Werbung
Letzte Nachrichten
- Details
- Redaktion
- Lokalnachrichten
- Lesezeit: 2 Minuten
von Andreas Milk
Kamen. "Es war ein Scheiß-Tag", erinnerte sich Enrico E. (34, Name geändert) in seinem Prozess vor dem Amtsgericht. Es war ein Tag, der ihm eine Anklage wegen Sachbeschädigung und Bedrohung einbrachte - begangen zu Lasten der Frau, mit der E. zusammen ist, mit der er ein Kind hat und die ihm seinen Ausraster längst verziehen hat.
Tatort war ein Mehrfamilienhaus am Rand der Kamener Innenstadt. E. beschädigte einen Rollladen am Fenster seiner Freundin durch gewaltsames Hochschieben. Er schrie, dass er die junge Frau "kaputtschlagen" werde.
Sie lege keinen Wert auf eine Bestrafung, erklärte sie jetzt als Zeugin im Gerichtssaal. Die Beziehung sei repariert, der Rollladen dito.
Eigentlich alles ganz erfreulich - abgesehen vom Vorstrafenregister Enrico E.s: 2010 war er wegen schweren Raubes zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, die er auch komplett verbüßte. Es folgten weniger schwere Delikte wie Erschleichen von Leistungen (Schwarzfahren) und Diebstahl. Für die Tat bei seiner Freundin wurde der Minijobber nun zu einer Geldstrafe von 900 Euro (90 Tagessätze à 10 Euro) verurteilt. Er akzeptierte den Richterspruch.
- Details
- Redaktion
- Lokalnachrichten
- Lesezeit: 3 Minuten
von Andreas Milk
Kamen. Kurz vor Weihnachten 2021, August-Bebel-Straße in Bergkamen, ein Polizeieinsatz wegen nächtlicher Ruhestörung. Und plötzlich, so schilderte es eine Beamtin vor dem Kamener Amtsrichter, war eine Pistole auf sie gerichtet: "Ich habe direkt in den Lauf geschaut."
Die Waffe gehörte dem 36-jährigen Kevin T. (Name geändert) - und es handelte sich um eine Softair-Pistole. Allerdings war das in dem Moment alles andere als klar. "1 zu 1" habe das Ding wie eine echte Schusswaffe ausgeschaut, sagte die Polizistin. Sie und ihr Kollege zogen ihre Dienstwaffen. Kevin T. reagierte, legte seine Waffe zur Seite - aber so, dass er noch darauf hätte zugreifen können. Die Beamten überwältigen ihn. T. wurde zur Wache gebracht. Auf der Fahrt soll er seine Bewacher als "Fotze", "Missgeburt", "Wichser" bezeichnet haben.
Was es sonst noch über den Fall zu sagen gibt: T. war bekifft und betrunken - etwas mehr als ein Promille Alkohol im Blut -, und in der Wohnung muss es ekelerregend gewesen sein. In der Küche lagerte Abfall in großer Menge; die Tür war luftdicht abgeklebt, damit kein Gestank in die übrigen Räume drang. Hunde liefen herum - das Ordnungsamt nahm sie in Obhut.
Es habe sich um eine WG gehandelt, sagte Kevin T. dem Richter. Seine Mitbewohner hätten alles verkommen lassen. Dass die Polizei vor der Tür stand, habe er nicht gewusst, und die Softair-Pistole habe er gerade zum Saubermachen in der Hand gehabt. Dagegen war sich die Beamtin sicher, "Hier ist die Polizei!" gerufen zu haben. Und die Pistole habe eben nicht locker in T.s Hand gelegen - sondern auf ihr Gesicht gezeigt.
