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    Motor läuft und läuft - Fahrer sitzt beim Friseur

    von Andreas Milk

    Kamen. Am Vormittag des 5. Februar stand in einer Parkbucht an der Kamener Nordstraße ein Mercedes mit laufendem Motor. Ein Fahrer oder Beifahrer war nicht zu sehen. Der Motor lief und lief - wohl wenigstens eine Viertelstunde, eher etwas länger. Bürger machten einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf die Sache aufmerksam. Er ging hin und schaute, was los war. Und an diesem Punkt kommt endlich Bewegung ins Geschehen: Der 60-jährige Sedat K. (Name geändert) tauchte auf, erklärte, er sei bloß kurz beim Friseur gewesen und habe den Motor laufen lassen müssen, weil der sonst nicht wieder angesprungen wäre: irgendwas mit der Batterie!
    So jedenfalls ergab es sich aus der Schilderung und Aufzeichnungen des Mannes vom Ordnungsamt, der jetzt als Zeuge vor dem Strafrichter aussagte. Angeklagt: Sedat K. - nicht wegen Umweltfrevels, sondern weil er keinen Führerschein hat. Irgendwer muss den Mercedes in die Parkbucht gelenkt haben. Umso überraschender, dass K. beteuerte: "Ich bin nicht gefahren!" Das sei vielmehr der Sohn seiner (Ex-)Lebensgefährtin gewesen, quasi sein Stiefsohn.

    K.s Problem: Ihm glaubte keiner. Der Ordnungsamtsmitarbeiter erinnerte sich obendrein sogar, dass K. den Wagen vor seinen Augen schließlich doch noch ein paar Meter vorwärts bewegt habe, in eine andere Parklücke. Dazu kommt: Im Gespräch auf der Straße habe K. kein einziges Wort von einer angeblichen Beteiligung seines Stiefsohns gesagt. Der junge Mann kam erst im Gerichtssaal zur Sprache.
    Auch eine Reihe von Vorstrafen - zehn an der Zahl - sprach nicht eben für Sedat K. Der wurde zu einer Geldstrafe verurteilt: 60 Tagessätze à 25 Euro soll er zahlen. Bis zuletzt hatte er von "Lügen" des Stadtmitarbeiters gesprochen. K. kann vor dem Landgericht Dortmund in Berufung gehen.

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