Kamen. Eine Sekunde lang nicht genau genug hingeschaut: Das hat gereicht, einem Radfahrer aus Fröndenberg einen dreifachen Oberschenkelbruch zu bescheren - und einer Kamener Autofahrerin eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung. Verhandelt wurde im Amtsgericht.
Am 11. Dezember 2025 hatte Susanne H. (Namen geändert) aus der Einfahrt ihres Heerener Grundstücks zurücksetzen wollen. Mit seinem Rad fuhr in dem Moment Gerd M. die Straße entlang. Susanne H.s Auto rammte das Rad. Gerd M. lag schwer verletzt auf der Fahrbahn. Ein zufällig vorbeikommender Arzt leistete Erste Hilfe. Auch Susanne H. tat, was sie konnte: Sie rief die Polizei, den Rettungsdienst und M.s Frau an. Im Unnaer Klinikum wurde M. operiert. Fünf Tage blieb er zur stationären Behandlung. Im kommenden Dezember ist nochmal ein Termin: Dann werden Schrauben entfernt. M.s Glück: Sein Kopf blieb heil, dank Helm. "Ohne den säße ich hier heute nicht", sagte er im Gerichtssaal.
Susanne H. beteuerte: Der Unfall tue ihr "unendlich leid", sie selbst habe einen Schock erlitten. Sie habe Gerd M. schlicht nicht gesehen. Das habe wohl an der tief stehenden Sonne gelegen. Sie habe nicht mal Gas gegeben, sondern ihren Wagen, einen Automatik, mit gelöster Bremse langsam rückwärts rollen lassen - wie schon viele (unfallfreie) Male zuvor.
Vorstrafen gibt es nicht. Und auch im Flensburger "Sündenregister" steht bloß ein Eintrag wegen Handynutzung am Steuer. Richter und Staatsanwältin waren sich einig: Statt Susanne H. zu verurteilen, tut es auch eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Buße. 600 Euro muss H. nun an die Westfälischen Kinderdörfer überweisen, dann ist ihr Fall strafrechtlich abgehakt. Gerd M. hatte den Vorschlag, das Geld könne auch an ihn gehen, abgelehnt.
Übrigens: Er würde gern dem namentlich nicht bekannten Arzt Danke sagen, der ihm am 11. Dezember auf der Straße half.