Immerhin: T. gab im Gerichtssaal zu, Mist gebaut zu haben, und entschuldigte sich bei der Polizistin und ihrem Kollegen. In seinem Vorstrafenregister standen einige Delikte - das letzte von 2018. Für die Sache mit den Polizisten in Bergkamen kam er nun mit sechs Monaten Haft auf Bewährung davon: wegen Widerstands, Bedrohung, Beleidigung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er habe Glück gehabt, dass die Situation sich seinerzeit so schnell entspannt habe, sagte der Richter: Das sei etwas gewesen, "wo man gehörig Schiss kriegen konnte". Dass nichts Schlimmeres geschah, sei der "guten und souveränen" Reaktion der Polizeibeamten zu verdanken.
- Details
- Redaktion
- Lokalnachrichten
- Lesezeit: 2 Minuten
von Andreas Milk
Kamen. Auch Dinge, die praktisch keinen Wert mehr haben, darf niemand einem anderen einfach wegnehmen: Eine Tatsache, die Erkan H. (Name geändert) eine Anklage wegen Diebstahls einbrachte. Beleidigung und Bedrohung warf ihm die Staatsanwaltschaft im Amtsgericht obendrein auch noch vor. Tatort: eine Kamener Kfz-Werkstatt.
Dort waren immer mal wieder Reifen geklaut worden. Zum Beispiel am 5. Januar: zwei Altreifen, im Grunde wertlos. Der Werkstattinhaber installierte eine Videoüberwachung. Und einen Verdächtigen hatte er auch im Sinn: Erkan H. - die Männer kennen sich schon länger. Nach eigenen Angaben hatte H. mehrfach gegen Entgelt Reifen im Auftrag der Werkstatt entsorgt. Gestohlen, beteuerte H., habe er nie.
Als er dann am 27. Januar in der Werkstatt auftauchte und vom Chef mit dem Diebstahlsverdacht konfrontiert wurde, fielen Beleidigungen: "Hurensohn", zum Beispiel. Außerdem soll H. gedroht haben, den Kopf des Kfz-Mannes "unter dem Arm" zu tragen, was sich als Todesdrohung deuten lässt. "Hurensohn" sowie der Satz "Ich ficke dich!" sind per Videoanlage dokumentiert.
Diese Worte gesagt zu haben, bestritt H. vor Gericht ebenso wie den Reifenklau. Geglaubt hat der Richter ihm nicht. Erkan H.s Vorstrafenregister reicht viele Jahre zurück. Auch Beleidigung und Diebstahl waren schon dabei. Seine Strafe diesmal: Er muss 45 Tagessätze à 30 Euro zahlen. Es gebe keine Gerechtigkeit für ihn, klagte Erkan H., der wegen mehrfachen Dazwischenredens sich fast noch ein zusätzliches Ordnungsgeld oder einen Zellenaufenthalt eingehandelt hätte. Immerhin: Der Werkstattchef berichtete, inzwischen sei Ruhe - zwischen ihm und Erkan H. bestehe kein Kontakt mehr.
- Details
- Redaktion
- Lokalnachrichten
- Lesezeit: 1 Minuten
von Andreas Milk
Kamen. Ganz exakt hatte die Staatsanwaltschaft in der Anklage dargelegt, was sie der Bergkamenerin Martina T. (Name geändert) vorwarf: Am 23. Januar dieses Jahres um 9.51 Uhr habe sie den Notruf 110 gewählt, ohne dass eine Notlage vorgelegen hätte. Solch ein Missbrauch von Notrufen ist strafbar, unter anderem, damit die Polizei sich nicht mit gelangweilten Witzbolden rumschlagen muss, während jemand, der vielleicht gerade einen Einbrecher im Haus hat, das Besetztzeichen hört.
