Kamener Nachwuchsmusik ist auch nach 30 Jahren noch „Laut & Lästig“

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Musik

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von Katja Burgemeister | Fotostrecke >>>

Kamen. Vor 30 Jahren waren Internet und Smartphones noch eine vage Vision. Das Laut & Lästig-Konzert am Samstag wäre mit den Auftritten der 15 Bands und Solisten auf zwei Bühne so fast undenkbar gewesen. Marketing, PR, Merchandising und digitale Sampleraufnahmen gab es vor 30 Jahre nicht. Heute umso mehr. Vielleicht macht das Event samt Verein für die Kamener Nachwuchsmusiker gerade deshalb so viel Spaß, weil es ständig im Wandel ist.

LLopen819KB25Vor drei Jahrzehnten wäre es jedenfalls fast undenkbar gewesen, dass ein Rapper den Haupt-Act gibt. Mit Punk und Rock, Pop und dann vor allem Metal hat es angefangen. Vor allem laut ging es in und um das Gymnasium zu, wenn dort Schülerbands und anderen eine Plattform gegeben wurde. „Auch Jazzer mit Saxophon waren ganz am Anfang dabei – und Folk“, relativiert Frank Hilgenfeld, Mitgründer und Ehrenvorsitzender. „Wir wollten einfach nur musizieren und hatten keine Ahnung“, erinnert er sich. Mit Kontakten zur Stadtverwaltung nahm die Vision mit Blick auf Schrebergärten Fahrt auf. „Die Satzung erarbeiteten wir noch richtig in Handarbeit – ohne Internet und irgendwen, der wusste, wie es geht“, erzählt er. „Nehmt Euch ein Instrument und macht was draus“, war das Motto.

Inzwischen sind daraus 100 Mitglieder geworden. Vierteljährliche Konzerte und Workshops rund um rechtliche Aspekte und Technik sind dazugekommen. „Wir sind immer noch offen für jede Musikrichtung – und immer noch ein alternativer Mosaikstein in der Kamener Kulturlandschaft“, ist Frank Hilgenfeld überzeugt. Die Zuhörer kommen nicht mehr nur aus Kamen. Dortmund, Bochum, Ostwestfalen sind das Einzugsgebiet für alle, die nicht das hören wollen, was in den Top 40 angesagt ist. Mit der ganzen Familie.

Deshalb planschten und tanzten tagsüber auch diejenigen im Wasserleck im Schlauch, die gerade mal laufen konnten. Und auf der Bühne sangen manche von denen, die vor 30 Jahren begeistert im Publikum standen. Wie „Kiosk Europa“ mit ihrem ersten Auftritt auf einer großen Bühne und dem 5. überhaupt. Erst seit einem Jahr machen die beiden Kamener Ehepaare zusammen Musik, weil einer von ihnen mit dem Schlagzeug anfing – mit 48 Jahren. Los ging es mit Coversongs, „das war aber anstrengend, weil wir die Songs selbst nicht wiederkannten“, erzählt das Quartett lachend. Inzwischen sind es eigene LLopen819KB28Lieder und es gibt sogar schon eine eigene CD, die bei Studioaufnahmen entstand. Ein eigenes Video ist im gemeinsamen Griechenlandurlaub entstanden – Smartphones und Internet sei Dank. Der Auftritt am Samstag „war richtig gut, professionell, mit einem großartigen Sound“, sind alle vier zufrieden.

Im Publikum werden inzwischen wieder die Handys gezückt. Eine ganze Gruppe von Rollstuhlfahrern hat sich vor der Bühne aufgebaut und rollt im Takt mit. Sie wohnen alle zusammen im benachbarten Haus Volkermann und kommen jedes Jahr. „Weil es einfach tolle Musik gibt“, sagt Mareike. Sie ist blind und kann sich ein Leben ohne „rockige, harte Musik“ gar nicht vorstellen. „Das macht einfach Spaß – und das Konzert hier auch, ich bin das erste Mal dabei“, erzählt sie.

Das erste Mal stand auch Rapper Goldroger auf der Laut & Lästig-Bühne. Er ist ein echter Kamener, auch wenn er längst in Köln lebt und dort inzwischen eine Größe in der Rapper-Landschaft ist. Der Postpark war sein Revier. Gerade erst ist sein nächstes Album fertig geworden. In seiner Heimatstadt auf der Bühne zu stehen, bewegt ihn – das sagt er auch, als er sich das Mikrophon schnappt. Vielleicht liegt es auch daran, dass seine Mutter und die Großmutter im Publikum stehen. Oder daran, dass die Laut & Lästig-Gemeinde bislang eher selten Rap-Musik auf der Bühne erlebte. Es dauert aber nicht lang, dann tobt die Menge auch zu den ungewohnten Klängen wie eh und je. Wie schon seit 30 Jahren. Fotostrecke >>>

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