OP für den Hund war kostspielig: Halter wegen Betrugs verurteilt

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Sein Hund brauchte eine OP - aber sein Geld reichte nicht: Folge war eine Anklage wegen Betrugs gegen einen Mann aus Kamen.
Darius T. (Name geändert) sollte einer Tierärztin rund 800 Euro für die Operation seines Vierbeiners zahlen. Die Hälfte beglich er in bar. Über die andere Hälfte schrieb er der Frau eine Einzugsermächtigung aus: Sein Girokonto bei der Sparkasse sollte mit dem noch ausstehenden Betrag belastet werden.

Dieses Konto allerdings existierte zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr. Und nicht nur das: T. hatte einige Zeit vorher eine eidesstattliche Versicherung über seine Zahlungsunfähigkeit abgeben müssen. Er war schlicht "blank".

Schon einmal war er in der Vergangenheit wegen Betrugs verurteilt worden. Und auch ohne diese Erfahrung hätte ihm klar sein müssen, dass sein Verhalten bei der Tierärztin nicht in Ordnung war, erklärte der Richter. Der verurteilte T. zu einer Geldstrafe von 800 Euro. Den fehlenden Betrag aus der Tierarztrechnung muss er natürlich auch noch zahlen. Bei allem Verständnis für die Notlage des Mannes: Angebracht sei es, so der Richter, Geldknappheit in solch einer Situation offen anzusprechen - und zum Beispiel eine Ratenzahlung zu vereinbaren.

Kamera am Kamin: Heimliche Aufnahmen von der "Ex" - Geldstrafe

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Die Beziehung von Thomas K. und Nathalie P. (Namen geändert) war vorbei - die beiden lebten aber noch in derselben Wohnung im Kamener Süden. Als Nathalie P. einen anderen Mann kennenlernte, wurde K. eifersüchtig. Was er dann tat, war strafbar: "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" nennen es die Juristen. K. installierte eine versteckte Kamera hinterm Kamingitter im gemeinsam genutzten Wohnzimmer. Er fotografierte seine Verflossene, wenn die zum Beispiel auf der Couch saß. Die Aufnahmen schickte er einer Frau, die früher mit dem neuen Freund von Nathalie P. zusammen war - ergänzt durch das Nacktbild einer Unbekannten, das Thomas K. irgendwo im Internet heruntergeladen hatte. Diese Unbekannte ist nur von hinten zu sehen. Es sollte wohl der Eindruck entstehen, auch hier handele es sich um Nathalie P.

Die Sinnhaftigkeit des Ganzen erschließt sich einem nicht so recht. Und im Amtsgericht saß Thomas K. als Angeklagter zerknirscht, mit Tränen in den Augen, und erklärte, ja, er habe diesen Blödsinn gemacht, schäme sich dafür und stehe dafür ein. Bei Nathalie P. hat er sich längst entschuldigt, zwischen den beiden ist alles geklärt, und das schrieb sie auch an Thomas K.s Richter: Sie habe keinerlei Interesse, dass Thomas K. eine Strafe bekomme.

Das Problem: Unter anderem wegen einer Vielzahl von Vorstrafen wollte der Richter ihn nicht mit einer Verfahrenseinstellung davon kommen lassen. K.s letzte Bewährungsfrist aus einem Hafturteil war im November 2020 abgelaufen - wenige Wochen, bevor er sich den Klops mit der Kamera leistete. Eine Geldstrafe von 1.800 Euro muss er nun zahlen.

Pampigen Nachbarn mit Rohrzange abgewehrt: Freispruch

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Um es vorsichtig zu sagen: Der 28-jährige Marcel K. (Namen geändert) und der Mann in der Wohnung über ihm, Bert T. (50), verstehen sich nicht besonders gut. In der Nacht zum 3. Januar dieses Jahres wurde es richtig übel in dem Methleraner Mietshaus. K. verletzte den älteren, körperlich aber robusteren T. mit einer Rohrzange am Kopf. Dafür bekam er eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung - von der ihn das Amtsgericht jetzt frei sprach.

Marcel K. hatte dem Richter geschildert, dass es über Monate immer wieder Probleme gegeben habe. Und Polizeieinsätze. Wieder und wieder habe Bert T. laut und zu jeder Tages- und Nachtzeit Musik gehört, außerdem gedroht, ihn - K. - anzugreifen. Am 3. Januar habe T. obendrein an ein Heizungsrohr geschlagen. Es war kurz vor ein Uhr in der Nacht. "Da habe ich dann zu ihm rauf geschrien, was das soll." T. sei die Treppe runter gekommen, habe sich wortlos vor ihn gestellt und ihn plötzlich in seine Wohnung zurück geschubst. Marcel K., der sich vorsorglich die Rohrzange genommen hatte, schlug zu. Ein Arzt im Krankenhaus stellte später Schürfwunden und Blutungen bei Bert T. fest - aber nichts Gravierendes, das hätte genäht werden müssen.

Vor Gericht bestritt T., aggressiv geworden zu sein. Vielmehr habe er bloß ein frohes Neues Jahr gewünscht und von Marcel K. die Antwort erhalten, das könne er sich "in den Arsch schieben". Daraus sei ein Handgemenge entstanden; plötzlich habe er harte Schläge auf den Kopf bekommen.

T.s Auftreten vor Gericht ließ die Unschuldslamm-Version wenig glaubhaft erscheinen. In jener Nacht im Januar war er obendrein noch angetrunken: 1,2 Promille. Staatsanwältin und Richter kamen zu der Überzeugung, dass Marcel K. sich wohl in einer Notwehrsituation befunden habe.

