Kamen. Das hat Seltenheitswert: "Ich kann mich nur entschuldigen", sagt der Strafrichter zum Angeklagten. Marcus H. (Name geändert) hat gerade eben einen Freispruch bekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Ex-Häftling vorgeworfen, im Mai 2024 in einem Regionalzug von Dortmund nach Methler einen früheren Mitgefangenen - verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs - als "Kinderf*****" beschimpft, zum Faustschlag ausgeholt und dem Mann mit Mord gedroht zu haben. Zitat: "Nächstes Mal steche ich dich ab!" Bloß: H. war's gar nicht.
Beide Männer saßen mal zur selben Zeit in der JVA Schwerte ein. Und der im Zug beschimpfte deutete nach dem unschönen Zwischenfall bei der Polizei auf ein Foto von Marcus H., das die Beamten ihm - neben anderen Bildern - vorlegten: Das sei der Mann, der ihn in der Bahn angegriffen habe.
Schon zum Prozessauftakt äußerte sich Marcus H. verwundert. Der Wuppertaler erklärte, überhaupt zum ersten Mal in Kamen zu sein. Den anderen Ex-Häftling kenne er zwar aus Schwerte, habe aber nie mit ihm zu tun gehabt. Es käme ihm auch gar nicht in den Sinn, einen anderen verurteilten Straftäter zu attackieren. Immerhin habe er - Vater von vier Kindern - selbst acht Jahre im Knast verbracht. Und er habe immer gestanden, wenn es denn was zu gestehen gab. Das sei diesmal nicht der Fall.
Der attackierte Sexualstraftäter, als Zeuge geladen, erkannte Marcus H. im Gerichtssaal nicht als seinen Angreifer wieder. Es gebe eine Ähnlichkeit - das schon. Aber der tatsächliche Täter habe anders gesprochen.






