Wildpinkler vs. Hausbesitzer: Wiedersehen vor Gericht

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Auf der einen Seite ein (Beinahe-) Wildpinkler mit Hund - auf der anderen Seite ein verärgerter Hausbesitzer mit Handykamera: eine heikle Situation, die sich am Nachmittag des 13. November 2020 am Rand des Kamener Marktes ergeben hatte. Beide Männer saßen sich jetzt im Amtsgericht gegenüber: der eine als Angeklagter, der andere als Zeuge. Angeklagt war Sebastian K. (Namen geändert), der Mann mit dem Hund. Der hatte Klaus M., den Mann mit dem Handy, gebissen. K. ist als Halter für das Tier verantwortlich.

Laut Klaus M. hatte Sebastian K. in der Vergangenheit wiederholt an sein Gartentor uriniert. Und da habe er nun also wieder einmal gestanden, mit offener Hose. Drum habe er - Klaus M. - ihm gesagt: Er werde ihn filmen, falls er denn pinkle. Sebastian K. habe die Hose hochgezogen, sei mit dem Hund an der Leine auf ihn zu gekommen und habe das Tier getreten. Folge: Der Hund schnappte zu - und zwar bei Klaus M.: Der hatte danach ein blutiges Knie. Obendrein habe K. ihn "Vollpfosten" genannt.

Sebastian K. gab eine andere Schilderung. Tatsächlich habe er "dringend pinkeln" müssen, und als er seine Notdurft verrichten wollte, sei Klaus M. mit seinem Handy gekommen und habe etwas von "neuem Stoff fürs Internet" gesagt. Bei der Polizei hatte K. seinerzeit auch gesagt, M. habe ihn geschlagen. M. wies das als Schutzbehauptung zurück - ebenso den Vorwurf, er habe Sebastian K. als "Sozialschmarotzer" bezeichnet.

K. hat jahrelang Heroin geraucht. Seit Januar sei er clean, sagt er. Wenn er "Scheiße gebaut" habe, stehe er dazu. So gab er denn auch einen ebenfalls angeklagten Diebstahl bei Kodi im Kamen Quadrat Ende Dezember freimütig zu. Aber er bestritt, sich als Hundehalter unkorrekt verhalten zu haben. Tatsächlich gibt es sogar eine Bescheinigung von der Stadt, ausgestellt in Zusammenhang mit einem früheren Vorfall: Bei ihrer Überprüfung hatte die zuständige Behörde festgestellt, Hund und Herrchen machten einen "sehr guten Eindruck". Ein Maulkorb erübrige sich.

Sebastian K. ist 14-fach vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung und Diebstahls - "einschlägig" also. Eigentlich wäre nun eine Haftstrafe fällig gewesen. K.s körperliche Behinderung sprach dagegen. Der Richter verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 10 Euro: wegen fahrlässiger Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl. Seit dem Vorfall im November gab es zwischen M. und ihm keinen Ärger mehr. Und in ein paar Wochen zieht Sebastian K. in eine Nachbarstadt.a

Trickdiebinnen bei Foto Sommer: "95 Prozent" nicht genug für Urteil

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Kriminelle Kundschaft im Fotostudio Sommer an der Weststraße am späten Nachmittag des 27. Mai 2020: Als die beiden Frauen das Ladenlokal verlassen hatten, fehlte die Geldbörse von Chefin Anna-Rosa Way mit rund 450 Euro. Eine der mutmaßlichen Täterinnen sah Way heute im Kamener Amtsgericht wieder: die 32-jährige Dana H. (Name geändert). "Zu 95 Prozent" sei H. eine der Diebinnen gewesen, sagte Way.

