinbar harmonisch und hörbar maximal professionell.

    Werbung

    Suche

    Werbung