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Kamen. "Ein Rosenkrieg mit Wörtern und Tätlichkeiten": So beschrieb der Verteidiger von Manuel T. (37, Name geändert) das, was sich zwischen seinem Mandanten und einer Frau über längere Zeit abgespielt hatte. Hintergrund: Streit ums Umgangsrecht für zwei gemeinsame Kinder. Eine Eskalation gab es an einem Abend im vergangenen Oktober, und zwar auf einem Kamener Spielplatz. Laut Anklage nannte T. die Frau "Schlampe" und "Hure" und zog sie an den Haaren. Er hatte schon vor der Begegnung gewusst, dass er sie dort treffen würde.
T. und die Frau haben sich anscheinend gegenseitig nichts geschenkt. Sie habe ihn als "Arschloch", "Penner" und "Säufer" tituliert, wusste T.s Anwalt weiter zu berichten. Obendrein habe sie ihm heftig in die Brust gekniffen. Überhaupt sei es ihr darum gegangen, seinem Mandanten eins auszuwischen.
Manuel T. - wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraft, mit Haft-Erfahrung - hat sich in der Vergangenheit schon von Alkohol und Drogen losgesagt. Er will nun auch die toxische Beziehung zur Mutter seiner Kinder abhaken. Zur Zeit Empfänger von Bürgergeld, bemühe er sich obendrein um einen Job. Dass der Zusammenstoß mit der Ex Gegenstand einer Gerichtsverhandlung wurde, lag daran, dass T. gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Die darin nach Aktenlage festgesetzte Geldstrafe war aus seiner Sicht nicht zu stemmen.
Jetzt wird es für ihn etwas billiger. Der Richter setzte die Strafe neu fest: 40 Tagessätze à 15 Euro wegen Körperverletzung und Beleidigung. Dazu gab es den Rat, sich künftig nicht mehr provozieren zu lassen. Das, so der Richter, sei natürlich "leicht gesagt".
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Kamen. Gut ein Jahr ist es her, da schlug Dragan K. (Namen geändert) seinem Bruder Bogdan unter der Hochstraße am Rathaus mit einem eisernen Baseballschläger gegen den Hinterkopf. Es sei ein Glück für Dragan K., dass daraus keine Mordanklage entstanden sei, fand der Richter. Bogdan K. überstand die Attacke schwer verletzt. Dragan K. wurde jetzt im Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt - ausgesetzt zur Bewährung. Er akzeptierte den Richterspruch.
Vorausgegangen war der Tat am 1. Februar 2025 eine sehr angespannte Autofahrt. Die Brüder stritten auf dem Weg durch die Stadt über Familienangelegenheiten. Bogdan K. wurde es nach eigenen Angaben zu viel: Er wollte raus aus dem Wagen. Dragan saß am Steuer. Am Rathaus verließ Bogdan K. schließlich das Auto. Dragan setzte ihm nach - und holte den Schläger aus dem Kofferraum.
Zeuginnen wurden zwei junge Frauen, die in der Nähe geparkt hatten. Und sie verhielten sich vorbildlich. Sie riefen die Polizei - und kümmerten sich um den verletzten Bogdan K., nachdem sein Bruder abgezogen war. "Hochachtung" zollte ihnen der Richter für ihren Einsatz. Eine der beiden ist Krankenschwester - Bogdan K. hatte wirklich Glück.
Strafrechtlich ist der Bruderzwist erst mal abgehakt: Sowohl Dragan K. als auch die Staatsanwältin werden keine Berufung einlegen. Damit ist in dem Fall rechtskräftig entschieden. Dragan K. hatte erklärt, den ersten Schlag habe damals aber gar nicht er, sondern Bogdan ausgeführt. Bogdan hat von dem Baseballschläger immer noch eine Beule im Nackenbereich. Es gibt noch zwei weitere Brüder in der Familie. Sie scheinen zerstritten zu sein.
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Kamen. Das hat Seltenheitswert: "Ich kann mich nur entschuldigen", sagt der Strafrichter zum Angeklagten. Marcus H. (Name geändert) hat gerade eben einen Freispruch bekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Ex-Häftling vorgeworfen, im Mai 2024 in einem Regionalzug von Dortmund nach Methler einen früheren Mitgefangenen - verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs - als "Kinderf*****" beschimpft, zum Faustschlag ausgeholt und dem Mann mit Mord gedroht zu haben. Zitat: "Nächstes Mal steche ich dich ab!" Bloß: H. war's gar nicht.
Beide Männer saßen mal zur selben Zeit in der JVA Schwerte ein. Und der im Zug beschimpfte deutete nach dem unschönen Zwischenfall bei der Polizei auf ein Foto von Marcus H., das die Beamten ihm - neben anderen Bildern - vorlegten: Das sei der Mann, der ihn in der Bahn angegriffen habe.
Schon zum Prozessauftakt äußerte sich Marcus H. verwundert. Der Wuppertaler erklärte, überhaupt zum ersten Mal in Kamen zu sein. Den anderen Ex-Häftling kenne er zwar aus Schwerte, habe aber nie mit ihm zu tun gehabt. Es käme ihm auch gar nicht in den Sinn, einen anderen verurteilten Straftäter zu attackieren. Immerhin habe er - Vater von vier Kindern - selbst acht Jahre im Knast verbracht. Und er habe immer gestanden, wenn es denn was zu gestehen gab. Das sei diesmal nicht der Fall.