An jenem Tag im Frühling vorigen Jahres hatte eine der Täterinnen wohl den Job, Anna-Rosa Way abzulenken: Sie ging an ein Regal, griff sich den billigsten Bilderrahmen für 3,99 Euro und wollte den an der Kasse mit einem 200-Euro-Schein bezahlen. Way kam das merkwürdig vor; sie lehnte ab. Daraufhin nahm die Frau gleich einen ganzen Schwung Rahmen. Spätestens da war klar, dass etwas nicht stimmte. Es folgte ein Handgemenge. Die Frauen verließen schließlich den Laden. Eine gute Viertelstunde später bekam Way einen Anruf: Jemand hatte am Straßenrand ihre Brieftasche gefunden - mit ihrer Giro-Karte drin, aber ohne Geld. Bei diesen 450 Euro handelte es sich um Einnahmen vom Vortag: Way hatte das Geld wegen eines defekten Geldautomaten nicht wie üblich einzahlen können.

Eine Kripo-Beamtin legte ihr Fotos vor. Way zeigte auf das Bild von Dana H., die sie - wie auch jetzt im Gerichtssaal - unter anderem wegen ihres "traurigen Blicks" wiederzuerkennen glaubte. Aber eben nicht zu 100 Prozent - nur zu 95 Prozent.

Dana H. versicherte, sie sei es nicht gewesen. Der Richter entschied nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" - er sprach Dana H. frei.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft war in ihrem Plädoyer dagegen überzeugt gewesen von der Schuld Dana H.s. Sie beantragte zwei Monate Haft auf Bewährung - Dana H. hat acht Vorstrafen. Sollte die Staatsanwaltschaft nun Berufung gegen den Freispruch einlegen, würde im Landgericht Dortmund ein zweites Mal über die Sache verhandelt werden.

"Flucht" in den Westen - Anklage wegen Betrugs

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Die Bergkamenerin Lieselotte W. (Name geändert) ist Lehrerin, 55 Jahre alt, nicht vorbestraft - und saß jetzt im Kamener Amtsgericht wegen Betrugs. Von Januar bis Mai 2020 hatte sie 5.223 Euro Arbeitslosenunterstützung bekommen; daneben zahlte die Arbeitsagentur für sie rund 1.900 Euro an die Krankenkasse - alles, während Lieselotte W. schon längst wieder einen Job hatte. Dreist, könnte man meinen. Für die Sozialpädagogin war es nach eigener Aussage eher so etwas wie "Notwehr". Sie habe nicht in betrügerischer Absicht gehandelt.

Die Ausgangslage: Aus familiären Gründen war Lieselotte W. vor zwei Jahren nach Thüringen gezogen. Dort kam sie ganz und gar nicht zurecht. Rassistische Sprüche waren ihr zuwider - etwa, wenn ein Firmenchef sich damit hervortat, er habe "jetzt sogar mal 'nen N**** eingestellt". Klar, das gebe es im Westen auch - aber nicht in der Häufigkeit und mit der Selbstverständlichkeit wie im Osten. Konsequenz: Lieselotte W., tätig im Bereich der Ausbildungsbegleitung, leitete ihre Rückkehr ein. Zum 1. Januar 2020 bekam sie eine passende Stelle, konnte aber kaum schnell genug umziehen, und einige Wochen später wechselte sie die Anstellung ein weiteres Mal. Es gab wenig Hilfe und ein Problem mit der Fahrtkostenerstattung, sagt sie. Und die ganze Zeit floss weiter das Geld von der Arbeitsagentur, das sie eigentlich nicht mehr hätte beziehen dürfen. "Es ist doof gewesen, und es tut mir auch leid", erklärte Lieselotte W. jetzt im Gerichtssaal.

Längst hat sie angefangen, das Geld in Raten à 200 Euro pro Monat zurückzuzahlen. Um eine Verurteilung kam sie trotz des Geständnisses und der Wiedergutmachung nicht herum - dafür sei der entstandene Schaden denn doch "ziemlich knackig", fand der Richter. Er verurteilte W. zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro. Genauer: zu 50 Tagessätzen à 60 Euro - mit diesem Strafmaß landet das Urteil nicht im polizeilichen Führungszeugnis. Lieselotte W. nahm die Entscheidung an. Sollte die Staatsanwaltschaft das auch tun - sie hatte eine höhere Strafe beantragt -, wird das Urteil rechtskräftig.