Künftig solle er aber lieber versuchen, ohne Rohrzange Streit beizulegen, empfahl ihm der Richter. Das Erfreuliche an der Geschichte: An diesem Mittwoch zieht Marcel K. aus.

Sexuelle Belästigung in Arztpraxis: Urteil wegen falscher Aussage

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Vor knapp einem Jahr hatte das Kamener Amtsgericht festgestellt: Ein Arzt in Bergkamen hat weibliche Auszubildende in seiner Praxis sexuell belästigt. Es gab eine Haftstrafe von acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Jetzt ist eine junge Frau von einem anderen Richter für eine falsche Zeugenaussage in dem Prozess verurteilt worden. Sie war zu dem Zeitpunkt noch bei dem Arzt angestellt; vor Gericht machte sie eine Aussage, die ihren Chef entlastete. Dass diese Aussage nicht der Wahrheit entsprach, wurde damals rasch mit Hilfe eines Handyvideos nachgewiesen.

Reumütig äußerte sich die 24-jährige Nora H. (Name geändert) nun in ihrem eigenen Prozess. Sie bestätigte, auch ihr sei der Arzt "unters T-Shirt gegangen". Sie habe sich unwohl gefühlt - aber auch nicht widersprochen. Da hakte der Richter ein: "Nicht Sie haben Fehler gemacht. Sie sind das Opfer." Und anscheinend hat der Mediziner das Abhängigkeitsverhältnis mehr als ein Mal ausgenutzt. Als sein Gerichtstermin nahte, habe er sie immer wieder gefragt, "was ich denn da sagen will", erzählte Nora H. Ihr Anwalt kommentierte das so: Es gebe "subtile Formen, wie man jemandem mitteilt, was man von ihm hören möchte".

Üblich sind für bewusst falsche Aussagen vor Gericht Freiheitsstrafen. Denn ohne verlässliche Aussagen "können wir den Laden dicht machen", so der Richter im Verfahren gegen Nora H. Er sprach gegen sie allerdings nur eine Verwarnung unter Vorbehalt einer Geldstrafe aus - also eine "Geldstrafe auf Bewährung". Dass die Ex-Arzthelferin nur eine solch milde Strafe bekam, habe mit den Umständen zu tun - und der Tatsache, dass Nora H. sich besonnen habe. "Sie haben das gerade gerückt - das hat Format."

Das Ganze ist noch nicht ausgestanden. Vor dem Landgericht Dortmund hat der Bergkamener Arzt Berufung gegen die Haft auf Bewährung eingelegt. Vor dem Kamener Amtsgericht sagte er seinerzeit, seine Azubis hätten ihn mit Freizügigkeit provoziert. Der Richter glaubte ihm nicht; zwei Ex-Azubis des Arztes sprach er je 3.000 Euro als Wiedergutmachung zu. Das Landgericht wird zum Berufungsprozess wohl auch Nora H. wieder als Zeugin laden - gemeinsam mit den früheren Kolleginnen.

 

Stromdieb kam mit Knast-Gepäck: Vier Monate Haft

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. In doppelter Hinsicht ungewöhnlich war dieser Termin vor dem Kamener Strafrichter: Dem Angeklagten wurde ein eher seltenes Delikt vorgeworfen - und aus der Wohnung eines Freundes in Bergkamen, bei dem er derzeit lebt, hatte er gleich seine Grundausstattung fürs Gefängnis mitgebracht. Und tatsächlich verurteilte der Richter ihn zu vier Monaten hinter Gittern wegen "Entziehung elektrischer Energie" - sprich: Stromklau - in Tateinheit mit Hausfriedensbruch.

Wladimir M. (Name geändert) hatte um den Jahreswechsel herum mehrere Monate in der Wohnung seiner Mutter in Kamen-Methler verbracht. Das Problem: Wegen unbezahlter Rechnungen klemmten die GSW den Strom ab. M. half sich selbst - auf illegale Weise. Er zapfte im Keller erst die Leitung eines Nachbarn an, später machte er sich am Gemeinschaftsstrom zu schaffen. Der Nachbar erstattete Anzeige; die Wohnungsgesellschaft LEG verhängte gegen Wladimir M. ein Hausverbot, das er aber ignorierte.

Der Schaden durch den Stromdiebstahl dürfte nicht allzu groß gewesen sein. Das provisorische, durch eine Decke in die Wohnung von M.s Mutter geführte Kabel reichte für Kühlschrank und Fernseher, das war's. Ärgerlich für den Nachbarn war, dass M. ein Schloss zerlegt hatte, um sich am Stromanschluss des Mannes bedienen zu können.

M.s größtes Problem vor Gericht waren seine Vorstrafen. Als der Stromklau passierte, stand er unter Bewährung. Er hat auch schon mal "gesessen" - es ging um Diebstahl und um Betrug. Die vier Monate ohne Bewährung, die nun dazu kamen, muss er nicht auf der Stelle antreten. Das Knast-Gepäck ging also fürs erste wieder zurück nach Bergkamen. M. kann Berufung gegen das Urteil einlegen. Lässt er das, wird es rechtskräftig - und erst dann kommt nach einer Weile von der Staatsanwaltschaft die Aufforderung, die Strafe anzutreten. Entschieden werden muss auch noch, ob und wie sich die neue Strafe auf die frühere Bewährungsstrafe auswirkt.

Anzeigen

kamenlogo  stiftungslogo rot200

kamengutschein240

ko logo

technoparkkamen