Film- und TV-Seitenblicke: Tatort: Kaputt

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tatortscreenkwvon Dr. Götz Loos

Tja… da steht man am Ende etwas ratlos. Oder wie ging es Ihnen, liebe andere „Tatort“-Zuschauer? Eigentlich ist es ja Spannung pur, wenn sich permanente neue Wendungen ergeben. Doch diese Wendungen im neuen Kölner Tatort „Kaputt“ (Pfingstmontag in der ARD) erschlugen mit ihren Klischees und Vordergründigkeiten, die einem hopplahopp vor den Kopf geschlagen wurden. Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt), die sich im Laufe der Jahre immer mehr zum „alternden Pärchen“ gemausert haben, sind auch hier meist souverän, Herren der Lage und agieren bestens im Zusammenspiel – immer weniger gegensätzlich bzw. der Eine wiegt das Agieren des Anderen geradezu auf. Und was auch interessant ist: Nach dem ersten Mord – ein erschlagener Polizist – wird einer der Täter erstaunlich schnell selbst Mordopfer – unerwartet schnell – als Brechung des mehr oder weniger gängigen Erzählschemas; da kann man schon eine schöne verwinkelte Geschichte erwarten. Da hört der „Spaß“ aber auch schon auf. Die homosexuelle Beziehung des toten Polizisten zum Dienstkollegen mag vielleicht aktuelle Probleme ansprechen, trotzdem wirkt sie klischeehaft – und damit auch alle verbundenen Schwierigkeiten: Mobbing durch die weiteren Kollegen; ein Chef, der das Ganze zwar nicht verbieten kann, jedoch auch nicht gut darauf zu sprechen ist, aber es bei Gesprächen mit den Kriminalkollegen herunterspielt; Überforderungen, Schockzustände und damit Gewaltausbrüche insbesondere bei einer Polizistin und dem Partner des ermorderten Polizisten (der dann auch noch einfach den Dienst quittieren möchte); Stammtischparolen bei Polizisten nach Feierabend; Binsenweisheiten über den Zusammenhalt in der Polizei und im Leben; ein Junkie-Pärchen aus zwei Bildungsmilieus und durch Eltern vernachlässigt oder aufbegehrend, weiterhin gegensätzlich in ihrer Impulsivität; ein hohler Polizeipsychologe; ein Assistent, der sich zum Missfallen der Kommissare einerseits für den Personalrat engagiert, andererseits für die Figur ungewohnt emotionalisiert auf den Kollegenmord reagiert; und ich hab bestimmt noch was vergessen… Also hat man schlichtweg versucht, einen großen Teil greifbarer gesellschaftlicher Probleme unter einen – zu kleinen – Hut zu packen. Dabei waren zudem die Dialoge hölzern und eintönig; vielleicht die richtige eintönige Alltagsstimmung der Realität – aber für abendliche Krimiunterhaltung hätte gerade das eine Nummer kleiner sein können. Am Ende beschlich mich trotzdem das Gefühl: Das war’s jetzt? Oder kommt noch was? Trotz der fast unerträglichen Dichte und Fülle der behandelten Problematiken blieb also ein unbefriedigtes Gefühl… Schade, da hätten Regisseurin und Drehbuchautorin Christine Hartmann (letzteres zusammen mit Rainer Butt) mit weniger mehr raus machen können.

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