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    Feinnervig und spontan, ein Großer in kleinen Formaten | Eine Würdigung in Memoriam Lothar Kampmann *11. 7. 1925 +20.01.1993

    Der „Kömsche Bleier“ – eine alte Kamener SymbolfigurDer „Kömsche Bleier“ – eine alte Kamener Symbolfigur

    Archiv: 100 Jahre Lothar Kampmann: Große Jubiläums-Ausstellung an drei Kamener Orten

    von Gerd Puls

     Lothar Kampmann *11. 7. 1925 +20.01.1993 Lothar Kampmann *11. 7. 1925 +20.01.1993Kamen. Lothar Kampmann, ein Kamener Künstler von Rang, der vor allem in der kleinen Form, in kleinen Formaten, z.B. in seinen sensiblen Zeichnungen und sinnlichen Bronzen einmalig ist. Einzigartig in der meisterhafter Beherrschung zahlreicher Techniken, die er im Laufe seines Künstlerlebens immer wieder erprobt und für sich neu entdeckt. Dazu gehört sein früh entwickelter zeitloser Zeichenstil, sei es mit der Stahl- oder Rohrfeder, oder, vor allem in den Anfangsjahren, mit dem Bleistift. Werkzeuge, die er traumhaft sicher zu meistern versteht, um mit untrüglichem Kompositionsgefühl, gestalterischer Kraft und Spontanität das Auge des Betrachters immer wieder auf Neue emotional zu bannen.

    Dabei entlädt sich seine spontane, oft aus dem Augenblick erwachsene Energie mit subtiler, feinnerviger Formauffassung und einem feinen Empfinden für stimmige Linie und Gestalt innerhalb eines zeitlos gültigen Themenkatalogs. Jener nachdenkliche Genuss, der einen ehrlichen und engagierten Künstler auszeichnet, lässt sich so bei Lothar Kampmann sehr leicht nachvollziehen und wird unmittelbar spürbar.

    Lothar Kampmanns Kunst entsteht gleichermaßen im Kopf, im Herzen und aus dem Bauch heraus, mit Gefühl und Vernunft zugleich richtet sie sich an den Betrachter. Das sichere Auge spielt ebenso eine entscheidende Rolle wie das Spontane und Emotionale, wobei der Künstler stets den „ganzen Menschen“ im Blick hat. Liebevolles Miteinander, das den Menschen erst menschlich macht.

    Zuneigung, Freude, Glück, Schönheit und Einzigartigkeit, auch in kleinen, unscheinbaren Dingen. Zufriedenheit ebenso wie Zerrissenheit, Getroffen- und Betroffensein. Es geht ihm um Unersetzliches im umfassenden, im allgemeingültigen Sinn, der jedes Lebewesen mit einbezieht. Dabei ist er sich bewusst, dass dunklen Seiten, Bedrohung und Gefährdung nicht ausgeklammert werden dürfen. Mit dem gleichen, ihm eigenen Engagement bezieht er folglich Ablehnung und Zerstörung, Enttäuschung, Trauer, Hilflosigkeit, Ängste und Chaos mit ein, die vielen Brüche, Verletzungen und Wunden, die sie hinterlassen.

    Gelegentlich hat er sich selbst einen faulen Künstler genannt. Dabei kann sich Lothar Kampmann bei seiner selbstkritisch bekundeten Faulheit stets auf seine künstlerischen Aussagen verlassen, kann auf seine unverwechselbare Bildsprache zurückgreifen, auf gültige, wesentliche Themen, die letztlich unser gesamtes menschliches Leben bestimmen. Begabung, Berufung und fortwährende Auseinandersetzung stellen ihn so in eine der vorderen Reihen der Zeichner der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

    Aus dem Hintergrund eines einfachen dunklen Papiers tritt – mit wenigen Kreidestrichen und sparsamen Farbtupfern skizziert – ein Frauenakt in so feiner Plastizität hervor, dass diese Körperlichkeit im Wortsinne sofort greifbar ist. Und beim Betrachten einer kleinen Farbstiftzeichnung, auf nur wenigen Quadratzentimetern Papier vermittelt sich Leben und Wärme im künstlerischen wie im wirklichen Sinn. Frauenfiguren, Akte in ihrer ganzen Anmut, Schlichtheit und gleichzeitigen Schönheit von Linie und Form werden von Lothar Kampmann in Szene gesetzt ohne sich aufzudrängen, zu beschönigen oder zu verfälschen, ohne dass die wenigen Farbakzente ablenken oder überbetonen würden. Frauenbilder als Sinnbilder und Maßstab, es bedarf keiner Worte, keiner Erklärung, keiner Attribute oder Effekthascherei.

