So soll die Anlage von der Borsigstraße aus aussehen, rechts liegt die denkmalgeschützte Tankstelle, die als zentraler Treffpunkt geplant ist. Vielleicht wird dort ein Gemeinschaftsbücherschrank eingerichtet. Grafik: UKBS
Kamen. (AG) Eine gute Nachricht hatte Erster Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke auf der zweiten Jahressitzung des Planungsausschusses des Rates der Stadt Kamen im Gepäck: Für die von der kreiseigenen Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft UKBS beantragte Quartiersförderung für den Umbau der alten Polizeikaserne am Bahnhof seien vom Landrat positive Signale gekommen.
Nachdem das Projekt im Zuge von Ukraine-Krieg, Inflationskrise und Fachkräftemangel über zwei Jahre hinweg ins Stocken geraten war, haben UKBS und Stadt den Faden wieder aufgenommen: Der Bauantrag wurde im Februar bei der Stadt eingereicht (wir berichteten), rechtzeitig für den Förderantrag, der laut Liedtke gute Aussichten auf Erfolg hat. Dies würde bedeuten, dass das mit insgesamt 26 Millionen Euro kalkulierte Projekt mit 18 Millionen Euro vom Land bezuschusst wird. Die Umbauplanung der ehemaligen Polizeikaserne in ein Wohnquartier sei mit Blick auf Struktur und Denkmalschutzbestand keine einfache Aufgabe gewesen, wie UKBS-Architekt Martin Kolander im Fachausschuss erklärte. Dennoch sei es den Planern gelungen, ein höchst gelungenes Wohnquartier aufs Zeichenbrett zu bringen. Mit dem Neubau losgehen soll es nach dem Abriss der alten Werkstätten und der Sanierung des denkmalgeschützten Baubestands im Herbst mit dem ersten von drei Bauabschnitten, der im nächsten Jahr in Angriff genommen wird. Dieser soll 2027 abgeschlossen sein, der dritte und letzte Bauabschnitt 2029. Im selben Jahr hofft man seitens der UKBS auf den Einzug der ersten Mieter. Architekt Kolander stellte auch die aktuelle Planungsphase vor. Im Groben sieht die Planung für die 1,3 Hektar umfassende Anlage südlich des Bahnhofs drei unterschiedliche Bereiche beziehungsweise Höfe vor, innerhalb derer insgesamt 90 neue Wohnungen, davon 83 öffentlich gefördert, auf insgesamt 5.900 Quadratmetern in den denkmalgeschützten Baubestand integriert werden sollen. Aufgrund des Denkmalschutzes bei Teilen der Anlage wird die Planung von den Denkmalschutzbehörden von Stadt und Landschaftsverband beaufsichtigt. Viel, sagt Kolander jetzt schon, könne nicht vom Altbestand erhalten werden, der Denkmalwert sei aber auch nicht besonders hoch. Die denkmalgeschützte Tankstelle an der Borsigstraße soll zu einer Elektrotankstation transformiert werden und gleichzeitig als Quartierstreffpunkt dienen. Vier Höfe sollen innerhalb des Komplexes entstehen, ein "grünes Zentrum", ein Quartiersplatz mit der historischen Tankstelle, ein Verbindungshof im Bereich der östlich davon gelegenen Neubausiedlung als Treffpunkt sowie ein Kinderspielplatz. Im Bereich des Neubaubestands sollen Möglichkeiten zum Wenden, Halten, Be- und Entladen und Parken geschaffen werden, geplant sind 135 Stellplätze für Fahrräder in Fahrradhäusern und 45 Parkplätze für Pkw. Die Wohnungen sind so unterschiedlich, wie die Mieter, die voraussichtlich dort einziehen werden. Die größten von ihnen, frei finanziert, liegen in den Dachgeschossen der Gebäude östlich vom ehemaligen Antrittsplatz mit bis zu 120 Quadratmetern Wohnfläche, die Maisonettewohnungen in den Erdgeschossen der Anlage messen 60 bis 80 Quadratmeter. Die Mietpreise bewegten sich bis auf die frei finanzierten Wohnungen im Bereich der öffentlich geförderten Quote, so Kolander. Diese liege aktuell bei 6,90 pro Quadratmeter.
Alle Bereiche sollen mit Aufzügen versehen und barrierefrei zugänglich gestaltet werden. Auch dem Denkmalschutz trägt man in Übereinstimmung mit der Oberen Denkmalschutzbehörde, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe Rechnung: Der Baumbestand soll trotz Altlastenentsorgung komplett erhalten bleiben, die Dachgauben auf dem Altbaubestand werden wie in alten Zeiten rot sein, und die charakteristische Turmuhr wird restauriert und wieder aufs Dach montiert. Fenster und Türen aus Holz runden das historische Erscheinungsbild ab. Moderner werden soll da schon die Wärmeversorgung, für die sich die Planer mehrere Optionen offenhalten. Voraussichtlich wird ein Wärmenetz gebaut, das die beiden Anlagen miteinander verbindet, ein endgültiges Konzept stehe noch nicht fest, so Kolander. Auf jeden Fall werde es Photovoltaikanlagen und Gründächer geben, um auch dem Klimaschutz genüge getan. Das wird auch im Bereich der Entwässerung und Regenrückhalt geplant, hierfür sollen drei oberirdische Retentionsmulden entstehen, die begrünt und in den öffentlichen Freiraum miteingebunden werden sollen. Aktuell sind im Denkmalbestand der ehemaligen Polizeikaserne, dessen Sanierung Ende des Jahres beginnen soll, Flüchtlinge untergebracht, sie sollen zeitnah auf andere Quartiere verteilt werden.







