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    [Satire] Eiswarnung Stufe 3 – Schule abgesagt, Winter leider verhindert

    Ein Streuwagen im Einsatz bei strömendem Regen und Plusgraden – maximale Salzladung gegen eine Glätte, die an diesem Morgen offenbar verhindert war.Ein Streuwagen im Einsatz bei strömendem Regen und Plusgraden – maximale Salzladung gegen eine Glätte, die an diesem Morgen offenbar verhindert war. 

    Montagmorgen, 12. Januar 2026, halb acht. Der Wecker klingelt, der Blick aus dem Fenster folgt – und reibt sich verwundert die Augen: 2,5 Grad über Null, strömender Regen, kahle Straßen, nasser Asphalt. Keine Eisglätte, kein Frost, kein winterliches Drama. Alles getaut. Alles nass. Alles völlig unspektakulär.

    Die Schule?
    Abgesagt.

    Der Grund: Eiswarnung Stufe 3. Eine Warnung, die offenbar so ernst zu nehmen ist, dass sie selbst dann gilt, wenn das angekündigte Ereignis sich entschieden hat, einfach nicht zu erscheinen.

    Schon gestern war die Lage ähnlich, heute setzt sich die Serie fort. Laut Wetter-App nicht nachvollziehbar, laut Realität widerlegt, laut Prognose sogar zunehmend wärmer. Doch Vorsicht ist Vorsicht – und Vorsicht schlägt inzwischen jede Beobachtung.

    Seit Sonntag läuft die Warnmaschine auf Hochtouren: Jede Löschgruppe, das Land NRW, der Regierungsbezirk, die Stadtverwaltung und schließlich die Schulen selbst – alle senden Alarm. Über Apps, Elternmails, Webseiten, Messenger und soziale Netzwerke wird vor der drohenden Eisgefahr gewarnt. Die Botschaft ist überall dieselbe, unüberhörbar und alternativlos. Nur das Wetter selbst hält sich auffallend zurück.

    Der eigentliche Höhepunkt folgt dann im Straßenverkehr:
    Vor mir biegt ein Streuwagen ein. Und streut. Nicht zögerlich, nicht punktuell, sondern maximal. Salz in industriellen Mengen auf klatschnassem Asphalt, als müsste eine Eisfläche bekämpft werden, die sich nur besonders gut tarnt. Regen prasselt, das Salz löst sich auf, die Botschaft bleibt: Wir sind vorbereitet. Gegen alles. Immer.

    Zur Erinnerung ein Blick ins Archiv: Bereits im Vorfeld ordnete das Schulministerium NRW den Wechsel in den Distanzunterricht an. Grundlage war eine landesweite Vorab-Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes. Für den Montagmorgen werde gefrierender Regen erwartet, der „flächendeckend zu gefährlicher Glätte führen könne“. Schulministerin Dorothee Feller betonte, die Entscheidung sei frühzeitig und aus Gründen der Sicherheit getroffen worden. Betreuung sei in den Schulen gewährleistet – falls doch jemand den Mut aufbringt, bei Regen und Plusgraden das Haus zu verlassen.

    Sicherheit ist wichtig. Niemand bestreitet das. Doch langsam drängt sich der Eindruck auf, dass wir nicht mehr auf Wetter reagieren, sondern auf Szenarien. Auf das, was theoretisch passieren könnte, wenn alles ungünstig zusammenkommt – selbst dann, wenn nichts davon eintritt.

    Der Winter jedenfalls hat an diesem Montag offensichtlich frei genommen.
    Die Kinder auch.
    Der Streuwagen hingegen war pünktlich, motiviert und großzügig.

    Vielleicht ist das der neue Alltag im Januar 2026:
    Schulen schließen bei Regen,
    Straßen werden gesalzen bei Plusgraden,
    und Entscheidungen frieren nicht mehr an Eis, sondern an Prognosen fest.

    Der Winter war angekündigt.
    Gekommen ist er nicht.
    Aber abgesagt wurde trotzdem.

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