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Was bleibt vom Leben? Solo-Performance überzeugt in der Konzertaula

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Kultur

Aula0123 1 WOLDas Solo-Stück „Die Dinge meiner Eltern“ von und mit Gilla Cremer konnte das Publikum jetzt in der Kamener Konzertaula erleben. Foto: (wol) für KamenWeb.de

Kamen. (wol) Was bleibt von einem Leben? Vielleicht ein wenig Rares für Bares und ansonsten die Entscheidung zwischen Erinnern oder Entsorgen. In der Konzertaula führte Gilla Cremer beides vor in einer eindrucksvollen und vom Publikum gefeierten Solo-Performance mit den „Dingen meiner Eltern“.

Die Herausforderung einer Haushaltsauflösung nach dem Tod von Eltern ist für viele erlebte Realität. Gilla Cremer meisterte auf der Bühne so unterhaltsam wie anrührend den Parcours durch Kartons und Familiengeschichte. 51 gespülte Joghurtbecher und Dutzende gefaltete Plastiktüten stehen für die Absurdität einer Hinterlassenschaft, „247 Kleiderbügel davon 14 ohne Haken“ desgleichen. „Flotte Lotte“ und Sektquirle weisen zurück in den Alltag früherer Jahrzehnte. Liebesbriefe und Tagebücher zwingen sie sich zu entscheiden. Wie tief will man denn Eintauchen in das ganz persönliche und intime Leben der Eltern?

Ganz vermeiden lässt sich das nicht in dem Beispiel, das die Soloakteurin als Mitproduzentin ein Stück weit auch selbst gestaltet hat. Die Kuschelritze des elterlichen Doppelbettes, der „Urmutterduft“ des Morgenmantels und der Geruch des väterlichen Kopfkissens zwingen zur Auseinandersetzung mit eigenen Lebensstationen jenseits von 18596 elterlichen Dingen. Neben Lachern erzeugen die auch das Auftauchen von schönen wie traurigen Erinnerungen auch im Publikum. Und ein wenig Alltagsphilosophie tut sich auch auf beim Sortieren nach Behalten, Wegwerfen, Verschenken oder Verkaufen. Spielt da zu viel „Haben“ im persönlichen „Sein“ mit?

Gilla Cremer jongliert in perfekter Weise mit Komik und Nachdenklichkeit. Als Bühnenbild genügt ihr eine Mauer aus Kartons, die sie immer wieder zu neuen Landschaften umbaut. Als Dirigentin meistert sie das Chaos jahrzehntelangen Sammelns. Das Kamener Publikum applaudiert stehend Gilla Cremer aber auch dem Mut der städtischen Programmmacher, im Großen Abonnement dem Publikum auch mal nachdenklich Machendes zuzumuten.

Aula0123 3 WOLFoto: (wol) für KamenWeb.de

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