Kulturausschuss: Ersatz für "Heerener Mädchen" nicht durch Rekonstruktion, sondern Tafel

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Kommunalpolitik

von Alex Grün

Foto: Heinrich Kemmer, Kind mit Baum; 1982; Standort: Märkische Straße, Heeren; Material: Bronze, Beton, Baum; dieses Kunstwerk wurde im Jahr 2012 gestohlen.Foto: Heinrich Kemmer, Kind mit Baum; 1982; Standort: Märkische Straße, Heeren; Material: Bronze, Beton, Baum; dieses Kunstwerk wurde im Jahr 2012 gestohlen. Foto: Archiv Klaus HolzerKamen. In der Nacht zum 27. Juli 2012 wurde in Heeren ein skrupelloser Kunstfrevel begangen: die Bronzeskulptur "Kind mit Baum", auch als "Heerener Mädchen" bekannt, das drei Jahrzehnte lang ein Wahrzeichen des Stadtteils war, wurde von Metalldieben aus seiner Verankerung gerissen und gestohlen. Einen Ersatz zu finden, gestaltet sich schwierig. Gegen eine Rekonstruktion der Skulptur entschied sich am Donnerstag einstimmig der Kulturausschuss des Rates der Stadt Kamen - aus urheberrechtlichen, aber auch Baumschutz-Gründen.

Im Jahre 1982 übergab der Künstler Heinrich Kemmer aus Hamminkeln der Stadt Kamen das Auftragswerk, eine bronzene Mädchengestalt, die sichtlich beeindruckt in die Baumkrone eines Bergahorns blickt, der durch eine Betonplatte bricht. Dreißig Jahre lang durften sich die Heerener an dem Ensemble erfreuen, deren Aussage stets war: "Natur ist stärker als Beton". Dann wurde es geklaut und vermutlich eingeschmolzen. Noch nicht einmal die Gussform ist noch auffindbar, weshalb eine originalgetreue Nachbildung nicht möglich ist - und da hört's im Prinzip schon auf. Denn unabdingbar für die Erneuerung der fehlenden Figur ist die originalgetreue Ausgestaltung. Da weder Skizzen noch die Abgussform des Originals existieren, könne und werde es zu Abweichungen in der Modellierung kommen - "jeder Künstler hat seine eigene „Handschrift“, heißt es in der Begründung des Beschussvorschlags.

Deshalb sprach sich der Kulturausschuss schon im Jahr des Verschwindens gegen eine 8.500 Euro teure Rekonstruktion aus, nachdem Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Stoltefuß einen entsprechenden Vorschlag einbrachte. Außerdem war der Künstler selbst schon damals, zwei Jahre vor seinem Tod, nicht mehr in der Lage, dem Vorhaben zuzustimmen beziehungsweise es mitzugestalten. Allerdings hatte man auch andere Bedenken in Bezug auf das Erbe des Künstlers. Die räumliche Nähe eines sich am Original anlehnenden Kunstwerkes könne zu urheberrechtlichen Problemen führen. Hierzu wurde seitens der Verwaltung im Rahmen der Beratungstätigkeit eine Stellungnahme durch eine Kunsthistorikerin des LWL-Museumsamtes eingeholt. Im Mittelpunkt steht die Prüfung und Wahrung der Urheberrechte des Künstlers beziehungsweise derjenigen Personen, die bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers noch Folgerechte geltend machen können. Heinrich Kemmer war nach Recherchen der Verwaltung kinderlos, ein Bruder ist ebenfalls verstorben. Es gibt noch zwei Neffen, von denen angenommen werden kann, dass sie Inhaber der Folgerechte sind. Möglicherweise gebe es aber auch andere Personen, die Urheberrechtsverletzung geltend machen könnten. Eine solche könnte sogar durch die Aufstellung einer neuen Skulptur in einem Abstand von sechs bis zehn Metern entstehen, da dadurch die ursprüngliche Aussage des Werkes beeinträchtigt werde.

Als eine Figur aus Epoxidharz des Heerener Künstler Adam Wieczorek als Ersatz zur Debatte stand, wurde sie mit der Begründung abgelehnt, dass dies kein natürlicher Werkstoff sei und damit der Natur der ursprünglichen Aussage widerspreche. Der Abriss des Fundamentes sei aufwändig und gefährlich für den Ahornbaum, der der städtischen Baumschutzsatzung unterliegt, daher sollen die Reste, also die Schuhe des "Heerener Mädchens", dort stehen bleiben. Gleichzeitig würde er einen wesentlichen Eingriff in die erst kürzlich fertig gestellte Fläche darstellen, der auch unter finanziellen und Fördergesichtspunkten auszuschließen sei, heißt es in der Begründung. Fazit: die Überreste des beschädigten Kunstwerkes bleiben auf Dauer zur Erinnerung und Würdigung des Werkes und des Bildhauers erhalten. Da das Kunstwerk „Kind und Baum“ von Heinrich Kemmer inklusive der Mädchenfigur exklusiv für diesen Ort erstellt wurde, seien alternative Standorte im Stadtteil nicht geeignet. Die Instandsetzung einer Gedenk- und Hinweistafel soll veranlasst werden.

Linken-Sachkundiger Klaus Goehrke regte an, statt einer Tafel, die nicht soviel zur Identifizierung mit dem Stadtteil Heeren beitrage wie das Original, eventuell ein Lichtkunstwerk zu installieren, etwa ein Hologramm auf der Basis von Fotos des "Heerener Mädchens" - das wäre zumindest vor Diebstahl und Vandalismus so ziemlich sicher. Auch ein QR-Code an dieser Stelle mit Infos zum Künstler wurde ins Gespräch gebracht. Beigeordnete Ingelore Peppmeier versprach, die technische Umsetzbarkeit prüfen zu lassen.

Archiv: Diebstahl der Bronze-Skulptur „Kind mit Baum“

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