Moderne Start-Up-Welt trifft auf Gangster-Drogen-Welt

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btfgmbh netfStefan Titze, Drehbuchautor - Foto: btf GmbH25-jähriger Kamener schreibt Drehbuch für NETFLIX-Erfolgsserie

von Julian Eckert

Kamen/Köln. Er ist Grimme-Preisträger, gebürtiger Kamener und Drehbuchautor des internationalen Netflix-Serienerfolgs “How to sell Drugs Online (Fast)”. Nachdem Stefan Titze (25) am Städtischen Gymnasium Kamen sein Abitur abgelegt hatte, zog es ihn in die Medienstadt Köln. Im KamenWeb-Interview spricht er über seine Autorentätigkeit und die zweite Staffel des Netflix-Originals.

Stand Stefan Titze im Jahr 2012 als Mitglied der Schulband “Binki sagt Buh!” in einer Vox-Fernsehshow noch selbst auf der Bühne, so arbeitete er an der Netflix-Original-Serie “How to sell Drugs Online (Fast)” im Hintergrund. Er ist einer der Drehbuchautoren des internationalen Serienerfolges und schreibt aktuell an der zweiten Staffel. Nach seinem Abitur habe Titze schnell gewusst, dass er nach Köln gehen will. “Hier waren die ganzen Produktionen ansässig, die ich damals interessant fand. Also habe ich ein Journalismusstudium begonnen, um vor mir und meinem Umfeld zu rechtfertigen, so schnell es geht nach Köln zu ziehen”, berichtet Titze. Der Kamener war großer Fan von Jan Böhmermann und seiner damaligen Talkshow Roche und Böhmermann. “Das war für mich das Beste, was seit Langem im deutschen Fernsehen/Internet lief. Ich habe recherchiert wer dahinter steckt und habe die Firma dann über Facebook angeschrieben.” So stieß er auf die Kölner Produktionsfirma Bildundtonfabrik, bei der er parallel zum Studium als studentische Aushilfe anfing. Schnell schrieb er für Böhmermanns Sendung Neo Magazin Royal. Im Jahr 2017 gewann er für den Einspielerfilm zum “Verafake”, in dem vom Team des Neo Magazin Royale die Praktiken der RTL-Sendung “Schwiegertochter gesucht” aufgedeckt wurden, den Grimme-Preis. Über seine Zeit im Autorenteam der ZDF.neo-Sendung sagt Titze, dass es “wirklich eine super Zeit” gewesen sei. “Mit 19 Jahren die Chance zu bekommen, für eine wöchentliche Late-Night-Show zu schreiben, war das Größte. Ich habe so unglaublich viel gelernt und glaube, dass ich dort mit der Zeit auch meine eigene Stimme entwickeln konnte, die ich dann versucht habe, in die Show mit einfließen zu lassen. Besonders mit meinem damaligen Ko-Autoren Florentin Will (mit dem ich jetzt den Comedy-Podcast „DAS PODCAST UFO” moderiere), hatte ich sehr viel Spaß an absurden Rubriken und längeren Einspielern.”

 

Ende Mai diesen Jahres erschien die Netflix-Serie “How to sell Drugs Online (Fast)“, bei der Stefan Titze an allen Folgen als Drehbuchautor mitgewirkt hat. Das Team der Bildundtonfabrik hatte von dem Fall eines Leipziger Studenten gelesen, der über mehrere Jahre aus seinem Kinderzimmer heraus Drogen übers Internet in die Welt verschickt hat, während er noch bei seiner Mutter gewohnt hatte. Als das Team den Onlineshop des Leipzigers aufgerufen hatte, konnte es nicht glauben, was es dort sah: “Es gab einen Warenkorb, es gab Sternebewertungen für Produkte und es gab sogar ein ‘Kunden die dieses Ecstasy kauften, kauften auch…’. Moderne Start-Up-Welt mit unglaublicher Benutzerfreundlichkeit trifft auf Gangster-Drogen-Welt”, erzählt Titze. “Ein paar Jahre und Projekte später, habe ich dann mal mit meinen Chefs über mögliche Serienideen gesprochen und dann haben wir erste Konzepte zu einer fiktionalen Version dieser Prämisse erstellt. Netflix hat parallel in Deutschland intensiv nach regionalen Geschichten mit internationaler Relevanz gesucht und dann ging eigentlich alles ganz schnell.” Auf die Frage, welche Herausforderungen es bei der Erstellung des Drehbuchs gab, antwortet der 25-jährige: “Wenn ich das alles erzähle, ist der Kamen-Web-Server voll. Wir haben ja alle noch nie eine Serie geschrieben – das war unser erstes Mal. Und wie das mit ersten Malen so ist, läuft natürlich noch nicht alles so rund und man muss eine Menge lernen. Aber Netflix war ein super Partner, unsere beiden Showrunner kommen ja auch aus der Fiktion und mir hat mein Comedy-Writing-Background echt geholfen. Darauf konnte ich mich in gewisser Weise etwas stützen. Was den dramaturgischen Part angeht: den musste ich mir erst draufschaffen.” Umgesetzt wurden die Ideen des Drehbuchautoren-Teams dann in den anderthalb Monate andauernden Dreharbeiten rund um Bonn und Umgebung.

Mit dem großen Erfolg, den die Serie national und international erzielte, hatten Titze und Kollegen nicht gerechnet: “Man verliert auch irgendwann komplett das Gefühl. Gerade im Schnittraum. Da schaut man Szenen teilweise 1800 Mal und ich bin ja so schon immer sehr schnell gelangweilt. Also denkt man nach Durchgang 754 schon mal schnell: Klappt diese Szene überhaupt? Wollen wir sie nicht komplett umschneiden? Irgendwie sind Deadlines dann auch sehr befreiend. Dass die Serie am Ende des Tages so gut ankam, freut uns sehr.” Ebenso freut sich die gesamte Produktion darüber, dass sie die Geschichte in einer zweiten Staffel weitererzählen dürfen. Etwa einen Monat nach dem Erscheinen der ersten Staffel verlängerte der US-amerikanische Streamingdienst die Serie um eine weitere Staffel. An dieser wird aktuell gearbeitet. “Also eigentlich ging es dann erst richtig los. Da sind die Dinge komplett aus der Kontrolle geraten”, lautet der letzte Satz der ersten Staffel. Die Polizei scheint, dem Drogenhändler Moritz immer mehr auf die Schliche zu kommen. “In der zweiten Staffel legen sich Moritz und die MyDrugs-Crew nach ihrem holprigen Start ins Business nun mächtig ins Zeug und ihr Online Drogen-Start-up wird noch erfolgreicher – und gefährlicher”, verrät Titze. “Wir sind auf jeden Fall schon fleißig am Schreiben und Produzieren. Ich freue mich schon drauf, wenn die Staffel rauskommt und wir allen zeigen können, wie es weitergeht.”

 

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