Kinderschutzbund: steigende Zahl an Suizidgedanken als Folge der Pandemie

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Kommunalpolitik

rathaus21 2KWvon Alex Grün

Kamen. Die psychischen und körperlichen Folgen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche seien schwerwiegend, wie Henriette Schildberg und Hannah Westermann vom Unnaer Kinderschutzbund in ihrem Bericht im Jugendhilfeausschuss feststellten. Gleichzeitig konnte die Verwaltung mit der Ankündigung einer Reihe von Maßnahmen Hoffnung auf Besserung machen.

Die Diplompädagoginnen waren in die zweite Ausschusssitzung des Jahres eingeladen, um einen Erfahrungsbericht aus ihrer Betreuungsarbeit in den Jugendhilfeeinrichtungen abzugeben. Corona und die Maßnahmen hätten eindeutig Spuren hinterlassen - nicht nur in Form fehlender Fitness, sondern auch seelisch, so Westermann, die sich auf die Bereiche Cybermobbing und Gewalt in den Medien spezialisiert hat. Die verstärkte Mediennutzung als Ersatz für analoge Freizeitangebote habe zur Zunahme von sexueller Gewalt im Internet geführt. Die Täter hätten während der Krise vermehrt die Gelegenheit genutzt, um sich an Minderjährige heranzumachen, so die Diplompädagogin. Mehrfach sei auch in ihrem Einzugsbereich von Jugendlichen darüber berichtet worden. Das Problem sei dabei auch die mangelhafte Registrierung, die pädophilen Nutzern es allzu leicht mache, sich über die einschlägigen Plattformen unerkannt etwa Nacktfotos von betroffenen Kindern und Jugendlichen schicken zu lassen. Der Mangel an Begegnungen und Austausch mit anderen, aber auch an Bewegung sei alles andere als förderlich für die Entwicklung des Nachwuchses. Viele Kinder litten unter Konzentrationsschwäche und seien aggressiver als vor der Pandemie. Dabei sei ihnen der Grund für diese Veränderungen freilich nicht bewusst.

Die oft falsche Kompensation über die Flucht ins Internet und damit einhergehend in die aufgrund ihres Suchtpotentials gefürchtete Spielewelt sei oft die Folge. Der wiederum dadurch verursachte Bewegungsmangel, das höre man von Vertretern vieler Kitas und Schulen, finde seinen Niederschlag allzu oft in jeder Menge überschüssiger Kilos. Die Zahl an Kindern und Jugendlichen mit Angst, depressiven Symptomen oder gar Suizidgedanken sei, gerade in ohnehin schon belasteten Familien, kongruent mit der Dauer der Pandemie gestiegen. Auch fühlten sich viele Kinder und Jugendliche in Bezug auf ihr Empfinden der Pandemie als "nicht wahrgenommen". Alles in allem gelte es in nächster Zeit, eine Menge aufzuarbeiten, so die Pädagoginnen. Dabei bemühen sie sich, Hilfesuchenden innerhalb von höchstens vier Wochen einen Beratungstermin anbieten zu können, wenn eine telefonische Beratung nicht ausreicht. Froh ist man seitens des Kinderschutzbundes, auch mit anderen Beratungsstellen zusammenarbeiten zu können, um bei dem erhöhten Bedarf niemanden einfach wegschicken zu müssen.

Licht am Ende des Corona-Tunnels bieten immerhin die Aktion Sommerlernen für 30 besonders corona-geschädigte Kinder und ein umfangreiches Ferienprogramm der Stadt Kamen, auf das Fachbereichsleiter Johannes Gibbels im Ausschuss aufmerksam machte. Unter www.ferienfunkalender.de sind wieder rund 100 Aktionen, Ausflüge und Aktivitäten für die Sommerferien eingestellt. Von Ausflügen in den Moviepark, Klettertouren, Zoobesuchen und vielen Kreativaktionen über die beliebten Mystery-Touren bis hin zum Highlight, das Pop-up-Planetarium im Bürgerhaus Methler, ist alles dabei. Weiterhin gibt es Aktionen über den Kulturrucksack wie Feuerjonglage, das mobile Atelier und die KinderKunstWoche im Haus der Stadtgeschichte sowie eine Graffiti-Aktion in Zusammenarbeit mit der VKU. Selbstverständlich darf auch das beliebte Ferienspiel Mini-Kamen im FZ Mitte in den ersten drei Ferienwochen nicht fehlen, bei dem insgesamt 240 Teilnehmer mitmachen können. Alle Ferienaktionen sind corona-konform geplant und finden in Kleingruppen statt. Neben vielen Neuerungen im Programm ist auch das Ferienreisebüro umgezogen und befindet sich jetzt im Stadtpavillon auf dem Willy-Brandt-Platz, wo es von Montag, 21. Juni, bis zum Donnerstag, 22. Juli, jeweils montags bis donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet ist. Bürgermeisterin Kappen machte im Ausschuss außerdem auf die Aktion "Kamen bewegt dich!" aufmerksam, die ermöglicht, Vereinsgebühren für Einsteiger auszusetzen. Sie wurde in der letzten Woche vom Rat genehmigt und ist ein weiterer Bestandteil des Kampfes der Stadt Kamen gegen die Pandemiefolgen für den Nachwuchs. Noch ein weiterer Lichtblick für die coronagebeutelte Jugend könnte die Modernisierung der Skater-Anlage im Postpark sein. Drei Vertreter der Szene aus mehreren Skater-Generationen waren im Jugendhilfeausschuss angetreten, um ihrer Freude über die Entscheidung für den Ausbau auch im Namen der anderen Rollbrett-Fanatiker kundzutun. Gerne würden sie bei der Gestaltung der Anlage mitwirken, um dafür zu sorgen, dass daraus "kein Flickenteppich" werde, sondern eine "amtliche" Bahn. 30.000 Euro stehen für das Projekt zur Verfügung. Bürgermeisterin Elke Kappen freute sich über das Engagement. Die Örtlichkeit der Bestandsanlage sei bereits in punkto Lage und Größe geprüft und für geradezu optimal erklärt worden.

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