Klau im Quadrat: Rentnerin am Rollator bestohlen - Geldstrafe

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Eine Rentnerin mit Rollator hatten sich zwei Frauen im Kamen Quadrat als Opfer ausgeguckt. Das war im vergangenen Sommer. Henriette P. (Name geändert) stand bei Rewe am Pfandautomaten, legte Flaschen ein - und wurde beklaut. Ein Video zeigt die beiden Täterinnen. Eine von ihnen platzierte sich so vor der Kamera, dass die andere verdeckt im Hintergrund "arbeiten" konnte. Es muss eine Weile gedauert haben, das Portemonnaie von Henriette P. unbemerkt aus deren Tasche zu fischen. Anscheinend waren die Täterinnen ebenso geduldig wie dreist. Eine von ihnen sollte sich jetzt im Kamener Amtsgericht verantworten. Sie kam aber nicht. Die für sie angeforderte Dolmetscherin konnte gleich wieder gehen.

Henriette P. aber hatte sich als Zeugin auf den Weg zum Gericht gemacht. Sie erzählte, seinerzeit sei ihr Portemonnaie mit rund 40, 50 Euro Inhalt gestohlen worden. Dieses Geld blieb verschwunden. Das Portemonnaie selbst müssen die Täterinnen wohl gleich weggeworfen haben. Henriette P. konnte es sich einige Zeit später bei Kik abholen. Dort war es wieder aufgetaucht. Und immerhin waren wichtige Papiere noch drin. Ärgerlich dabei war bloß, dass die Rentnerin längst schon deren Neuausstellung angeleiert hatte.

Die angeklagte Frau - wegen eines ähnlichen Delikts vorbestraft - wurde in Abwesenheit verurteilt: Sie bekommt einen Strafbefehl über 1200 Euro zugestellt. Ersatzweise könnte sie 60 Tage in einer JVA absitzen. Sollte sie Einspruch einlegen, gibt es einen neuen Gerichtstermin.

Junge Frau angespuckt: Sechs Monate Haft

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Am Nachmittag des 8. Mai 2020 hat Abdul M. (33, Namen geändert) in der Nähe des Kamener Kirchplatzes die 25-jährige Miriam K. angespuckt: Davon war der Strafrichter am Ende der Verhandlung überzeugt. Er verhängte gegen M. sechs Monate Haft. M. hatte schon mehrfach mit dem Gericht zu tun - auch wegen einer anderen Spuckattacke. Opfer war ein Nachbar. "Ich meine, dass von Ihnen weitere Straftaten drohen", erklärte der Richter jetzt.

An jenem Mainachmittag war Miriam K. zusammen mit ihrer Mutter zu Fuß in der Innenstadt unterwegs. Ein Wagen hielt auf die beiden Frauen zu. Abdul M. war Beifahrer. Laut Anklage nannte M. - geboren in Beirut, Staatsangehörigkeit unklar - Miriam K. eine "Scheißdeutsche" und "dreckige Hure". Die beiden kennen sich seit Jahren. Dass es immer wieder Zoff gibt, dafür haben sie völlig verschiedene Erklärungen. Abdul M. sagt, Miriam K. sei sauer auf ihn, weil er einen Bekannten gewarnt habe, eine Beziehung mit ihr einzugehen. Miriam K. sagt, früher habe Abdul M. sie mit Haschisch versorgt, zuletzt habe es aber Streit um 10 Euro gegeben, die sie ihm angeblich schuldete. Seither verfolge er sie mit seinem Hass. Ihre Angst vor ihm sei so groß, dass sie nach dem 8. Mai für drei Wochen regelrecht aus Kamen geflüchtet sei.

Gegen die Haftstrafe kann Abdul M. Berufung vor dem Landgericht einlegen. Dort bekam er schon einmal Bewährung: Es reichte den Dortmunder Richtern, dass er erklärte, an einem Anti-Aggressions-Training teilnehmen zu wollen. Das hat er später auch tatsächlich getan. Sein Vorstrafenregister umfasst Drogenhandel, Bedrohung, Beleidigung und Körperverletzung. Unter anderem wurde er schon wegen Misshandlung seiner Schwester verurteilt.

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