Musikkritik: Würdiger Abschiedsfrühschoppen für Kamener Chorleiter-„Urgestein“

am . Veröffentlicht in Musik

chorleiter916GLvon Dr. Götz Heinrich Loos

Kamen/Bönen. Es war spaßig, originell und berührend, aber man hätte sich noch mehr Beachtung und mehr Ehre gewünscht für dieses Abschiedskonzert, diesen „musikalischen Frühschoppen“ – und natürlich für den vornehmlich Betreffenden. Reinhard Mank beendete seine jahrzehntelangen Chorleitertätigkeiten am Sonntag-Vormittag in der Aula der Goethe-Grundschule in Bönen. Mit „seinen“ Chören M.G.V. Sängerbund Kamen, M.G.V. Nordbögge und MGV Eintracht Pelkum sowie Solosänger Günter Grieper (Bass), Julia Wagenblass (Klavier), Felix Wagenblass (Klarinette) und Werner Roesler (begleitendes E-Piano) gab es noch einmal einen Reigen vom traditionellen Chorlied bis hin zum (teilweise aktuellen) Schlager. Letztlich war die Aula dann doch voll, aber gerade aus Kamen wurde so mancher/manche kulturpolitisch Tätige oder zumindest kulturell Aktive vermisst. 

Reinhard Mank ist schließlich nicht irgendjemand. Als Chorleiter und Chorsänger trat er in die Fußstapfen von Großvater und Vater; Karl Mank sen. und Karl Mank jun. waren ebenfalls bedeutende Chorleiter und zudem angesehene Musikpädagogen – besonders Karl Mank jun., früh schwer erkrankt und verstorben, war weit über die Grenzen Kamens hinaus bekannt, er leitete in den 1950er und 60er Jahren zahlreiche Chöre in der näheren und weiteren Umgebung. Reinhard Mank ging (haupt-)beruflich allerdings einen anderen Weg; er studierte in Göttingen Germanistik und Biologie. Langjährig war er Lehrer am Märkischen Gymnasium Hamm, bevor er im letzten Jahr in den Ruhestand trat. Die geerbte musikalische Begabung und Begeisterung ließen ihn nebenbei Chorsänger werden (vor allem seit über 30 Jahren im Oratorienchor Kamen), aber dann eben auch Chorleiter – zuletzt der oben genannten drei Männerchöre, teilweise über Jahrzehnte. Immer wieder machte er durch hervorragende Qualität der Aufführungen auf sich aufmerksam – oder auch durch ungewöhnliche, oft etwas lustige Aktionen; wie den Einbau von aktuellen Schlagern, bei denen man sich zunächst gar kein Chorarrangement vorstellen konnte… aber er bewies, dass es doch geht.
So konnte man auf ein spannendes und sehr spaßbetontes (man beachte im Folgenden „)))“) Programm an diesem Sonntag hoffen. In einem ersten Block gab es „Frohsinn lacht uns heut‘“ von Willy Trapp und die Silcher-Lieder „Frisch gesungen“ (nach Text von Chamisso) und „Untreue“. Reinhard Mank erläuterte den jungen Zuhörenden vorab, was unter „Frohsinn“ in heutiger Jugendsprache zu verstehen sei. Der Sänger Günter Grieper aus Bönen, dessen Karriere mit dem Rat von Reinhard Manks Großvater Karl Mank sen. begann, Gesangsunterricht zu nehmen, trug Robert Stolz‘ „Wohin ist das alles, wohin?“ und Gustav Pressels „An der Weser“ vor – mit angenehmem Timbre und passender Emotionalität, eigentlich hoch-spätromantisch im Stil. Julia Wagenblass begleitete auf dem Klavier. Danach war das Publikum gefordert, denn zusammen mit der Chorgemeinschaft wurden „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ vom Publikum gesungen – und zwar ganz gelungen.
Die Chöre kamen dann mit „Oh! Susanna“, Otto Grolls „American Folk Songs“ und Willy Partens Medley-artiger Zusammenstellung „Wir hören Walter Kollo“. Günter Grieper sang dann noch Willi Kollos „Ich hab‘ eine kleine Philosophie“. Nebenbei bemerkt: Ähnlich wie bei den Manks, waren bei den Kollos auch drei Generationen aktiv: Walter, Willi und René Kollo – sicherlich kein vermessener Vergleich )). Ebenfalls nebenbei: Das Engagement und der Vortrag der Chöre waren mehr als gut, die Bassstimmen sogar ausgezeichnet, bei den Tenören gab es manchmal ein leichtes „Schlittern“ bei sehr hohen Passagen.
Nach der Pause musste der Rezensent leider gehen, so dass er den Rest des Programms nicht mehr sehen konnte, aber zumindest die Schlagervorträge „Griechischer Wein“, „Atemlos“ und „Michaela“ konnten vor einiger Zeit in der Konzertaula bewundert werden – teilweise erheblich lustiger als die Originale… ))) Felix und Julia Wagenblass spielten noch „Oblivion“ von Astor Piazzolla; im Programm stand „Astor Alexander“, direkt über „Peter Alexander“ („Die kleine Kneipe“, nochmals Günter Grieper) – nur ein Versehen?? )))). Das Konzert schloss mit drei gemeinsamen Liedern (Chöre und Publikum), dabei stand am Ende „Nehmt Abschied Brüder“, das „Auld Lang Syne“ in deutscher Version, seit Langem das Abschiedslied hiesiger Pfadfinder – jedenfalls ein würdiger Abschied von einem großen Chorleiter, einem originellen „Urgestein“ der hiesigen Chorszene – und melancholisch genug für eine Träne im Auge.


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