von Andreas Milk
Kamen. Am Abend des 31. März gab es in der Kamener Innenstadt einen Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt. Aber diesmal war es kein Mann, der seine Frau schlug - sondern einer, der seine eigene Wohnung demolierte. Jetzt saß der freundlich wirkende Gerhard H. (Name geändert) auf der Anklagebank im Amtsgericht und sprach über den Tag, an dem er "komplett die Kontrolle verloren" habe.
Er hatte vor dem Zwischenfall ein Whisky-Tasting besucht und war angetrunken. Wieder zuhause, gab es einen Streit mit seiner Lebensgefährtin. Es wurde laut. H. schrie, zerschlug Gegenstände. Nachbarn wählten den Notruf. Vier Beamte rückten an. H. ging mit erhobenen Händen auf sie zu: "Ihr kommt hier nicht rein!", soll er gerufen haben. "Ich wusste, dass ich was falsch mache. Aber ich konnte mich nicht mehr bremsen." Statt der Polizisten oder seiner Freundin verletzte er sich nur selbst: Sturz auf den Couchtisch, Rippe gebrochen.
Hintergrund des Ganzen war eine Krankengeschichte, die mit der Psyche zu tun hat. Ein Burn-out und eine schwere Depression wurden inzwischen bei Gerhard H. diagnostiziert. Heute sagt er, die Whiskyverkostung sei wohl ein Auslöser für den Gewaltausbruch gewesen. H. ging für mehrere Wochen zur stationären Behandlung ins Landeskrankenhaus. Er ist immer noch krank geschrieben.
"Mir tut das alles wahnsinnig leid", sagte er im Gericht. Der Richter sah eine Ausnahmesituation: Mit dem "typischen Schläger" habe H. nichts zu tun. Vorstrafen gibt es nicht. H. muss jetzt 900 Euro Buße an den Verein Windkraft Nordkirchen e. V. zahlen. Hat er das getan, ist die Sache juristisch erledigt: Das Verfahren wird dann ohne Verurteilung eingestellt.






