Frau stürzt mit Rollator: Buße für Autofahrerin

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Seit 35 Jahren hat Claudia B. (Name geändert) den Führerschein. Eintragungen in Flensburg: null. Dass die Heerenerin jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt war, lag an einer winzigen Unachtsamkeit, vielleicht war es auch vor allem Pech. Es ging um einen Vorfall am Nachmittag des 29. September 2020. Claudia B. setzte ihr Auto aus der schmalen Einfahrt ihres Grundstücks zurück, den Blick nach hinten, sagt sie. Plötzlich hörte sie eine Art Kratzgeräusch. Sie stieg aus und sah nach. Auf der Straße lagen eine alte Frau und ihr Rollator.

Die Frau hatte Knochenbrüche erlitten. Sie musste sich mehreren Operationen unterziehen. Zum Gerichtstermin konnte sie nicht kommen. Inzwischen wird sie palliativ versorgt.

Claudia B. hält für möglich, dass die Frau einfach so gestürzt sei - also ohne Kollision mit B.s Auto. Allerdings wurde laut Polizeiakten ein leichter Lackabrieb festgestellt. Claudia B. ist im Laufe der Jahre schon unzählige Male aus der Einfahrt gefahren. In der Nachbarschaft sind Kinder. Eine Hecke behindert die Sicht. Es geht also nur mit größter Vorsicht voran - beziehungsweise zurück.

Aus dem Prozess geht Claudia B. nun ohne Vorstrafe heraus: Sie muss eine Buße von 750 Euro an den Weißen Ring zahlen. Zusammen mit ihrem Mann - er bezieht Erwerbsunfähigkeitsrente - hat sie monatlich netto rund 2.000 Euro. Sobald die Buße überwiesen ist, wird das Verfahren gegen Claudia B. eingestellt.

Kupferklau auf Metro-Gelände: Prozess um 9 Tonnen Metall

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amtsgerichtKamen AMvon Andreas Milk

Kamen. Auf dem ehemaligen Metro-Gelände an der Henry-Everling-Straße sollte Ende Januar 2019 laut Staatsanwaltschaft ein lukratives, aber kriminelles Geschäft abgewickelt werden. Es ging um neun Tonnen Kupferschrott.

Drei Männer sind vor dem Kamener Amtsgericht angeklagt. Sie sollen die Kupferrohre für 8.500 Euro einem Mann überlassen haben. Es geht erstens um Diebstahl - denn das Kupfer gehörte den Bauarbeitern nicht -, zweitens um Betrug - denn der Käufer soll von der Unrechtmäßigkeit des Geschäfts nichts gewusst haben.

Nur zwei der drei Angeklagten kamen jetzt zum Prozesstermin; der dritte hatte sich eine Magen-Darm-Grippe eingehandelt. Einer der beiden ließ über seinen Verteidiger den Anklagevorwurf einräumen. Das heißt: Er gab die Tat zu - wollte aber nichts Näheres zu Ablauf und Hintergründen sagen. Er ist immer noch bei derselben Firma beschäftigt, was sehr für ihn spreche, sagte sein Anwalt: Der Chef wisse eben, was er an seinem Mitarbeiter habe - trotz der blöden Geschichte mit dem Kupfer. Der zweite Angeklagte erklärte, er habe den Kupferschrott zum Abholen in Container verladen, weil er einen entsprechenden Auftrag hatte - und zwar von einem Subunternehmer, der auf dem Gelände tätig war.

Um die Einzelheiten zu klären, braucht es einen neuen Termin: Neben dem dritten Angeklagten soll dann unter anderem der Kupferkäufer gehört werden. Ihm müsste der günstige Preis für das Metall eigentlich aufgefallen sein: Es stellt sich die Frage nach einer Mitwisserschaft. Der Betrugsvorwurf gegen die drei übrigen Männer vom Bau wäre dann hinfällig - es bliebe "nur" der Diebstahlsverdacht.
Voraussichtlich im Herbst wird der Fall wieder vor Gericht verhandelt.

"HalliGalli": Model stellt Kassendieb - Elf Monate Haft

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Das Modegeschäft "HalliGalli" an der Weststraße war für Said H. (Name geändert) die völlig falsche Adresse. Am 22. Juli 2020 scheiterte er mit dem Versuch, die Scheine aus der Kasse zu stehlen. Zu verdanken ist das einer jungen Frau, die ihre wohl modischen, aber kaum renntauglichen Schuhe zur Seite warf und H. hinterher lief. Wegen Diebstahls wurde der vielfach vorbestrafte Mann jetzt vom Kamener Amtsrichter zu elf Monaten Haft verurteilt.

Aufgewühlt und den Tränen nah hatte er von seiner Drogenabhängigkeit erzählt und beteuert, seine Tat tue ihm leid, er bereue sie sehr. "Sie tun mir auch leid", erklärte die Ladenbesitzerin.
Wohl ganz zufällig war der gebürtige Libanese - verwitwet, Staatsangehörigkeit unklar - am späten Nachmittag jenes Tages in Kamen aus dem Zug gestiegen und durch die Gegend gestreift. Die Verkäuferin im "HalliGalli" sei abgelenkt gewesen, erzählte er - da habe er zugegriffen: gut 400 Euro. Abgelenkt war die Frau deshalb, weil eine Kundin ein Kleid aus dem Fenster zu sehen wünschte. Dass diese Kundin nach dem Diebstahl prompt verschwunden war, legt den Verdacht nah, es könnte eine Komplizin von H. gewesen sein. H. allerdings sagt, er habe allein gehandelt.

