Der lange Weg nach Deutschland: Mein FSJ in Kolumbien

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MD 1Das Valle del Cocora in der Nähe von Salento, Kolumbien. Foto: Mathilda Dick / Lea Pagels

von Mathilda Dick

MD 5Mathilda Dick - Foto: Lea PagelsDie Reaktionen meiner Freunde und Familie waren zuerst gemischt, als ich verkündete, dass ich für ein Jahr nach Kolumbien gehen würde. In den Köpfen Vieler ist Kolumbien nur eine Mischung aus Kaffee und Drogen – beherrscht durch Guerillas und gezeichnet durch Korruption. Das Bild wird oftmals durch Serien wie Narcos (Netflix) gefestigt. Für mich repräsentiert das Land aber ein Fenster zu einer neuen Kultur, zu vielen neuen Bekanntschaften, und im Austausch auch die Möglichkeit, den Kolumbianern die deutsche Kultur näherzubringen. Deshalb bewarb ich mich auch für den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, welcher durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und durch Spenden finanziert wird. Nicht erst in meinem Bachelorstudium der Kommunikationswissenschaft und englischen Literatur und Sprache merkte ich, wie wichtig der Zugang zu guter Bildung ist. Nach meinem Abschluss wollte ich mein Wissen praktisch nutzen, und auch anderen diese Möglichkeit bieten.

Im August kam ich in meiner Wahlheimat Cali an. Die Menschen hier sind sehr herzlich und hilfsbereit. Die Lebensfreude der Kolumbianer merkt man dabei nicht nur beim Salsatanzen, sondern auch bereits beim geschäftigen Treiben auf dem Schulhof.

Ich arbeite nun bereits seit fünf Monaten als Lehrerin für Deutsch und Englisch in öffentlichen Schulen. Am Schulsystem der Stadt merkt man, dass das Geld ungleich aufgeteilt ist. In vielen Schulen fehlt es oft an Materialien, die ich in meiner Schulzeit in Unna als selbstverständlich angesehen habe: oftmals haben die Schüler keine Schulbücher sondern arbeiten mit Kopien; es gibt nur vereinzelt Computer oder Fernseher und in manchen Schulräumen sind auch große Löcher im Dach zu sehen. Als Europäerin bin ich hier Exotin, und werde jeden Tag hoch motiviert von meinen Schülern auf dem Schulhof empfangen und mit Fragen gelöchert. Der Austausch zeigt ihnen, dass die Welt noch weiter geht, als nur bis zu den Grenzen ihres Stadtviertels.Für meine Schüler ist es schwer zu glauben, dass ich in nur wenigen Stunden im Auto gleich mehrere Nachbarländer erreichen kann. Viele sind noch nicht mal über die Stadtgrenzen hinaus gekommen.

MD 2Meine 8. Klasse in der Schule Institución Educativa Julio Caicedo y Téllez, Santiago de Cali. Sie überraschten mich an meinem Geburtstag mit einer Torte. Foto: Mathilda Dick / Lea PagelsGenau das soll durch das Austauschprogramm von weltwärts geändert werden. Die entsandten Freiwilligen unterrichten oftmals Deutsch in ihren Projektländern – so wie auch ich. Die Deutschkurse sind dabei kostenlos und jeder kann mitmachen. Von den Deutschschülern erhalten dann einige die Chance, einen Freiwilligendienst in Deutschland zu absolvieren. Da viele der Bewerber sich eine Reise ins Ausland nicht leisten könnten, ist das weltwärts Programm eine großartige Möglichkeit für sie. Ein Großteil der Kosten wird vom BMZ übernommen. Kosten, die in Kolumbien anfallen, müssen jedoch durch Spenden gedeckt werden. Zu diesen Kosten zählt die Beschaffung der Reisepasse, der Visa, Anmeldekosten für Sprachtests und Reisekosten innerhalb des Landes. Unsere diesjährigen Kandidaten aus Cali heißen Ana María, Ángela, Isabel und Juan.Sie wollen im Sommer nach Deutschland ausreisen und wollen sich dort in sozialen Projekten engagieren. Oftmals kochen wir zusammen und verkaufen dann Desserts, um Spenden zu sammeln. Bald soll auch eine kleine Kirmes veranstaltet werden. Trotz aller Bemühungen reicht es hinten und vorne nicht. Aus diesem Grund bieten wir nun handgemachte kolumbianische Armbänder gegen eine Spende an. Von dem Spendenpreis (6€) werden die Armbänder beschafft und der Versandt bezahlt – der Rest geht direkt in den Spendentopf der vier jungen Kolumbianer. Auf unserer Webseite (https://incoming-colombia.jimdo.com/armbänder/) gibt es noch weitere Infos. Wer spenden möchte, ohne ein Armband zu erhalten, kann das auch sehr gerne tun. Der Austausch mit Deutschland eröffnet unseren Kandidaten in ihrem Heimatland auch arbeitstechnisch ganz neue Möglichkeiten – und in Deutschland können sie dazu beitragen, dass der zu Unrecht schlechte Ruf Kolumbiens hinterfragt und geändert wird.

Wer mehr über meine Arbeit oder mein Leben in Kolumbien erfahren möchte, kann gerne auf meinem Blog vorbeischauen: https://mathildaincolombia.wordpress.com

MD 3Die kolumbianischen Anwärter für das Freiwilligenprogramm 2018/2019: Juan Fernando Velásquez, Ana María Torres, Ángela Ortega, Isabel Muñoz (von links nach rechts). Foto: Mathilda Dick / Lea Pagels

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