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Ende einer Ehe: "Alkohol macht ihn zum Monster"

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. "Ich war geistig nicht da." So beschrieb der Bergkamener Herbert T. (Name geändert) seinen Zustand an einem Abend im März dieses Jahres. Es war der Abend, an dem der 71-Jährige seine Frau angriff: Laut Akten der Staatsanwaltschaft packte er sie am Hals, biss in ihre Hand, als sie ihn abzuwehren versuchte. Klar ist, dass Herbert T. schwer betrunken war. Und dass es sich nicht um die erste Attacke im Suff gegen seine Frau handelte. Vor dem Kamener Amtsrichter war ihm wichtig darauf hinzuweisen, dass er mit ihr seit 52 Jahren verheiratet ist.

Kurioserweise war es Herbert T. selbst, der seinerzeit die Polizei anrief. Er hatte wohl die Wahnvorstellung, seine Frau wolle ihn töten. Die Beamten rückten an. Als sie eintrafen, war schon der Sohn des Paars am Tatort. Er wohnt nicht weit entfernt, in Overberge. Auch mit ihm hatte Herbert T. an dem Abend telefoniert. Der Sohn zog seinen alten Herrn von der Mutter herunter: "Sie hatte panische Angst." Er nahm die Mutter mit zu sich. Herbert T. blieb, wo er war - bei sich zuhause, zum Ausnüchtern.

"Alkohol macht ihn zum Monster", erklärte der Sohn dem Richter. Eine Aussage der Mutter als Zeugin erübrigte sich, die Schilderungen des Sohnes waren deutlich genug. Eine Strafe für den Ehemann und Vater wollten beide nicht: Er wisse ja im Rausch gar nicht, was er tue, und sei im Grunde ja kein schlechter Mensch. Die Frau will sich jetzt ein eigenes Leben aufbauen. Noch ist sie beim Sohn.

Der Richter stellte das Verfahren ein - vorläufig. Herbert T. bekam die Auflage, sich einem Gespräch im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs zu stellen. Er soll seine Tat und die Hintergründe aufarbeiten. Seine Frau kann daran mitwirken - sie muss es aber natürlich nicht. Sobald T. seine Pflicht getan hat, ist das Verfahren endgültig erledigt.

Regimegegner beleidigt Regimefreund: Geldstrafe für Youtube-Video von Andreas Milk

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Diese Woche gibt es wieder Schlagzeilen über Angriffe der früheren Sowjetrepublik Aserbaidschan in der Region Bergkarabach. Ein Stückchen "große" Politik beschäftigte jetzt auch das Kamener Amtsgericht. Grund ist der aus Aserbaidschan stammende, in Bergkamen lebende Exilpolitiker Yunis K. (Name geändert). Es gab eine Anklage gegen ihn wegen Verleumdung und Beleidigung. In einem Youtube-Video von gut einer Dreiviertelstunde Dauer hatte K. sich über einen Widersacher ausgelassen - einen regimefreundlichen Künstler, der wohl zur Elite in der Hauptstadt Baku beste Kontakte unterhält. Das Video enthält eine Reihe wüster Beschimpfungen gegen den Mann - der sei "ein Arschloch", pädophil obendrein, habe keine Skrupel, die eigene Mutter oder Tochter zu besteigen.

Der so Verunglimpfte erstattete Anzeige gegen Yunis K. und ließ sich jetzt auch als Nebenkläger im Kamener Prozess von einem Anwalt vertreten. Das Ziel: eine Verurteilung K.s, dazu Schmerzensgeld.
Der Anwalt von Yunis K. wiederum machte deutlich: Der Fall hat eine Dimension, die über die strafrechtliche Würdigung geschmackloser Beleidigungen hinaus geht. Letztlich gehe es dem Anzeigenerstatter in Aserbaidschan darum, dass die deutschen Behörden Yunis K. überstellen. Der sei ein Verfolgter des Regimes, erklärte der Anwalt, der K. auch schon in einem Verwaltungsgerichtsverfahren vertreten hatte. Eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen - wie von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt - wäre für K., seine Frau und seine kleine Tochter "eine aufenthaltsrechtliche Katastrophe".

Das Urteil fiel denn auch milder aus: Eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 20 Euro verhängte der Richter. Außerdem soll Yunis K. 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Ein gewisses Verständnis für K. ließ der Vorsitzende indirekt erkennen: Er fände es ärgerlich, sagte er, wenn nun K.s "Opfer" mit dem Urteil hausieren gehe. Denn auch dieser aserbaidschanische Regimefreund hatte mit öffentlichen Beschimpfungen an die Adresse K.s nicht gerade gegeizt - nur dass diese Beschimpfungen in Deutschland nicht justiziabel sind.

Angehender Erzieher kauft Marihuana vorm Gymnasium

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Erst die Staatsanwältin: "Ich finde das ein Unding!" Später - nach der Urteilsverkündung - der Vorsitzende Richter: "Das ist - auf Deutsch gesagt - wirklich Scheiße." Selten bekommt ein Angeklagter derart deutliche Worte zu hören wie Tom B. (Name geändert). Im Sommer vorigen Jahres hatte er auf dem Schulhof des Kamener Gymnasiums ein Gramm Marihuana erstanden. Das ist erst mal nicht allzu dramatisch.