    Seine unverwechselbare Bildsprache mit ihrer weitsichtigen, vielschichtigen und vielgesichtigen Gültigkeit und Beständigkeit zeichnet ihn aus, dies gilt für Zeichnung, Druckgrafik und figürliche und szenische Kleinbronzen in gleichem Maße. Beispielsweise in seinen kleinen, Shakespeare nachempfunden Theaterszenen, ebenfalls in biblischen Bildzitaten, in subtilen Tierdarstellungen und immer wieder im menschlichen Miteinander und Gegenüber. In Dialogen, in Zweier- und Dreiergruppen oder in familiären Alltagsszenen im Haus nebenan findet Lothar Kampmann seine Darstellungen und Motive auf dem Papier, in Bronze, Stein oder Beton. Wesentliche Dinge, die uns bewegen und seit tausenden Jahren gültig sind.

    Künstlerisches Selbstverständnis und spielerisch sicherer, souveräner Umgang mit Themen, Techniken und Materialien erlauben es Lothar Kampmann, einmal gefundene und für gültig befundene Motive zu variieren, sei es als Skulptur, als Federzeichnung, Radierung oder als einfache Collage, in der er minutenschnell aus wenigen farbigen Papierschnipseln und einfachen Alltags- und Abfallmaterialien etwas erfrischend Neues und Überraschendes kreiert.

    In einem so liebenswerten wie lebendigen Euvre, ob in den ungezählten gezeichneten Frauenakten mit Attributen wie Katzen, Hähnen, Vögeln, Schmetterlingen, Bäumen und Blumen oder in seinen erzählenden theaterhaften Kleinbronzen, ist der bewegte Mensch ein wichtiger Faktor, ist Auslöser, Ausgangspunkt und Zielpunkt seiner Arbeiten.

    Mitunter, in den Nachkriegsjahren und gegen Ende der 1960er Jahre, ist die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen stärker ausgeprägt. So gibt es in jener Zeit karikierende, satirehafte, oft bissige und entlarvende Federzeichnungen, die aber rasch wieder wechseln zu liebevollen, auch hintergründig humorigen Arbeiten, zu seinen unverwechselbaren, ganz eigenen Liebesbildern beispielsweise.
    Den Lehrer, den Kunstpädagogen und Buchautor aufgrund oder wegen seiner Bedeutung als Künstler außen vor zu lassen, wäre nur die halbe Wahrheit. Beide Wirkungsfelder sind bei Lothar Kampmann unmittelbar miteinander verbunden. Das eigene, facettenreiche Gestalten, verbunden mit der notwendigen Übung und Erfahrung, seine Kreativität und Experimentierfreudigkeit zeichnen Lothar Kampmann gleichermaßen aus und machen ihn zu einem hervorragenden Lehrer, der seine Schüler und Studenten fördert, fordert und weiterentwickelt, ohne sie einzuengen, ohne ihnen etwas vorzuschreiben und aufzuzwingen.

    Nicht unterschlagen werden dürfen seine zahlreichen Publikationen, Bücher zur Kunstdidaktik und -methodik, seine beliebten und erfolgreichen Pelikan-Bücher für bildnerisches Gestalten etwa, erschienen im Otto Maier Verlag Ravensburg, die vorbildhaft waren für jene Zeit und für ganze Generationen von Kunsterziehern.

    Über Jahrzehnte hinweg schafft es Lothar Kampmann so, zweigleisig Akzente und Maßstäbe zu setzen, bereitet mit seinen Bildwerken sinnliche Genüsse und schafft es gleichzeitig als Lehrer Anreger, Anleiter, Anstifter und menschliches Vorbild zu sein, stets mit Betonung auf die von ihm erkannte Wirklichkeit des bewegten Menschen, die für ihn nie Alibi oder Staffage ist.

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