Fußball-Talk im Minigolfpark mit Hansch und Schulze-Marmeling

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Kultur

minigolf fussball920AGSportkommentatoren-Legende Werner Hansch (l.) und Fußball-Sachbuchautor Dietrich Schulze-Marmeling (r.) hatten sichtlich Spaß an der Fußball-Talkrunde, die Minigolfpark-Hausherr und Fußballenthusiast Bernd Böhne (m.) moderierte. Foto: Alex Grün für KamenWeb.de

von Alex Grün

Kamen. Zwei illustre Gäste aus der Welt des Fußballs waren am Sonntagabend zu Gast in Bernd Böhnes Minigolfpark in der Dürerstraße: Kult-Fußballkommentator Werner Hansch und Sachbuchautor Dietrich Schulze-Marmeling gaben sich für einen Live-Talk auf Bahn 7 die Ehre.

Rund 40 Besucher lauschten unter freiem Himmel und bei frostigen abendlichen Temperaturen der launig-entspannten Runde, die von Hausherr Böhne moderiert wurde. Der kitzelte Werner Hansch gekonnt das ein oder andere Detail aus seiner Laufbahn als Sportjournalist heraus. Der später als "Fußballstimme des Ruhrgebiets" bekannt gewordene gebürtige Recklinghausener hatte in seiner journalistischen Anfangszeit mit Fußball rein gar nichts am Hut. Angefangen hatte er nämlich als Rennbahnsprecher auf der Gelsenkirchener Trabrennbahn, ein Job, mit dem sich der mittlerweile 82-Jährige während seines Studiums über Wasser hielt. "Fußball ging mir damals am Arsch vorbei", gesteht Hansch auf seine unnachahmlich-artikularische Art. Eigentlich wollte er nach dem Studium politischer Berichterstatter bei den öffentlich rechtlichen Sendern oder einer großen Tageszeitung werden.

Doch es kam ganz anders. Der erste Mann, dem er dies zu verdanken hatte, war Günter Siebert, der unter anderem ehemaliger Vereinspräsident des FC Schalke 04 war. Zu dem Job als Stadionsprecher auf Schalke kam Hansch wie die Jungfrau zum Kind: Die Tribüne der Trabrennbahn stand eines Tages in Flammen - und der damalige Schalke-Stadionsprecher war Mitglied der Gelsenkirchener Feuerwehr, was ihn sozusagen anderweitig "auf Trab" hielt. Kurzerhand kommandierte er Hansch als Vertretung ins Stadion ab, wo er nicht nur schweißgebadet sein erstes Spiel gegen den FC Bayern München kommentieren musste ("Beckenbauer, Hoeneß, Schwarzenbeck oder Müller kannte ich nur namentlich aus der Zeitung") und für seine rennbahntypische Begrüßung "sehr verehrte Damen und Herren" aus den Kehlen von 30.000 Zuschauern ohrenbetäubendes Gelächter erntete, sondern auch auf jenen Günter Siebert traf. Der bescheinigte ihm mehr Talent als dem verhinderten Sprecherkollegen und bot ihm obendrein den Job als neuer Stadionsprecher an - und das auch noch für Honorar! Als ihn Jahre später die Sportjournalistenlegende Kurt Brumme, der als Erfinder der Konferenzschaltung in die Fußball-Annalen einging, zum Rundfunk holte ("es gibt nichts Schöneres"), war der anfangs holprige Werdegang (das erste Spiel 1978 zwischen Preußen Münster und Bayer Leverkusen sei eine Katastrophe gewesen) zum Kultkommentator nicht mehr aufzuhalten.

Aber auch ernstere Themen im Bereich des runden Leders kamen aufs Tapet: Angesprochen auf die Auswirkungen der Coronakrise in Bezug auf den Fußball ist sich Experte Dietrich Schulze-Marmeling sicher: "Uns steht eine völlig zerrupfte Saison bevor". Vielleicht solle man dies aber auch als Chance auf eine Neustrukturierung sehen. Denn die "Geldmaschine Fußball" (Hansch) sei an einem Punkt angekommen, wo auch ohne eine Corona-Krise Grenzen sichtbar würden. Die tagesaktuelle 4:1-Niederlage der Bayern, die erst ein paar Tage zuvor in Ungarn mit dem Supercup den vierten Saisontitel geholt hatten, sei das beste Beispiel für eine gewisse Überforderung. Ob es gelingen kann, den Fußball trotz Krise, um es mit den Worten von Jürgen Klopp zu sagen, weiterhin zur "wichtigsten Sache unter allen unwichtigen Sachen der Welt" zu machen, wird die Zukunft zeigen. Oder wie es Rudi Assauer formulieren würde: "Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Kacke liegt"...

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