Zeitgleich lief damals vor dem Laden ein kleines Foto-Shooting. Die Chefin machte Aufnahmen mit einem Model. Als die Verkäuferin heraus kam und vom Diebstahl erzählte, nahm das Model die Verfolgung Said H.s auf. Sie stellte ihn am Markt - er war schon in einen Bus gestiegen. Widerstandslos folgte er ihr zurück in die Weststraße. Da wartete schon die Polizei. Das Geld gab er zurück.

Derzeit verbüßt Said H. noch andere Haftstrafen - die elf Monate kommen obendrauf. Und ausgerechnet die mutige Verfolgerin soll eine Strafe zahlen - genauer: ein Ordnungsgeld. Denn sie war trotz Ladung nicht als Zeugin vor Gericht erschienen. Zeugenaussagen sind aber wichtig. 50 Euro muss sie überweisen - quasi ein Freundschaftspreis: Üblich ist das Doppelte bis Vierfache dieses Betrags.

Freundin geohrfeigt - macht 500 Euro für die Heilsarmee

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Zwei hatten Streit - freuen darf sich als unbeteiligte Dritte die Heilsarmee: An sie muss Justin M. (Name geändert) 500 Euro Buße überweisen. Der Grund: Er hatte seiner Freundin eine Ohrfeige gegeben.

Das geschah im November 2020 in der Wohnung der Frau in Bergkamen. Es war früh am Morgen. Justin M. war schuld, dass das Paar verschlafen hatte und der Sohn seiner Freundin es nicht mehr rechtzeitig in die Schule schaffen würde. Seine Freundin habe ihn "Hurensohn" genannt, erzählte er dem Kamener Amtsrichter - da sei ihm "die Hand ausgerutscht". Mit der verpasste er ihr den Schlag auf die Wange. Die Frau rief die Polizei. Auch ein Krankenwagen fuhr zu der Wohnung. Behandlungsbedarf sahen die Sanitäter allerdings nicht. Die Wange war stark gerötet. Eine schwerwiegende Verletzung ließ sich nicht feststellen.

Justin M. hatte ursprünglich einen Strafbefehl über 900 Euro bekommen. Das schien ihm zu viel - er legte Einspruch ein. Die Freundin ist jetzt seine Ex-Freundin, aber die beiden haben Frieden geschlossen. M. hat sich mehrfach entschuldigt. Der Richter machte aus der 900-Euro-Strafe die 500-Euro-Buße: Das Vorstrafenregister bleibt blank, und das Geld geht eben an eine gemeinnützige Organisation statt an die Justizkasse.

Die Justiz bekommt aber sehr wahrscheinlich 200 Euro von der jungen Frau: Ein Ordnungsgeld in dieser Höhe verhängte der Richter dafür, dass sie ihren Termin als Zeugin ignoriert hatte. Ersatzweise kann sie vier Tage in Haft gehen.

"F*** dich, F****": Geldstrafe nach Knatsch um Kaminbesteck

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Beim Telefonat mit einer Mitarbeiterin der "Flammenträume" im Kamen Karree hat sich Marcel H. (Namen geändert) der Beleidigung schuldig gemacht: Das stand für den Amtsrichter am Ende der Beweisaufnahme fest. H. hatte den Vorwurf bestritten. Es ging um den Satz: "F*** dich, F****" - Claudia K. hatte ihn am 3. November vorigen Jahres zu hören bekommen. Gleich nach dem Gespräch machte sie ein Gedächtnisprotokoll. Vor allem aber erstattete sie Anzeige.

Die Vorgeschichte: Marcel H. und seine künftige Frau hatten bei der Firma "Flammenträume" einen Kamin bestellt und auch geliefert bekommen. Was fehlte, war das Kaminbesteck - bezahlt, aber nach rund zwei Wochen immer noch nicht ausgehändigt. Denn es gab einen Engpass. Von dem sollen einige Kunden betroffen gewesen sein; unter anderem soll das mit dem Corona-Lockdown zu tun gehabt haben. Marcel H. jedenfalls griff zum Telefon und brachte seinen Ärger zum Ausdruck. Zum Schluss - das schilderte Claudia K. glaubhaft - sei die Beschimpfung gefallen. Unstrittig ist: H. hatte angekündigt, sich eh nicht zufrieden zu geben mit ihrer Auskunft, die Lieferung müsse jeden Tag kommen. Vielmehr wollte er den Firmenchef - Claudia K.s Vater - sprechen und einen Anwalt und/oder "die Presse" einschalten.

Die Sache mit der Presse amüsierte Claudia K. - sie ließ sich zu der Frage hinreißen, "welche Sau" die Story vom fehlenden Kaminbesteck denn interessieren solle? Gerade auch die Tatsache, dass sie ihre süffisante Frage in der Schilderung als Zeugin nicht verschwieg, ließ den Richter zu der Überzeugung kommen, auch die übrige Darstellung treffe zu. "Ganz normal" sei es im Einzelhandel, dass Frauen weniger respektiert werden als Männer, sagte die 39-Jährige. Nebenbei: Ihr Vater konnte dem zornigen Kunden später zum Kaminbesteck natürlich auch nichts anderes mitteilen als sie selbst.

Das Urteil: Marcel H. - nicht vorbestraft - muss eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 80 Euro zahlen, 1.200 Euro also, doppelt so viel, wie im ursprünglichen Strafbefehl stand. Der Strafbefehl war nach Aktenlage ergangen. Weil H. Einspruch erhob, war der Termin vor Gericht nötig geworden.
Das Geld fürs Kaminbesteck bekam er vor einiger Zeit zurückerstattet.

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