Der attackierte Sexualstraftäter, als Zeuge geladen, erkannte Marcus H. im Gerichtssaal nicht als seinen Angreifer wieder. Es gebe eine Ähnlichkeit - das schon. Aber der tatsächliche Täter habe anders gesprochen.
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von Andreas Milk
Kamen. Sie war in Eile und auf dem Weg zu einer Freundin in Münster, weil die sich etwas antun wollte: In der A1-Baustelle bei Kamen richtete Tanja K. (45, Name geändert) aus Euskirchen am späten Abend des 17. April 2025 einen Schaden von rund 4.000 Euro an. Sie hatte die Verschwenkung der Fahrbahn in der Dunkelheit nicht früh genug gesehen. Ihr strafbares Vergehen: Sie fuhr erst mal weiter, benachrichtigte nicht die Polizei. Zurück blieb ein Nummernschild ihres Wagens. Dieser Wagen gehört dem Pflegedienst, für den Tanja K. arbeitete. Am nächsten Morgen beichtete sie den Vorfall auf der A1 ihrem Chef. Der wiederum bekam als Fahrzeughalter einen Anhörungsbogen von der Polizei zugesandt.
Der Bogen ging prompt zur Polizei zurück, mit wahrheitsgemäßen Angaben zur Unfallfahrerin. Es folgte ein Verfahren wegen Fahrerflucht. Ein Strafbefehl erging Anfang Oktober. Mitte November gab Tanja K. ihren Führerschein ab. Gegen den Strafbefehl legte sie Einspruch ein. Denn die Staatsanwaltschaft hatte bei der Strafzumessung ein viel zu hohes Einkommen angenommen.
Klar wurde jetzt in der Verhandlung im Kamener Amtsgericht: Vom rücksichtslosen Rowdy ist Tanja K. weit entfernt. Weder gibt es Vorstrafen noch relevante Einträge in Flensburg. Angst und Überforderung führten wohl zu der Kurzschlusshandlung nach dem Baustellenunfall: Nichts wie weg hier!
Der Strafbefehl wurde jetzt vom Richter gemildert. Tanja K., derzeit Arbeitslosengeld-Empfängerin, muss nun 700 Euro (20 Tagessätze à 35 Euro) Geldstrafe zahlen. Dazu kommen nochmal sechs Monate erzwungener Verzicht auf den Führerschein. An dem Schaden in der Baustelle musste sie sich mit 500 Euro beteiligen: So hoch war der Selbstbehalt der Versicherung. Der Chef hat angekündigt, sie könne wieder bei ihm anfangen, wenn sie die Fahrerlaubnis zurückbekommen hat.
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Kamen. Der Strafrichter als Paartherapeut: Das ist vielleicht keine so gute Idee. Dennoch haben Vorkommnisse zwischen dem Bergkamener Malik T. (Namen geändert) und seiner aktuellen Jetzt-doch-wieder-Freundin Maria F. schon mehrfach Stoff für hiesige Juristen geboten. Jetzt war es wieder so weit: Malik T. war im Kamener Amtsgericht wegen drei Fällen von Körperverletzung angeklagt.
Losgegangen war alles an einem Tag im vergangenen Juli mit einem Besuch der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Rünthe. Dort soll T. Maria F. - die zu dem Zeitpunkt seine "Ex" war - gekniffen und ihr dadurch ein Hämatom zugefügt haben; später, auf der gemeinsamen Autofahrt zu Maria F.s Wohnung, habe er ihr mit einem Handykabel auf den Oberschenkel geschlagen; noch später, in der Wohnung, habe er sie geschubst, ihr ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und gedroht, sie umzubringen.
Immerhin die Sache im Kaufland gab Malik T. ohne Umschweife zu. Allerdings: Er habe Maria F. nicht weh tun wollen - sondern "klar machen, dass es reicht". Schon vorher hatte es zwischen den beiden gekracht, und dieser Streit setzte sich in dem Supermarkt fort. Für T. war das besonders belastend, weil er früher dort gearbeitet hat. Kollegen hätten ihn also wiedererkennen können. Im Auto habe er Maria F. dann bloß beruhigen wollen, damit sie durch ihr aufgekratztes Verhalten keinen Unfall auslöst. In ihrer Wohnung schließlich sei sie ausgerutscht und mit dem Becken gegen eine Couch geprallt.
Und heute, sieben Monate danach? "Wir sind auf dem besten Weg, dass es wieder perfekt läuft", sagt Malik T. Auch Maria F., die ja gegen T. Anzeige erstattet hatte, meint: "Wir sind auf dem Weg der Besserung." Malik T. sei an und für sich ein toller, fürsorglicher Mensch - aber einer, "der blitzschnell zu 'nem Monster werden kann". Sie wolle ihn nicht bestraft sehen, sondern, dass er Hilfe kriege.
Auch Malik T. ist bewusst, dass was passieren muss. Er suche nach einem Therapeuten. Einen Termin zu bekommen, sei schwierig. Der Richter empfahl ihm, es beim Verein "Die Brücke" in Dortmund zu versuchen: Er hat Präventionsangebote für Männer mit Hang zur Gewalt. Strafrechtlich ist der Fall erledigt, sobald Malik T. als Buße 1.000 Euro an die Westfälischen Kinderdörfer gezahlt hat. Das Verfahren wird dann eingestellt. Sollte er das nicht hinkriegen, wird es brenzlig. Auch aus einem früheren Prozess ist noch eine Geldstrafe auf Bewährung in der Welt. Sie könnte zusätzlich drohen, falls T. die Zahlung der Buße vermasselt.








