Kreis Unna/Kamen. Die finanzielle Lage im Kreis Unna spitzt sich weiter zu. Nach den jetzt vorgestellten Eckdaten für den Haushalt 2027 rechnet der Kreis mit erheblichen Mehrbelastungen. Insgesamt sollen rund 402 Millionen Euro über die Kreisumlage von den Städten und Gemeinden aufgebracht werden – rund 43,8 Millionen Euro mehr als 2026. Damit kommen auch auf die Stadt Kamen zusätzliche finanzielle Belastungen zu.
„Die Kommunen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand“, beschreibt Kreiskämmerer Reckermann die Situation. Viele der Kostensteigerungen könne der Kreis selbst kaum beeinflussen.
Kreis rechnet mit 43,8 Millionen Euro Mehrkosten
Nach aktuellem Stand muss die Kreisverwaltung für 2027 Kostensteigerungen von rund 43,8 Millionen Euro berücksichtigen. Allein etwa acht Millionen Euro entfallen auf eine erneut höhere Umlage an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).
Auch im Bereich Arbeit und Soziales verschlechtert sich die Haushaltslage um rund 9,39 Millionen Euro. Ein wesentlicher Grund sind höhere Vergütungssätze bei der Hilfe zur Pflege. Hinzu kommen steigende Personal- und Vorsorgeaufwendungen infolge von Tariferhöhungen in Höhe von rund 12,9 Millionen Euro.
Landrat Mario Löhr fordert deshalb Einsparungen auf mehreren Ebenen. Die Kreisverwaltung prüfe jede Ausgabe und müsse auch beim Stellenplan und bei den eigenen Ausgaben sparen. Das Einsparpotenzial im Kreishaushalt sei allerdings begrenzt.
Löhr sieht deshalb auch andere staatliche Ebenen in der Pflicht. Landschaftsverband und Regionalverband müssten ihre Ausgaben kritisch überprüfen. Gleichzeitig seien Bund und Land gefordert, die Kommunen dauerhaft angemessen finanziell auszustatten. Es müsse verhindert werden, dass die kommunale Ebene auf eine finanzielle Handlungsunfähigkeit zusteuere.
Kreis will selbst weiter sparen
Nach Angaben von Reckermann sind zunächst Einsparungen von rund 3,2 Millionen Euro vorgesehen. Darüber hinaus sollen sämtliche Budgets erneut überprüft werden.
Zwar gibt es an einzelnen Stellen Verbesserungen. So sollen die Schlüsselzuweisungen an den Kreis um rund 1,1 Millionen Euro steigen. Die Entlastungen reichen nach Einschätzung des Kreises jedoch nicht aus, um die wachsenden Kosten aufzufangen.
Die Konsequenz: Die Kreisumlage muss steigen. Rund 402 Millionen Euro sollen 2027 von den kreisangehörigen Städten und Gemeinden aufgebracht werden. Gegenüber 2026 entspricht das einem Plus von rund 43,8 Millionen Euro.
Zusätzliche Umlagen für drei Kommunen
Neben der allgemeinen Kreisumlage gibt es differenzierte Kreisumlagen für Bönen, Fröndenberg/Ruhr und Holzwickede. Dort übernimmt der Kreis Aufgaben in den Bereichen Familie und Jugend sowie Bevölkerungsschutz.
Für Familie und Jugend ist eine Steigerung von rund einem Prozent vorgesehen. Neu ist eine Umlage für den Bevölkerungsschutz. Hintergrund ist die noch ungeklärte Diskussion über die Rettungsdienstgebühren. Bis zu einer Entscheidung muss der erwartete Fehlbetrag eingeplant werden. Für die drei betroffenen Kommunen ergibt sich eine Zahllast von insgesamt einer Million Euro.
Investitionen auch in Kamen geplant
Trotz der angespannten Haushaltslage will und muss der Kreis weiter investieren. Davon soll auch Kamen profitieren: Ausgaben sind unter anderem für Förderschulen in Lünen und Kamen vorgesehen.
Zu den größeren laufenden Projekten gehören außerdem die Sanierung und Erweiterung der Karl-Brauckmann-Schule in Holzwickede mit rund zehn Millionen Euro sowie Baumaßnahmen am Märkischen Berufskolleg in Unna mit etwa 3,7 Millionen Euro.
Investitionen sind zudem für den Ersatzneubau der Lippebrücke an der K2/Vinnumer Straße sowie für die K39 Westtangente vorgesehen.
Entscheidung über Haushalt im Dezember
Bis Mitte Oktober 2026 will der Kreiskämmerer die Haushaltssatzung aufstellen. Im November soll der Entwurf für den Haushalt 2027 in den Kreistag eingebracht werden. Die Verabschiedung ist für Dezember vorgesehen.






