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    Musikkritik: Passionsmusik mit hochklassigem Chor

    Schieferturm 12KWvon Dr. Götz Heinrich Loos

    Kamen.  Am Sonntag gab es eine Passionsmusik in der Pauluskirche mit dem Evangelischen Kammerchor Kamen unter Leitung von Kantorin Kirsten Schweimler-Kreienbrink, die auch einige Orgelwerke zu Gehör brachte.
    Das Programm begann mit der Motette zu fünf Stimmen „Herr, unser Herrscher“ von Dieter Schmeel, einem durchaus nicht einfachen Werk, das großes Verständnis für zeitgenössische Kirchenmusik voraussetzt. Der Chor konnte freilich mit der ersten Note bereits überzeugen.
    In der Folge erklangen zwei Choräle aus J. S. Bachs Johannespassion: „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ und „Christus, der uns selig macht“ – ganz anders und doch wieder in herausragender Chorleistung. Es gab generell fast kaum schiefe oder in der Höhe missratene Töne. Stattdessen hörte man einen gut aufgestellten Chor mit hinreichendem Ausgleich in den Stimmen, balancierter Modulation, angemessener Dynamik und einem warmen Klangbild – ein Eindruck, der sich mir gegenüber stärker denn je ergab.
    Pfarrer Hans-Martin Böcker las aus der Passionsgeschichte Jesu, dann spielte Kirsten Schweimler-Kreienbrink aus Mendelssohn-Bartholdys Orgelsonate Nr. 2 c-moll op. 65 „Grave“ und „Adagio“ sowie das „Andante“ aus seinem Präludium c-moll. Hierbei blieb besonders Letzteres auch nach dem Konzert im Gedächtnis – durch die ausgewogene Stimmwahl und virtuose Spielweise.
    Der Chor sang danach „Kyrie“ und „Agnus Die“ aus der Missa brevis op. 102 des erst vor wenigen Monaten verstorbenen norwegischen Komponisten Knut Nystedt. Er war in seinen Kompositionen mitunter sehr deutlich durch die Alte Kirchenmusik geprägt. Auch hier erwiesen sich Stimmführung und geschichtete Chorteilung durch alte Vorbilder angeregt, die Beeinflussung durch den Gregorianischen Gesang war hier ebenfalls in einigen Passagen augen- bzw. ohrfällig. Diese Werke wurden souverän und bei entsprechender Tempogestaltung in allem „rund“ vorgetragen.
    Nach einer weiteren Bibellesung wurden drei von Melchior Francks vierstimmigen Motetten zur Passionszeit aus den „Evangeliensprüchen für das Kirchenjahr 1623“ aufgeführt. Reizvoll ist die zeitliche und musiktheoretische Stellung Francks, an der Wende von Renaissance zu Barock. Und so hörte man die Renaissance aus dem Gesang noch deutlich heraus. Und die Interpretationsweise war nicht nur gelungen, sondern lag passgenau auf dem Werk.
    Kirsten Schweimler-Kreienbrink spielte dann aus Bachs „Orgelbüchlein“ zwei Choralbearbeitungen: „O Lamm Gottes unschuldig“ und „O Mensch bewein dein Sünde groß“. Hier spielte die Kantorin äußerst motiviert und engagiert – dabei transparent und rezipierbar.
    Nach dem Abendsegen sang der Evangelische Kammerchor noch das „Agnus Dei“ aus Johannes Brahms’ Missa canonica; nochmals engagierter und derart in Idealbesetzung, dass hier keine weitere Steigerung möglich erschien. Insgesamt bewies der Evangelische Kammerchor, dass er einen Professionalisierungsgrad erhalten hat, der sich durchaus mit anderen Chören höherer Qualitätsklassen locker messen lassen kann/soll.
    Alles in Allem: Eine gelungene Kirchenmusik wegen guter Leistungen des Chors aber auch der Organistin. Aber was heißt schon „gut“ – „ausgezeichnet“ trifft es besser. Der Evangelische Kammerchor entwickelt sich definitiv zu einem professionellem Sängerverband.

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