Allerdings ist der junge Mann in einer Ausbildung zum Erzieher. Und: Er hatte bei dem Drogenkauf ein 14 oder 15 Jahre altes Mädchen aus einer Wohngruppe bei sich.
Vorbildfunktion geht anders - da waren sich die Juristen im Prozess vor dem Kamener Amtsgericht einig. Positiv: B. legte ein - knappes - Geständnis ab. "Es stimmt", erklärte er zu dem Vorwurf. Weiterer Pluspunkt: Sein Vorstrafenregister ist leer.

Allerdings wirkte Tom B. vor Gericht auch etwas phlegmatisch. Er gab zu, dass er seinen Kontakt zur Drogenberatung zwischenzeitlich ein wenig hat schludern lassen, weil er mit einer Verletzung und familiären Problemen habe kämpfen müssen. Dem Richter präsentierte er immerhin einen Beleg über ein Beratungsgespräch Anfang April. Kontakt zur Drogenszene meide er inzwischen konsequent, versicherte Tom B. im Gerichtssaal.

Das Urteil: eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Euro. B. hat eine Woche Zeit, über eine Berufung nachzudenken. Er sagte, er wolle das mit seinen Eltern bereden.

Kleinkinder im Marihuana-Dunst: Vater vor Gericht

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von Andreas Milk

amtsgericht19KWKamen. Einen speziell ausgebildeten Drogenspürhund brauchte die Polizei nicht mehr, als sie am 17. März die Wohnung des Bergkameners Lars F. (Name geändert) in der Nähe der Mergelkuhle filzte: Süßlicher Marihuanageruch waberte den Beamten entgegen. Dieser Geruch war es wohl auch, der besorgte Nachbarn dazu gebracht hatte, die Ordnungshüter anzurufen: F. hat kleine Kinder, das älteste fünf Jahre alt. Die Polizisten fanden exakt 28,9 Gramm Marihuanagemisch in der Schlafzimmerkommode, samt einer Feinwaage mit weiteren Anhaftungen der Droge.

Vor dem Kamener Amtsgericht gab es nicht viel zu beschönigen. "Schuldig im Sinne der Anklage", räumte F.s Verteidiger im Namen seines Mandanten den Betäubungsmittelbesitz ein. Alles sei für den Eigenbedarf gewesen. Aber: F. sei einsichtig, habe Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das heißt: Es gibt einen regelmäßigen Kontakt zur Drogenberatung. Sollte eine ambulante Therapie nicht reichen, ist als Plan B auch schon eine stationäre eingestielt.

Vorstrafen hat F. nicht. Fast hätte man über eine Verfahrenseinstellung nachdenken können - wenn, ja wenn da nicht die doch recht happige Menge von fast 30 Gramm gewesen wäre. Das Urteil war schließlich eine Verwarnung unter Strafvorbehalt - es ließe sich auch "Geldstrafe auf Bewährung" dazu sagen: 50 Tagessätze à 15 Euro muss der Bürgergeld-Empfänger Lars F. zahlen, falls er ein zweites Mal Mist baut. Außerdem muss er - auch ohne einen Rückfall - 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Und: Er muss mit dem Jugendamt klar kommen. Die Behörde ist zwangsläufig mit am Ball, um möglichen Schaden von F.s Kindern abzuwenden.

Zwei Monate Haft - für Cappuccino, Salami, Bauchspeck

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Gregor L. (36, Name geändert) soll zwei Monate ins Gefängnis - und zwar für den Diebstahl von Cappuccino, Salami und Bauchspeck im Wert von 21,44 Euro am Abend des 12. Mai bei Netto an der Weststraße. Dass das Kamener Amtsgericht nun diese Haftstrafe für eine Bagatelltat verhängte, liegt vor allem an L.s Vorgeschichte. Der aus Georgien stammende Familienvater hatte schon mehrfach mit der Justiz zu tun. Zum Zeitpunkt der Tat bei Netto waren gleich zwei Bewährungsstrafen aus früheren Verfahren offen.

Er sei in einer Notsituation gewesen, erklärte Gregor L. dem Richter: "Zu Hause gab es nichts zu essen." Gleichwohl wisse er, dass er etwas Falsches getan habe.
Gregor L. lebt seit vier Jahren in Deutschland. Und er hat nach Kenntnis der Behörden einiges durchgemacht - in seiner Heimat soll er Folter erlitten haben. Von Suizidgefahr war die Rede. Leise, fast schreckhaft wirkt L.s Auftreten. Sein Aufenthaltsstatus - und der seiner Frau und seiner beiden Kinder - ist nach Angaben seiner Bewährungshelferin unklar. Dringend nötig wäre ein Deutschkurs: Obwohl er eben bereits 2019 in Deutschland ankam, musste vor Gericht eine Dolmetscherin alles übersetzen.

"Es geht nicht vorwärts bei Ihnen", fasste der Richter nach der Urteilsverkündung zusammen. L. erklärte, er werde die Haftstrafe akzeptieren. Vielleicht überlegt er es sich aber noch anders. In einem Berufungsprozess könnte das Landgericht Dortmund entscheiden, ihn noch einmal ohne Haftverbüßung davonkommen zu lassen - diese Chance gäbe es womöglich, falls L. sich doch noch zu einem Deutschkurs oder einer ähnlich "handfesten" Integrationsmaßnahme aufrafft. Eine Arbeitserlaubnis hat er nicht. Schlimmstenfalls werden neben der zweimonatigen Haftstrafe auch noch die beiden früheren, zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafen vollstreckt.