Musikkritik: Musikalische Vesper in der Margaretenkirche: Händel in guten Interpretationen

am . Veröffentlicht in Musik

Pixabay.comvon Dr. Götz Heinrich Loos

Kamen. Am Sonntag richtete der Kammermusikkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Methler unter Leitung von Jochen Voigt eine Musikalische Vesper in der Margaretenkirche aus. Auf dem Programm standen ausschließlich Werke von Georg Friedrich Händel, sieht man einmal von der Zugabe ab. Als Solisten bzw. Solistinnen traten auf: Clara Busemann (Harfe), Elisabeth Natzel (Violine) und Katarzyna Grabosz (Sopran). Die Solopartien der Flöten (Travers- und Blockflöte) spielte Jochen Voigt.

Zuerst gab es das Concerto grosso G-Dur HWV 314 für Violine, Traversflöte, Streicher und Basso continuo. Es ist ein sehr händeltypisches Werk, was die Kompositionsstruktur anbetrifft; manche Melodien und Phrasen glaubt man zu kennen, weil ähnliche in anderen Händel-Werken auftreten. Dieser Erkennungscharakter darf aber nicht über die hohe Professionalität hinwegtäuschen, die intime Kenntnis Händels über die Anlage von Concerti grossi. Die Ausdrucksfülle des Werkes ist sehr ansprechend, wenn die Interpretation gelingt. Und sie ist hier zweifellos gelungen. Schwungvoll agierten der Kammermusikkreis und die Solisten, gaben auch das Adagio mit angemessener Ruhe, aber im Ausdruck sehr bedeutungsvoll. Gelungener Anfang!

Es folgte das Konzert B-Dur HWV 294 für Harfe, zwei Blockflöten, Streicher und Basso continuo. Dieses Werk gehört zu den sehr bekannten Kompositionen Händels, in der Harfenliteratur ist es sowieso Pflicht für jede Harfenistin und jeden Harfenisten. Die Interpretation war entzückend und von hoher Qualität - was natürlich auch mit der Solistin Clara Busemann zu tun hatte, aber nicht nur: Jedes Solo gelingt nur dann gut, wenn die Einbettung oder der Dialog (mit dem Ensemble) gelingt. Und hier waren Einbettung und Dialog sehr gut und günstig für den Klang. Sehr beeindruckend, die Leichtigkeit, mit der der Kammermusikkreis bei einem sehr guten Klangbild das Werk nahm. Clara Busemann bewies eine gute Virtuosität, die gerade bei den schwierigen Stellen deutlich wurde. Zu viel Emotionalität wurde vermieden - und das ist bei diesem vorwärtsstrebenden Werk genau richtig; mehr Verspieltheit ist nötig, das klappte vorzüglich.

Das Konzert B-Dur HWV 288 für Violine, Streicher und Basso continuo hingegen hätte mehr Esprit gebraucht. Es wurde zumindest in Teilen zu schleppend interpretiert. Die Geigensolistin Elisabeth Natzel, die sonst hervorragende Qualität bewies, hatte zu kämpfen und traf in einzelnen Abschnitten nicht immer den richtigen Ton. Der Gesamteindruck war zwar durch das Überwiegen gut gelungener Partien nicht schlecht, er hätte angesichts der anderen Leistungen des Abends aber definitiv besser sein können.

Strahlend dann aber das abschließende "Gloria in excelsis Deo", HWV deest, mit der Gesangssolistin Katarzyna Grabosz. Ihre unaufgeregte, etwas zurückgenommene Interpretationsart beeindruckte, wenn sie auch das Vibrato teilweise etwas hätte ebenfalls etwas zurücknehmen können. Auch der Kammermusikkreis war wiederum im Vortrag und in der Abstimmung mit der Solistin herausragend. So endete dann ein gelungener Konzertabend, unterbrochen von Psalm 33, Bibellesung und Gebet mit Vaterunser.

Aber er endete nur fast so, denn nun war das Publikum zur Zugabe gefordert. Gemeinsam mit dem Kammermusikkreis wurde das "Gloria sei Dir gesungen" aus Bachs Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme", als solitäres Lied im Gesangbuch enthalten, vorgetragen - und so schloss eine beeindruckende Musikalische Vesper.

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