Schuldig im Sinne der Anklage, erklärte im Kamener Amtsgericht unumwunden Martina T.s Verteidiger für seine Mandantin. Objektiv betrachtet, treffe der Vorwurf wohl zu. Aber der Hintergrund lässt vermuten, dass sich Martina T. - subjektiv - wohl doch in einer Notlage wähnte. Sie sei, sagte ihr Anwalt, bei der Polizei in Ungnade gefallen, weil sie in ihrem Oberadener Wohnumfeld in der Vergangenheit mehrmals Anlässe zur Anzeigeerstattung gesehen habe. Sprich: Sie war eine Art unerwünschte Stammkundin. Und wenn sie über die normale Amtsleitung auf der Wache angerufen habe, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, dann habe sich ein Scherzkeks beim Anblick ihrer Nummer im Telefondisplay gern mal mit "McDonald's - Ihre Bestellung bitte!" gemeldet. So kam es denn am 23. Januar dazu, dass Martina T. aus Ärger und Frust die 110 wählte.
Martina T. muss nun eine Geldbuße von 150 Euro an die Landeskasse zahlen; dann wird das Verfahren gegen sie eingestellt. Wichtiger als eine Bestrafung sei es, den Notrufmissbrauch zu unterbinden, fand der Richter. Der Angeklagten empfahl er, sich an den Landrat als Leiter der Kreispolizeibehörde zu wenden, wenn sie Probleme mit den Beamten habe. Martina T. versprach, die 110 künftig nicht mehr für Nachfragen zu nutzen.
- Details
- Redaktion
- Lokalnachrichten
- Lesezeit: 3 Minuten
von Andreas Milk
Kamen. Im September vorigen Jahres sollten die Boxsportler des VfK Rünthe in der Sporthalle Overberge die NRW-Elite-Meisterschaften ausrichten. Nach dem ersten von drei geplanten Tagen war Schluss. Die Hintergründe beschäftigten heute das Amtsgericht in Kamen. In einem Strafprozess musste sich der Duisburger Arzt Ramazan M. (Name geändert) wegen einer angeblichen Todesdrohung gegen einen VfK-Vorstand verantworten. Nach der Vernehmung von elf Zeugen in gut zweieinhalb Stunden Verhandlung lautete das Urteil: Freispruch.
Es ging um Ereignisse im Laufe des 24. September 2021. Ramazan M. ist nicht nur Notfall- und Intensivmediziner, sondern auch als Trainer und Betreuer im Boxsport aktiv. Nach Bergkamen hatte er eigentlich bloß privat fahren wollen. Aber: Der VfK hatte für den Tag keinen Mediziner auftreiben können - es muss aber einer am Ring sein, so schreibt es das Regelwerk vor. Ramazan M. ließ sich überreden, den Job zu übernehmen - und rettete so die Veranstaltung; fürs erste jedenfalls. Nach dem letzten Kampf an jenem Freitag wollte M. dann gern die für seinen Spontaneinsatz vereinbarten 200 Euro haben.
Fest steht: Es kam darüber zum Streit. Laut Anklage drohte Ramazan M. dem VfK-Vorständler schließlich, er solle ihm das Geld geben, "sonst verlässt du die Halle nicht lebend". Unsinn, sagte M. im Prozess. Vielmehr habe er angekündigt, sich an den Landesverband zu wenden - und geäußert, dass der VfK-Mann mit den Ereignissen dieses Tages für ihn, M., "gestorben" sei.
Was nun exakt von wem zu wem gesagt wurde - es blieb letztlich offen. Glaubwürdige Zeugen stützten den Anklagevorwurf - ebenso glaubwürdige Zeugen bestätigten die Version des angeklagten Arztes. Einer sprach gar von einer "Fahne" des Organisators vom VfK. Offensichtlich war die Organisation der Meisterschaften gründlich misslungen; fortgesetzt wurden sie zwei Wochen später an anderem Ort unter anderer Regie. Ganz nebenbei waren in Overberge auch noch Wettkampfpässe von Teilnehmern "verschwunden". Sie blieben es bis heute. In diesen Pässen sind die sportlichen Erfolge der Inhaber im Detail nachzulesen - ihre Wettkampfhistorie.
Die Kosten für den aufwändigen Prozess trägt nach dem Freispruch die Landeskasse.





