Robin Lindemann (vorne Mitte) brachte eine grandiose Musicalpremiere mit einem großen Team auf die Bühne.
Kamen. (wol) Nur heller, bunter Schein ist die Musicalwelt – so lässt „Showtime“-Macher Robin Lindemann seine Akteure singen. Die Premiere in der Kamener Konzertaula aber bot mehr Sein als Schein: Einen grandiosen Start legte das neue Ruhrgebietsmusical hin mit tollen Stimmen, großartiger Livemusik, einer wunderbar erdachten Geschichte und einer nicht nur technisch eindrucksvollen Umsetzung.
Jack, ein Showstar als Opfer seines Berufs mit Angststörung und Melancholie.Welturaufführung klingt natürlich nach ziemlich aufgeblähtem Titel. Aber zum einen stimmte der und außerdem wurde die Showtime-Premiere ihm auch gerecht. Einen über Jahre entwickelten Traum brachte der Kamener Robin Lindemann mit einem starken Team und erheblichem finanziellen Risiko auf die Bühne. Und die Kamener Konzertaula, nach Jahren der ganz großen Namen und der großen Musikproduktionen schon mal als Provinzspielstätte mit Schulanschluss dahingedämmert, wurde mit technischer Aufrüstung gekonnt wachgeküsst.
Mutig durchaus auch die Geschichte von Showtime. Die Warnung des Produzenten vor dem ersten Ton, sich bei zu viel Depression notfalls Telefonhotlines anzuvertrauen, war nicht nur Gag. Showstar Jack (Julian Groeger) gibt das tablettenabhängige und von Angststörungen geplagte Opfer von Musikbusiness und Profitgier mit Leidenschaft und Überzeugungskraft. Die Story nimmt ihr Publikum immer mehr gefangen.
Die „Bösen“ dominieren anfangs mit einer intriganten Claire (Lia Martin), dem schleimerischen Manager Olaf (Markus Straubel) und dem zutiefst unsympathischen Klatsch-Schreiberling Feuerstack (Alexander Jancek). Und der Schatten (grandios gesungen von Daniel Sprint) gewinnt immer mehr Macht über Jack. Nicht nur zu Jacks Glück singt Anna (Nora Isabel Schöpe) sich in sein Herz und sorgt gemeinsam mit Jolene (Estelle Celine Klein) als Gegenpart für genug heile Welt.
Der von Ängsten geplagte Showstar Jack kämpft mit seinem Schatten.
Die Duette – teilweise mehr schon Duelle – sind sicher Highlights von Showtime. Claire zersingt ihr Spiegelbild, Jack triumphiert in toller Lichtinszenierung über seinen Schatten. Grenzen von Gut und Böse verwischen und Showtime darf happy enden. Das Premieren-Publikum hatten Robin Lindemann und sein Ensemble von Beginn an auf ihrer Seite. An Szenenapplaus wurde in der Konzertaula nicht gespart. Nach einem temperamentvollen Finale wurden Sänger und Tänzer, Musiker aber auch Robin Lindemann selbst, Mitproduzenten, Choreografen, Arrangeur, Regie, Illustration und Technik lautstark und lang anhaltend gefeiert.
Jack und Anna singen sich zum Happy End.
Manche Showtime-Melodien haben sicher das Zeug zum Ohrwurm – aber dafür sollte man sie sich noch das eine oder andere Mal anhören. Auch finanziell ist Showtime gemessen an Ticketverkäufen erfolgreich gestartet. Aktuell gibt es für die weiteren Premierenshows bis zum 5. November noch einzelne Karten – aber die werden nach diesem tollen Start sicher rarer. Für 2024 sind weitere Showtime-Auflagen in Kamen schon terminiert, Karten sind auch dafür bereits online buchbar. Kamen als Musical-Stadt – warum eigentlich nicht?
Claire erpresst Jack mit der Drohung, seine dunklen Seiten öffentlich zu machen.






